Geldpolitik: Türkische Notenbank beendet offenbar Regelung zum Schutz der Sparer
ie türkische Geldpolitik zeigt kaum Wirkung, der Wechselkurs der Lira erreiche kürzlich ein Rekordtief.
Foto: BloombergAnkara. Trotz Kritik ist die türkische Notenbank offenbar fest entschlossen, Sparer künftig nicht mehr von der Entwertung ihrer Guthaben durch Wechselkursverluste zu schützen. Vertreter der Notenbank hätten bei einem Gespräch mit Vertretern von Geschäftsbanken am Montag erklärt, die damit verbundenen Schwierigkeiten anzugehen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei Banker.
Die als „KKM“ bekannte Regelung sollte Einlagen der Sparer vor Wechselkurs-Verlusten schützen. Die Notenbank hob bereits am Sonntag bestimmte Zielvorgaben auf. Außerdem rief sie die Banken dazu auf, ihre Kunden zum Umstieg auf reguläre Lira-Konten zu bewegen.
Präsident Recep Tayyip Erdogans Regierung beschloss die KKM-Regelung Ende 2021, um einen historischen Kurssturz der Landeswährung aufzuhalten. Dieser war durch Erdogans unorthodoxe Vorstöße ausgelöst worden, die Leitzinsen trotz einer steigenden Inflation zu senken.
Die Regelung sollte Sparer dazu anregen, ihre Ersparnisse in der Landeswährung Lira und nicht in Fremdwährung zu halten. KKM-Einlagen sind mit staatlichen Garantien zum Schutz vor Verlusten aus Wechselkursschwankungen ausgestattet.
Die Garantien kommen die Notenbank seither teuer zu stehen: Allein im Juni und Juli zahlte sie zur Abdeckung von Abwertungskosten 300 Milliarden Lira – etwa elf Milliarden Dollar.
Insgesamt sind die KKM-Einlagen seit der Einführung auf rund 3,36 Billionen Lira – umgerechnet etwa 124,7 Milliarden Dollar – angeschwollen. Das sind rund ein Viertel aller Bankeinlagen. Der Wechselkurs der Lira ist in den vergangenen zwei Jahren um rund 68 Prozent eingebrochen.