Interview: Bundesbank-Präsident Weidmann fordert baldiges Ende der Krisen-Hilfen
Der Chef der Deutschen Bundesbank erwartet, dass die Inflationsrate noch in diesem Jahr weiter in Richtung fünf Prozent geht.
Foto: Bloomberg via Getty ImagesFrankfurt. Am Wochenende treffen sich die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem Hotel in der Nähe von Frankfurt, um über die künftige geldpolitische Strategie zu beraten. Ein durchaus kontroverses Kernthema dürfte sein: Wann schaltet die EZB um vom Krisenmodus auf Normalbetrieb? Die US-Notenbank (Fed) hat diese Wende in ihrer jüngsten Sitzung am Mittwoch bereits angedeutet. Aber Amerikas Wirtschaft ist der Konjunktur in der Euro-Zone auch weit voraus.
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann positioniert sich schon vor dem EZB-Treffen am Wochenende: Er hält ein baldiges Ende des Notfallprogramms PEPP für geboten. „Wenn der Notfall vorüber ist, für den das PEPP geschaffen wurde, muss es beendet werden“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. PEPP erlaubt der EZB, besonders flexibel Anleihen zu kaufen.
Voraussetzung für eine Normalisierung der Geldpolitik sind aus Sicht von Weidmann eine gefestigte wirtschaftliche Erholung und ein Auslaufen der wesentlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Hiermit rechnet er 2022. „Ich gehe derzeit davon aus, dass wir im nächsten Jahr keine ungewöhnliche Unterauslastung der Kapazitäten mehr haben werden – und zwar auch dann, wenn wir die geldpolitischen Notfallmaßnahmen zurückfahren.“