Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Lira-Abschwung Türkische Zentralbank senkt den Leitzins erneut

Die türkische Zentralbank setzt ihre Politik des billigen Geldes fort. Der Druck auf die Lira und auf Banken wird steigen, Exporteure profitieren.
19.02.2020 Update: 19.02.2020 - 13:18 Uhr Kommentieren
Lira-Kurs aktuell: Türkische Zentralbank kappt Leitzins erneut Quelle: Bloomberg
Türkische Lira

Die Währung gab nach dem Zinsentscheid nach.

(Foto: Bloomberg)

Istanbul Die türkische Zentralbank hat inmitten einer Schwächephase der Landeswährung Lira die Leitzinsen leicht gesenkt. Am Mittwochnachmittag (Ortszeit) gaben die türkischen Geldwächter bekannt, den Zinssatz für einwöchige Refinanzierungsgeschäfte von 11,25 auf 10,75 Prozent zu senken.

Die wirtschaftliche Erholung dauere an, erklärte das geldpolitische Komitee um Zentralbankchef Murat Uysal in einer Stellungnahme. „Doch trotz der Anzeichen der Erholung entwickeln sich Investments und die Beschäftigungsentwicklung nur schwach“, begründen die Geldwächter die Zinssenkung. Der schwächere Ausblick der Weltwirtschaft würde zudem die internationale Nachfrage nach türkischen Produkten schwächen.

Analysten hatten mit einer Zinssenkung im Bereich von 50 Basispunkten (0,5 Prozentpunkten) gerechnet. Für die Wirtschaft des Landes hat der Schritt gemischte Auswirkungen: Exporteure dürfen sich freuen. Doch für Konsumenten und Banken dürfte sich die Situation kaum verbessern.

Seit Juli 2019 hat die Zentralbank kontinuierlich die Leitzinsen gesenkt, von einst 24 Prozent auf jetzt 10,75 Prozent. Grund für die hohen Zinsen damals war die ebenso hohe Inflation von weit über 20 Prozent.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten wuchs in der Bevölkerung der politische Verdruss. Bei den Kommunalwahlen im Juni 2019 musste die regierende AKP mehrere Niederlagen hinnehmen. In den meisten Großstädten des Landes gewann die Opposition die Macht in den Rathäusern, etwa in Istanbul, Ankara oder der Ferienhochburg Antalya.

    Druck von Erdogan

    Seitdem setzt Präsident Erdogan alles daran, die Inflation runterzudrücken. Ein Mittel seiner Wahl: Zinssenkungen. „Ich habe eine Allergie gegen Zinsen“, erklärte er im Sommer.

    Und so fielen seitdem die Leitzinsen. Die Inflation ging ebenfalls zurück, auf inzwischen 12,15 Prozent pro Jahr. „Wenn die Zinsen sinken, wird auch die Inflation schwächer“, sagte Erdogan – und behielt weitestgehend recht.

    Grafik

    Die Zinssenkung wird nach Ansicht von Analysten den Wechselkurs der Lira weiter belasten. In den vergangenen drei Monaten hat die Währung gegenüber dem US-Dollar bereits 5,5 Prozent verloren, in den vergangenen zwölf Monaten knapp 15 Prozent. Aktuell werden für einen Dollar 6,07 Lira gezahlt.

    Für Exporteure ist das gut, weil ihre Produkte im Ausland billiger werden. Wenn die Türkei mehr exportiert, kann sie ihr chronisches Leistungsbilanzdefizit ausgleichen. Auch die Zentralbank scheint das ins Kalkül aufgenommen zu haben. „In Zukunft wird ein moderater Kurs im Leistungsbilanzsaldo, der sich in jüngster Zeit erheblich verbessert hat, als entscheidendes Element angesehen“, heißt es in der Stellungnahme von Mittwoch.

    Eine schwächere Währung könnte jedoch die Inflation weiter anheizen. Das wäre schlecht für Konsumenten, und damit auch schlecht für die Wählerschaft von Präsident Erdogan, die ihm vor einem Jahr schon mal das Vertrauen teilweise entzogen hatte.

    Misstrauen in Regierungsprognosen

    Analysten und Investoren misstrauen in diesem Zusammenhang der Prognose der türkischen Regierung, dass die Inflation in den nächsten Monaten weiter abnehmen wird. Während die Administration von Präsident Erdogan davon ausgeht, dass die Preissteigerungen bis Jahresende auf 8,5 Prozent zurückgehen werden, rechnen die Währungsexperten mehrerer türkischer Finanzhäuser mit einer Inflation in Höhe von durchschnittlich 10,01 Prozent.

    Erdogans Minister argumentieren, wegen der sinkenden Inflation könnten auch die Zinsen weiter abgesenkt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Finanzanalysten im Land sind offenbar anderer Meinung. „Es scheint, dass die Märkte den Inflationserwartungen der Regierung nicht trauen“, heißt es in einem Anlegerkommentar von Oyak Research. In dem Analysehaus rechnet man bis Jahresende mit 10,5 Prozent Inflation, zwei Prozentpunkten mehr als die Regierung.

    Die jüngste Zinssenkung könnte die Preisentwicklung in dem Land daher wieder anheizen. Das wäre eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Wenn die Preise stärker als erwartet ansteigen, wird der Konsum abgewürgt, und dann fehlt Geld für neue Investitionen, wodurch wiederum Arbeitsplätze verloren gehen.

    Mehr: Bürgermeister von Istanbul will mit städtischer Investitionsagentur Regierungsblockade umgehen

    Startseite
    Mehr zu: Lira-Abschwung - Türkische Zentralbank senkt den Leitzins erneut
    0 Kommentare zu "Lira-Abschwung: Türkische Zentralbank senkt den Leitzins erneut"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%