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US-Hilfspaket Was ist „Helikoptergeld“ – und wäre sein Einsatz auch für Europa sinnvoll?

Die neuesten Hilfsmaßnahmen der USA verschaffen dem Konzept des Helikoptergelds neue Aktualität. Hier gibt es dazu die zehn wichtigsten Antworten.
18.03.2020 - 14:09 Uhr 2 Kommentare

„Trump hat jetzt die Chance sich als Anführer und Dealmaker zu präsentieren“

Düsseldorf, Frankfurt Die USA haben beschlossen, ihren Bürgern direkt Geld zu überweisen. Im Gespräch sind 1000 Dollar innerhalb der nächsten zwei Wochen. In diesem Zusammenhang wird auch von „Helikoptergeld“ gesprochen. Aber was bedeutet das? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:

1. Wie ist Helikoptergeld definiert?

Das Konzept ist seit Jahren im Gespräch und wurde schon vor dem Ausbruch der Coronakrise wieder häufiger diskutiert. Gemeint ist damit nach bisheriger Definition, dass Notenbanken den Bürgern direkt und breit gefächert Geld zur Verfügung stellen. Damit sollen Nachfrage, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze stabilisiert und ein Abrutschen in Deflation, eine Phase sinkender Preise, verhindert werden.

2. Welche Varianten gibt es?

Die radikale Variante wäre, dass die Notenbank das Geld selbst an die Bürger überweist. Die weniger radikale wäre, dass sie unmittelbar entsprechende Zuweisungen der Regierungen refinanziert.

3. Handelt es sich bei dem neuen Plan der US-Regierung um Helikoptergeld?

Beschlossen ist, dass die Regierung das Geld aus ihrem Haushalt verteilt. Der Harvard-Ökonom Jason Furman hatte das Konzept ins Gespräch gebracht, der konservative Senator Mitt Romney und Bill Dudley, der ehemalige Chef der Fed New York – also des wichtigsten regionalen Ablegers der US-Notenbank –, hatten sich dafür ausgesprochen.

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    Die beschlossene Zuweisung ist zunächst eine Art bedingungslose Sozialleistung und somit noch kein Helikoptergeld. Außerdem dient das Geld nicht in erster Linie dazu, allgemein die Nachfrage zu stärken. Vielmehr soll es verhindern, dass einzelne Bürger durch die Krise in Not geraten und nicht mehr einkaufen oder wichtige Rechnungen nicht bezahlen können.

    Andererseits gibt es eine gewisse Nähe zum Konzept des Helikoptergelds, weil die Notenbank den Staatshaushalt mit Ankäufen von Staatsanleihen refinanziert.

    4. Wäre Helikoptergeld auch in Europa möglich?

    Eine Zuweisung aus Staatshaushalten könnten die Regierungen überall beschließen.

    5. Wer wäre in der EU dafür zuständig?

    In erster Linie wären wohl die nationalen Regierungen zuständig. Der Haushalt der Europäischen Union (EU) ist relativ klein, außerdem ist sie auch administrativ zu weit weg von den Bürgern. Ähnlich wie in den USA würde es aber allenfalls eine indirekte Unterstützung durch die Notenbank, die Europäische Zentralbank (EZB), geben.

    6. Wäre der Einsatz in Europa sinnvoll?

    In den USA gibt es kein gutes Sozialnetz, außerdem haben viele Amerikaner laut Umfragen nur sehr wenig finanzielle Reserven für Notfälle. Daher ist eine direkte Zuweisung dort besonders sinnvoll. Ifo-Chef Clemens Fuest sagt: „In den Vereinigte Staaten gibt es kein System der Grundsicherung wie etwa in Deutschland. Unterstützung gibt es für Menschen mit niedrigen Einkommen vor allem, wenn sie arbeiten“, sagt Fuest.

    Die Arbeit werde jetzt aber krisenbedingt massiv eingeschränkt. Deshalb sei es für die USA sinnvoll, Schecks an Haushalte zu verschicken. Ähnlich äußert sich Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ-Bank. Er macht darauf aufmerksam, dass die USA mit ihren Sozialversicherungsnummern ein gutes Instrument zur Identifizierung der Berechtigten haben.

    In Europa sind die sozialen Netze dichter. Allerdings gibt es auch hier Gruppen, die hart getroffen werden: etwa selbstständige Künstler oder andere Freiberufler, die ohnehin wenig Geld verdienen und jetzt komplett ihre Aufträge verlieren. Während in Deutschland viele Menschen feste Jobs haben, ist in anderen Ländern der Anteil von Selbstständigen und Kleinunternehmern größer.

    Zum Teil versuchen die Regierungen in den europäischen Ländern, gezielt einzelne Branchen und Unternehmen zu unterstützen. Aber es ist kaum vorstellbar, dass dabei niemand durchs Raster fällt. Für Betroffene in Deutschland bliebe dann nur der Gang zum Sozialamt.

    7. Würde Helikoptergeld zu einer Inflation führen?

    Wenn die Krise lange dauert, die Regierung monatelang große Summen Geld dafür ausgibt und sich das letztlich von der Notenbank refinanzieren lässt, wäre theoretisch irgendwann ein Anspringen der Inflation möglich. Zunächst wirkt die Coronakrise aber als massiver Ausfall von Nachfrage, was die Preise eher senkt. Allenfalls in einzelnen Bereichen könnte es zu höheren Preisen kommen, wenn Lieferketten gestört sind oder Produktionen ausfallen, aber die Produkte trotzdem gefragt sind.

    8. Wie groß ist die Gefahr einer Hyperinflation?

    Hyperinflationen, bei denen in kurzer Zeit praktisch der gesamte Geldwert vernichtet wurde, waren meist die Folge von tiefen Katastrophen wie etwa dem Ersten Weltkrieg. In diesem Fall hatten viele Staaten so hohe Schulden, dass sie diese nicht mehr bewältigen konnten. Der extreme Wertverfall des Geldes sorgte dann dafür, dass die Schulden real sanken. Insofern finanziert die Hyperinflation nachträglich die enormen Ausgaben.

    Aber selbst nach solchen Katastrophen kann durch ein geschicktes Krisenmanagement die Finanzierung über viele Jahre gestreckt und durch niedrige Zinsen erleichtert werden. Möglich ist auch, dass niedrige Zinsen mit etwas höherer Inflation kombiniert werden. Das führt real – also nach Abzug der Inflation – auch zu niedrigen oder negativen Zinsen.

    Das war zum Beispiel in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall. Hier spricht man auch von „Financial Repression“, bei der Sparguthaben zugunsten des Staates schleichend an Wert verlieren. Man kann argumentieren, dass de facto die Niedrigzinspolitik der Notenbanken nach der Finanz- und Euro-Krise ähnlich funktioniert hat.

    9. Was hat Helikoptergeld mit Modern-Monetary-Theory zu tun?

    Diese Theorie, unter dem Kürzel MMT bekannt, stellt zunächst die traditionelle Betrachtungsweise von Finanz- und Geldpolitik auf den Kopf. Traditionell heißt es: Finanzpolitik machen die Regierungen, Geldpolitik machen die Notenbanken – und das möglichst unabhängig voneinander. Die Geldpolitik sorgt dafür, dass nicht zu viel Geld in Umlauf kommt, um die Inflation im Zaum zu halten. Die Regierung finanziert ihre Ausgaben über Steuern. Laut MMT gehören dagegen Regierung und Notenbank de facto zusammen als Öffentliche Hand.

    Diese Öffentliche Hand finanziert sich, indem die Notenbank das notwendige Geld zur Verfügung stellt. Die Regierung erhebt Steuern, um Geld abzuschöpfen, damit keine Inflation entsteht. Zu diesem analytischen Ansatz kommen bei Anhängern von MMT häufig noch politische Forderungen. So heißt es zum Beispiel, dass der Staat die Sicherheit der Arbeitsplätze finanzieren sollte.

    Man kann dem analytischen Teil von MMT zustimmen, ohne sich die Forderungen zu eigen zu machen. Und selbst wenn man auch den analytischen Ansatz nicht teilt, gibt es durch das engere Zusammengehen von Geld- und Finanzpolitik eine gewisse Tendenz, dass sich die Realität der Beschreibung von MMT angleicht. Helikoptergeld im eigentlichen Sinne, also direkt durch die Notenbank finanziert, passt genau in den Ansatz von MMT.

    10. Was hat Helikoptergeld mit bedingungslosem Grundeinkommen zu tun?

    Würden derartige Zuweisungen auf unbestimmte Dauer verlängert, dann gäbe es tatsächlich ein bedingungsloses Grundeinkommen. Beim Konzept eines solchen Grundeinkommens spielt in den bisherigen Diskussionen allerdings die Refinanzierung durch die Notenbank keine Rolle. Es geht eher darum, durch dieses Konzept andere Sozialleistungen zu ersetzen.

    Mehr: Wie Spanien seine Wirtschaft retten will.

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    2 Kommentare zu "US-Hilfspaket: Was ist „Helikoptergeld“ – und wäre sein Einsatz auch für Europa sinnvoll?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man sollte Helikoptergeld neumodisch-COOL Zentralbbanken-AIRDROP nennen.
      Aber die Voodoo-Ökonomen und Geldklempner kapierern etwas ganz Entscheidendes nicht:
      "Doch es fehlt nicht Nominaleinkommen - eine feste Zahl an Geldscheinen oder Guthaben -, sondern REALEINKOMMEN - der Zugriff auf die Güter, die wir subjektiv anderen vorziehen.
      1.000 Euro machen Freude, 1.000 Bolivar machen Ärger. Die Kosten der Buchungszeile sind höher als der Eingang. Noch kann man Menschen nicht zur Lieferung von Gütern gegen Euro zwingen - das wäre die "Nährpflicht"." (Rahim Taghizadegan: Geld her oder es kracht!, Graz & Wien 2019, S. 66f.)
      Zudem kann bereits die ANKÜNDIGUNG von Helikoptergeld das Vertrauen in die Währung der emittierenden Zentralbank so stark zerstören, dass es zu einer Vertrauenskrise kommt und die Menschen erst recht panisch in Sachwerte flüchten.
      Es zeigt sich leider immer mehr. dass auch der einst von libertären Ökonomen als Hoffnungsträger angesehene Präsident Trump nicht bereit ist, den total kaputten Fiat-Dollar-Standard zu reformieren und mit Dollar-Schulden-Müll bis zum ganz bitteren Ende weitermachen will.

    • Es geht um fiskalische Stimulierung auf breitester Front, daher diese eigentlich drastische Maßnahme wie in USA geplant. Auf gleiche Weise wurde von Präsident Trump zu Anfang seiner Amtszeit gehandelt - damals bewunderte die europäische Presse die starke Stimulation des amerikanischen Wirtschaftswachstums.

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