Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Verbraucherpreise Inflation im Euro-Raum sinkt wieder leicht auf unter zwei Prozent

Die Verbraucherpreise im Währungsraum sind im Juni langsamer gestiegen. Die Unsicherheit über die Folgen der Corona-Pandemie für die Preise ist aber hoch.
30.06.2021 Update: 30.06.2021 - 12:30 Uhr Kommentieren
Lebensmittel, Alkohol und Tabak verteuerten sich im Juni im Schnitt um 0,6 Prozent. Quelle: dpa
Einkauf von Lebensmitteln

Lebensmittel, Alkohol und Tabak verteuerten sich im Juni im Schnitt um 0,6 Prozent.

(Foto: dpa)

Frankfurt Wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf die schlichten Zahlen zur Inflation im Euro-Raum schaut, könnte sie eigentlich zufrieden sein. Mit der Steigerungsrate von 1,9 Prozent im Juni zum Vorjahr, die das europäische Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung vermeldet hat, liegt die Teuerung genau im Zielbereich der Europäischen Zentralbank (EZB).

Diese strebt einen Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent“ an. Diese Marke hat sie über viele Jahre lang verfehlt. Im Mai war der Wert mit 2,0 Prozent auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren gestiegen. Nun hat er sich leicht abgeschwächt.

Allerdings verbirgt sich hinter den schlichten Zahlen viel Unsicherheit durch die Folgen der Corona-Pandemie. In Deutschland könnte die Inflation nach Schätzungen der Bundesbank in der zweiten Jahreshälfte zeitweise vier Prozent erreichen.

Christine Lagarde und andere hochrangige Notenbanker haben bislang stets betont, dass sie die höhere Inflation in diesem Jahr für ein vorübergehendes Phänomen halten. Viele Ökonomen teilen diese Einschätzung und erwarten, dass sich die Preisentwicklung ab 2022 wieder abschwächt. Dennoch gibt es angesichts fehlender Erfahrungen mit einer Krise wie Corona Unsicherheit über die langfristigen Folgen.

„Wir gehen davon aus, dass der Verbraucherpreisindex der Euro-Zone bis Ende des Jahres erhöht sein wird,“ sagt Tomasz Wieladek, Ökonom des Vermögensverwalters T. Rowe Price. Auch Commerzbank-Ökonom Christoph Weil sieht kurzfristig Anzeichen für eine weiter steigende Inflation. „Der Rückgang der Inflationsrate im Juni ist allein dem im Vergleich zum Vorjahr schwächeren Anstieg der Preise für Energie und Pauschalreisen zu verdanken“, sagt er. Bei den anderen Gütern und Dienstleistungen habe sich der Preisauftrieb verstärkt.

Grafik

Nach wie vor waren die Energiepreise der größte Treiber der Inflationsrate, allerdings schwächte sich ihr Anstieg binnen Jahresfrist im Juni auf 12,5 Prozent nach 13,1 Prozent im Mai etwas ab. Hier macht sich bemerkbar, dass der Ölpreis im vergangenen Jahr wegen der Pandemie stark gesunken war. Im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten legt er nun kräftig zu.

Die Verlangsamung des Anstiegs liegt daran, dass die Ölpreise im Juni 2020 wieder etwas zugelegt hatten, wodurch die Vergleichsbasis nun wieder höher liegt. Dadurch wird sich der Anstieg der Energiepreise wahrscheinlich bald noch stärker verlangsamen.

Laut Commerzbank-Experte Weil geben die Unternehmen die höheren Energiepreise für ihre Produktion nun aber verstärkt an die Kunden weiter. Ein weiterer Faktor, der als vorübergehend gilt, sind derzeit Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern, Holz und Plastik.

Die Produzenten hatten in der Pandemie ihr Angebot zurückgefahren und haben nun Probleme, die anziehende Nachfrage zu decken. In Deutschland wirken sich noch zusätzliche Sonderfaktoren aus, wie die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe. In der zweiten Jahreshälfte macht sich außerdem die im vergangenen Jahr kurzzeitig gesenkte Mehrwertsteuer bemerkbar. Am Dienstag hatte bereits das Statistische Bundesamt für Deutschland einen leichten Rückgang der Inflation vermeldet. Diese war nach der nationalen Berechnungsmethode von 2,5 auf 2,3 Prozent gefallen.

Lohnentwicklung ist entscheidend

Nach wie vor teilen viele Ökonomen die Einschätzung, dass der Inflationsanstieg in diesem Jahr vorübergehend ist. „Eine nachhaltig höhere Inflationsrate im Euro-Raum ist nicht zu erwarten“, sagt Commerzbank-Ökonom Weil. Damit die Inflation längerfristig steige, müssten aus seiner Sicht die Löhne stärker zulegen. „Ein Schlüsselelement für die Inflation in Europa werden die zukünftig ausgehandelten gewerkschaftlichen Tarifverträge sein“, sagt auch Wieladek von T. Rowe Price.

Gegen einen stärkeren Lohnanstieg sprechen jedoch die Folgen der Corona-Pandemie. Sie hat zu einer schweren Rezession und steigender Arbeitslosigkeit im Euro-Raum geführt. Ökonomen erwarten, dass die europäische Wirtschaft erst 2022 das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht. Dadurch ist die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer gering – was gegen höhere Löhne spricht.

Die zuletzt geschlossenen Lohnabschlüsse, wie zum Beispiel in der Metallindustrie, sind aber vergleichsweise niedrig ausgefallen. Laut dem von der EZB berechneten Tariflohnindikator hat sich der Lohnanstieg im ersten Vierteljahr 2021 im Euro-Raum auf nur noch 1,4 Prozent abgeschwächt. „Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Rezession im Euro-Raum hat den Lohnauftrieb merklich gedämpft,“ sagt Commerzbank-Ökonom Weil.

Mehr: Ultralockere Geldpolitik und hohe Staatsverschuldung: Kommt die große Inflation?

Startseite
Mehr zu: Verbraucherpreise - Inflation im Euro-Raum sinkt wieder leicht auf unter zwei Prozent
0 Kommentare zu "Verbraucherpreise: Inflation im Euro-Raum sinkt wieder leicht auf unter zwei Prozent"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%