Aroundtown und TLG: Milliardenfusion am deutschen Immobilienmarkt rückt näher
Gelingt die Fusion, entsteht Europas drittgrößter Immobilienkonzern.
Foto: dpaErfurt. Aroundtown und TLG kommen ihrem Ziel näher, gemeinsam Europas drittgrößten Immobilienkonzern zu schmieden: Wie am Freitag bekanntgegeben wurde, haben 59 Prozent der TLG-Aktionäre einem Aktientauschangebot von Aroundtown zugestimmt. TLG-Aktionäre sollen für jeden ihrer Anteile 3,6 Aktien der Aroundtown erhalten.
Hinzu kommen weitere zehn Prozent aus einem Aktienpaket des TLG-Großaktionärs Ouram, hinter dem der israelische Investor Amir Dayan steht. Ouram hatte seinen gesamten Anteil von 28 Prozent angedient, wovon 18 Prozent bereits übertragen worden sind. Rechnet man die noch ausstehenden zehn Prozent hinzu, gehören der Aroundtown nun bereits mehr als zwei Drittel an TLG. Einer Fusion steht kaum noch etwas im Wege.
Aroundtown und TLG hatten vorab kein Ziel ausgegeben, welche Quote erreicht werden soll. Die Unternehmen versprechen sich von der Fusion eine deutliche Gewinnsteigerung.
Das operative Ergebnis, im Branchenjargon „Funds From Operations“ (FFO) genannt, werde in den ersten fünf Jahren jährlich um 92 bis 117 Millionen Euro steigen, stellen sie in Aussicht. 2018 lag das FFO von TLG und Aroundtown zusammen bei 709 Millionen Euro.
TLG und Aroundtown sind Gewerbeimmobilienunternehmen, die überwiegend Büros im Portfolio besitzen, aber auch Hotels und Einzelhandelsflächen. Gemeinsam kommen sie auf einen Nettovermögenswert mit Gewerbeimmobilien von 22,5 Milliarden Euro (17,9 Milliarden bei Aroundtown, 4,6 Milliarden bei TLG). Größer ist nur Vonovia mit 46 Milliarden Euro und der Einzelhandelsspezialist Unibail Rodamco Westfield mit 65 Milliarden Euro.
Wie es weitergehen könnte
Fest steht schon jetzt: Das fusionierte Unternehmen soll in Berlin sitzen und einen neuen Namen erhalten. Mit der aktuellen Annahmequote gibt es auch zur künftigen Führungsstruktur mehr Klarheit: Nachdem mehr als 50 Prozent der TLG-Aktionäre dem Angebot zugestimmt haben, soll eine neue gemeinsame Geschäftsführung eingesetzt werden.
Der Vorstand setzt sich aus fünf Personen zusammen. Aroundtown stellt den CEO, TLG den Finanzchef. Wenn die Schwelle von 66 Prozent überschritten wird, bekommt TLG einen weiteren Posten im Vorstand, der zugleich Co-CEO sein wird. Der Aufsichtsrat soll aus sieben bis acht Personen bestehen, der Vorsitzende von TLG bestimmt werden.
Der fusionierte Konzern soll perspektivisch in den Dax aufsteigen. Nicht nur, aber auch weil dies vom Startpunkt der Aroundtown im MDax einfacher zu realisieren ist als aus dem SDax, in dem die TLG notiert ist, hatte Aroundtown die Führung in dem Zusammenschluss übernommen.
Offen bleibt die Frage, ob künftig beide Unternehmen an der Börse notiert bleiben oder nur eines gelistet sein soll. Wollen Aroundtown und TLG künftig Kosten für eine zweite Börsennotierung sparen, gibt es theoretisch drei Möglichkeiten.
Die erste ist ein sogenanntes echtes Delisting. „Das wäre die einfachste Variante“, erklärt Christoph Schalast, Professor für Fusionen und Übernahmen an der Frankfurt School of Finance. Um die TLG von der Börse zu nehmen, müsste nur die Mehrheit des Vorstands und der Aufsichtsrat zustimmen.
Eine Hauptversammlung müsste nicht einberufen werden. Allerdings muss den übrigen Aktionären, die das Aktientauschangebot der Aroundtown nicht angenommen haben, eine Barabfindung angeboten werden.
Deren Höhe beruht auf dem Durchschnittskurs der letzten sechs Monate, erklärt Schalast. Da der Vorstand der TLG die Fusion unterstützt, stünden die Chancen für die Grundsatzentscheidung des Delistings gut.
Eine zweite Variante wäre ein sogenanntes kaltes Delisting. Dieses käme dann zustande, wenn die Grundlage für die Börsennotiz verloren geht, etwa wenn nicht mehr genügend Aktien des Unternehmens im Streubesitz sind. Relativ einfach ließe sich dies vollziehen, wenn Aroundtown auf mehr als 95 Prozent der Aktien von TLG käme.
Dann nämlich könnte Aroundtown die übrigen Aktionäre über einen Squeeze-out aus dem Unternehmen drängen. TLG könnte komplett in Aroundtown aufgehen – und würde von der Börse genommen.
Eine dritte Variante wäre, ein gänzlich neues Unternehmen aus den beiden fusionierenden Gesellschaften zu gründen. „Dafür wird jedoch eine komplett neue Börsennotiz benötigt“, erklärt Schalast. Der Aufstieg in den Dax würde damit jedoch verzögert. Schon allein deshalb scheint diese Variante unwahrscheinlich.
Möglich ist außerdem, dass beide Börsennotierungen erhalten bleiben. Neu wäre das nicht: Die Deutsche Wohnen, die 2013 die GSW übernommen hat, hält bis heute 93,9 Prozent der Anteile an dem Unternehmen. GSW ist weiterhin neben Deutsche Wohnen börsennotiert.
Wie groß die Kontrolle Aroundtowns nach dem Aktientauschangebot ist, steht noch nicht endgültig fest. Auf die erste Frist folgt nun noch eine Verlängerung um zwei Wochen. Dann wird noch einmal gerechnet. Das finale Ergebnis gibt es wohl erst am 13. Februar.