Handelsblatt-Test: Bausparkassen: Wie sich Verbraucher mit dem Bausparvertrag den Niedrigzins sichern
Die Zinsen für Baudarlehen steigen langsam wieder an.
Foto: dpaKöln. Die Zinsen ziehen an, auch Immobilienfinanzierungen werden teurer. Mit einem Bausparvertrag lassen sich die niedrigen Hypothekenzinsen von heute längerfristig sichern. Ein Abschluss könnte sich also wieder lohnen. Doch das Image des Sinnbilds deutscher Sparsamkeit und Solidität ist angekratzt. In den vergangenen vier Jahren haben Bausparkassen rund eine Viertelmillion alte, gut verzinste Bausparverträge gekündigt.
„Das Niedrigzinsumfeld setzt die Institute unter Druck“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienspezialist des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Hochverzinste Altverträge sind für die Bausparkassen zur Last geworden. Bei Kündigungen argumentierten sie freilich anders: Weil die Verträge schon lange zuteilungsreif gewesen seien, hätten Kunden sie als Kapitalanlagen zweckentfremdet – statt sie zur Immobilienfinanzierung zu nutzen.
Viele Bausparer klagten. Im vergangenen Jahr urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) allerdings, dass die Praxis der Bausparkassen rechtens war: Die Institute dürften Verträge kündigen, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind, auch wenn diese noch nicht voll bespart sind.
Die Zuteilungsreife bemisst sich an mehreren Kriterien, nicht allein am Erreichen des Mindestsparguthabens. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bezeichnet die Entscheidung des BGH als „sehr bedauerlich“. Sie rät Bausparern, bei Kündigung im Zweifel einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen.