Immobilien: Diese Hochhäuser sollen bei der Frankfurter Skyline dazukommen
Köln. Wer hoch hinaus will, hat in Frankfurt am Main gute Karten. Hier stehen mehr Hochhäuser als in jeder anderen deutschen Stadt – darunter auch der bislang höchste Wolkenkratzer Deutschlands: der 259 Meter hohe Commerzbank Tower, entworfen von Architekt Norman Foster. Die Hochhäuser konzentrieren sich vor allem in drei Arealen: dem Bankenviertel, dem Europaviertel und in der City West. Zusammen bilden sie die berühmte Skyline von Frankfurt, die der Stadt den Spitznamen ‚Mainhattan‛ einbrachte.
Diese soll in den nächsten Jahren weiterwachsen. Das geht aus dem aktualisierten Hochhausentwicklungsplan hervor, den die Stadt Frankfurt der Öffentlichkeit im März dieses Jahres vorstellte.
Er dient als Orientierungshilfe für Bauherren und Investoren und wurde erstmals 1997 beziehungsweise 1998 aufgestellt, in den Jahren 2008 und 2020 aktualisiert und jetzt fortgeschrieben. „Insgesamt wurden 14 neue Standorte ausgewiesen“, sagt Marcus Gwechenberger, Stadtrat und Dezernent für Planen und Wohnen der Stadt Frankfurt am Main.
Skyline in Frankfurt: 475.000 Quadratmeter mehr Grundfläche geplant
Dabei fährt Frankfurt erstmals eine zweigleisige Strategie. Neben vollständigen Neubauten wird der Hochhaus-Bestand auch weiterentwickelt. Der aktuelle Plan sieht vier Aufstockungen von bereits realisierten Hochhaus-Gebäuden vor, „um einen schonenden und nachhaltigen Umgang mit vorhandener Bausubstanz zu gewährleisten“, sagt Gwechenberger.
„Das ist ein neuer Trend gegenüber den bisherigen Rahmenplänen.“ Grund hierfür sei vor allem die Energiewende. Im Zuge derer wird die Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitsstandards bei Bauprojekten auf nationaler und EU-Ebene zunehmend verbindlich.
Bis zum Jahr 2040 sollen die neuen Hochhäuser so für einen deutlichen Flächenzuwachs sorgen: Laut Gwechenberger entstehen insgesamt 475.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche zusätzlich.
Die meisten der neu ausgewiesenen Standorte liegen im Hochhaus-Cluster im Bankenviertel, wo eine Hochhauspromenade entstehen soll. Aber auch im Umfeld der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Hanauer Straße im Frankfurter Osten. Hier sind vier neue Hochhäuser mit 60 Metern Höhe vorgesehen.
Wolkenkratzer in Frankfurt: Mix-Nutzung im Fokus
Neben dem stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit – bei dem auch Fassadenbegrünung und umweltfreundliche Materialien eine Rolle spielen – wird bei neuen Hochhaus-Projekten in Frankfurt auch die sogenannte Mixnutzung gezielt forciert. Das heißt, Architekten sollen nicht nur reine Büro- oder Wohntürme konzipieren, sondern zunehmend in Kombination denken. Und dabei auch einen ‚gesellschaftlichen Mehrwert‛ mitdenken, wie Gwechenberger betont. Denkbar seien zum Beispiel Kitas oder kulturelle Einrichtungen in den Sockelbereichen, also Dach- und Untergeschossen der Hochhäuser.
Dieser Mix bietet langfristig einen klaren Vorteil: „Er ermöglicht es, flexibler auf ökonomische Veränderungen am Immobilienmarkt zu reagieren und ohne großen bautechnischen Aufwand Nutzungsverschiebungen von kulturellen Einrichtungen oder Gewerbenutzungen zu Wohnnutzungen zu realisieren“, sagt Stefan Pützenbacher, Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Professor für Planungs- und Baurecht an der Frankfurt University of Applied Sciences.
Allerdings geht dies in der Regel auch mit erhöhten Kosten für die Bauherren einher. Denn es gilt, zusätzliche Auflagen mit Blick auf Brandschutz, Schallschutz, und womöglich auch architektonische Besonderheiten zu erfüllen. „Die Erschließung der öffentlichen Bereiche setzt beispielsweise oft zusätzliche Zuwegungen und Sicherheitsaspekte voraus.“
Leuchtturm-Projekt Four in Frankfurt am Main
Ein Hochhaus-Projekt, bei dem die Mixnutzung gezielt eingeplant ist, ist das Projekt Four. Bei dem aktuell größten Hochhaus-Projekt in Frankfurt handelt es sich um ein zusammenhängendes Ensemble von vier unterschiedlich hohen Gebäuden – Tower 1 bis 4. Teile davon stehen bereits im Bankenviertel zwischen Neuer Schlesingergasse, Junghofstraße und Große Gallusstraße. Verantwortlich ist das Immobilienunternehmen Groß & Partner.
Das erklärte Ziel: eine Hochhauspromenade mit integrierter Kulturmeile inmitten der Skyline schaffen und damit einen Ort, „in dem Leben, Wohnen und Arbeiten zusammenfinden und Nachbarschaften wachsen“, wie es auf der Webseite der Stadt Frankfurt heißt. Insgesamt sollen in dem neuen Viertel 600 Wohnungen und Büros entstehen sowie zwei Hotels, eine Kita, zahlreiche Gastronomie- und Einkaufsmöglichkeiten, eine Foodhall und ein Dachgarten. Das erste Hochhaus des zukünftigen Quartetts wurde im November 2023 fertiggestellt (Tower 3). Im Jahr 2025 soll es dem Plan zufolge komplett stehen.
Immobilien in Frankfurt: Anbindung als Mehrwert
Ein Aspekt, der bei neuen Hochhaus-Projekten insgesamt immer stärker berücksichtigt wird, ist eine gute Anbindung an das nahe Umfeld. Dabei geht es sowohl um Zuwege als auch um den öffentlichen Nahverkehr. Denn nur so entsteht „lebendiger Stadtraum“, sagt Dezernent Gwechenberger.
Zudem sehen die Hochhäuser der Zukunft auch etwas anders aus, ergänzt Pützenbacher: „Die anziehende Forderung nach Fassadenbegrünung wird zu neuen architektonischen Konzepten führen.“ Diese ist partiell auch beim Projekt Four vorgesehen.
» Lesen Sie auch: Sprechen Sie Makler? Ein Wörterbuch
Sollten die Stadt und Bauherren tatsächlich alle der im Hochhausentwicklungsplan vorgesehenen Gebäude realisieren, prägen bis zum Jahr 2040 insgesamt 26 neue Hochhäuser das Stadtbild von Frankfurt.
Denn neben den 14 neu ausgewiesenen Standorten stehen noch zwölf weitere aus den vorangegangenen Plänen aus. Ein Beispiel ist das vom Architekten Ferdinand Heide konzipierte Projekt auf dem Millenium Areal zwischen Gallus und Osloer Straße im Messeviertel. Geplant ist hier ein Gebäudeensemble aus zwei ineinander verdrehten Hochhäusern unterschiedlicher Höhe. In diesen ist dann ebenfalls ein Nutzungsmix aus Büros, Hotelzimmern und öffentlichen Flächen im Erdgeschoss angedacht. Und nicht nur das. Heides Hochhaus würde auch den Höhenrekord brechen. Denn mit einer geplanten Höhe von 280 Metern würde der höhere Turm den Commerzbank Tower als höchsten Wolkenkratzer Deutschlands ablösen. Bis zur Realisierung der Millennium-Türme wird es aber noch dauern. Die Bauarbeiten sollen nicht vor 2025 starten.
Zwei weitere Hochhäuser, die entstehen, sind zum einen das Projekt Nion – ein 100 Meter hohes Bürogebäude mit begrünten Außenflächen, das an der Europa-Allee errichtet werden soll. Und zum anderen das Projekt Kaia am Untermainkai, bei dem die Revitalisierung des ehemaligen Union-Investment-Hochhauses im Vordergrund steht. Dabei soll recyceltes Material wie Altaluminium und Altglas in großem Umfang zum Einsatz kommen. Beide Projekte sollen laut Plan 2026 fertiggestellt sein.
Dieser Artikel erschien bereits am 15.06.2024. Der Artikel wurde am 10.10.2024 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.