Immobilien: Diese Lagen in Ostsee-Nähe bieten noch bezahlbare Ferienhäuser
An der Ostsee können Häuser auch ohne Deich nahe dem Wasser gebaut werden - entsprechend sind die Preise für Immobilien dort.
Foto: imago images/Westend61Köln. Es ist der Traum von vielen Großstadtbewohnern. Ein Grundstück am See, ein unverbauter Blick auf die Natur, ein eigener Bootssteg. Kein Lärm durch Straßen- oder Bahnverkehr. Kein Renovierungsstau.
Im 9000-Einwohner-Ort Plön kann das Realität sein: Für knapp 900.000 Euro gibt es ein freistehendes Vierparteienhaus zu kaufen, von dort sind es zwölf Gehminuten bis in die Plöner Innenstadt. Quadratmeterpreis: 3454 Euro.
Damit liegt die Immobilie ziemlich genau im Schnitt der Kommune: Wer in Plön ein Ein- oder Zweifamilienhaus kaufen will, musste im ersten Quartal 2023 laut dem Küstenreport des Maklerhauses Von Poll im Schnitt 3228 Euro pro Quadratmeter zahlen – rund sechs Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.
Die Ostseeküste ist von Plön zwar eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt, doch bei mehr als zwölf Seen rund um das Stadtgebiet kommen Segler und Surfer auch ohne Salzwasser auf ihre Kosten. Kein Wunder also, dass das Städtchen bei Touristen beliebt ist – das legt die Menge der Anfragen bei der Suchmaschine Google nahe, so wie es das Ferienhausportal Holidu analysiert hat.
Der Ferienvermittler hat ein Ranking der 20 beliebtesten Orte mit weniger als 10.000 Einwohnern erstellt. Neben Dauerbrennern wie Tegernsee und Berchtesgaden im Süden der Republik haben es auch Städtchen unweit des Meeres ins Ranking geschafft: Neben Plön sind das Kühlungsborn, Heiligenhafen, Sassnitz und Kappeln.
Ferienhaus kaufen: Wo sind Immobilien an der Ostsee noch bezahlbar?
„Die deutsche Ostseeküste hat gerade in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt“, analysiert das bundesweit tätige Maklerhaus Von Poll in seinem Küstenreport. Mit dem steigenden Interesse kannten auch die Immobilienpreise nur noch eine Richtung: nach oben. „Seit dem Spätsommer 2022 hat sich der Immobilienmarkt aufgrund der stark gestiegenen Zinsen jedoch gedreht. Die Immobilienpreise stagnieren oder sinken erstmals wieder in einigen Regionen“, heißt es in dem Report.
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Und nicht nur das: Wer bereit ist, zum Meer zu radeln oder ein paar Minuten mit dem Auto zu fahren, findet in Nähe der fünf beliebtesten Kleinstädte nahe der deutschen Ostseeküste bezahlbare Häuser, die entweder als Altersdomizil oder als Zweitwohnsitz infrage kommen.
Sinkende Immobilienpreise in Fehmarn und Heiligenhafen
Fehmarn ist ein Touristenmagnet, auch ausländische Gäste urlauben dort gern, nicht zuletzt weil eine Fährverbindung Dänemark mit der Insel verbindet. Wer ein Einfamilienhaus auf Fehmarn kaufen will, musste im ersten Quartal 2023 laut Von Poll mit 3716 Euro pro Quadratmeter rechnen. Das ist ein Minus von 18,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.
In zweiter Reihe, direkt unterhalb von Fehmarn, liegt Heiligenhafen: Sandstrand, direkter Ostseezugang, Autobahnanbindung. Besser geht es kaum. Auch hier fallen die Preise, aber nicht so stark wie nötig, sagt Immobilienmaklerin Heike Steinwender: „Es gibt wieder mehr Immobilien auf dem Markt, doch sie sind meist überteuert. Viele Verkäufer haben noch nicht akzeptiert, dass wir inzwischen wieder einen Käufermarkt haben.“
Steinwender ist seit 13 Jahren am Markt und vermittelt viele ihrer Immobilien an Rentner. „Sie verlegen ihren Wohnsitz im Alter aus Krankheitsgründen. Wer an Asthma leidet, profitiert von unserer guten Luft hier.“ Wer hier ein Einfamilienhaus kaufen will – Baujahr 1970 und renovierungsbedürftig –, muss Steinwender zufolge mit 2500 Euro pro Quadratmeter rechnen. Für 165.000 Euro gibt es hier zum Beispiel eine Eigentumswohnung mit 55 Quadratmetern Wohnfläche, Baujahr 1975.
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Kappeln: Ferienwohnungen nur eingeschränkt vermietbar
Rund 100 Kilometer von Hamburg entfernt lockt die Schlei Angler, Segler und Naturliebhaber. Hier gibt es besonders viele Ferienimmobilien, und auch der Trend zum Zug aufs Land ist laut dem Immobilienunternehmen Engel & Völkers deutlich spürbar. Wer an der Schlei eine Ferienimmobilie kauft, vermietet sie meist – die Rendite liegt zwischen zwei und fünf Prozent. Die Kleinstadt Kappeln mit knapp unter 10.000 Einwohnern ist bei Urlaubern beliebt, doch die Stadt beschränkt die Nutzung von Immobilien für Touristen.
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So ist es beispielsweise verboten, Wohnungen in Neubaugebieten als Ferienwohnung zu vermieten. „Dadurch sollen unter anderem zu hohe Touristenzahlen verhindert werden. Zweitwohnsitze sind hier hingegen weiterhin möglich“, heißt es von Engel & Völkers. Für Selbstnutzer gibt es also weiterhin viele Möglichkeiten. „Die positive Entwicklung der Region mit immer besserer touristischer Infrastruktur wird die Nachfrage weiterhin hochhalten.“
Die Stadt Kappeln ist malerisch an der Schlei gelegen, einem Meeresarm der Ostsee im Nordosten von Schleswig-Holstein.
Foto: IMAGO/ZoonarSassnitz: Immobilienumsätze eingebrochen
Sassnitz liegt an der nordöstlichen Spitze der Insel Rügen, direkt an einer 1,8 Kilometer langen Außenmole. Makler Dieter Eichwald, dessen Familie seit 29 Jahren Immobilien auf der Insel vertreibt, schwärmt: „Täglich fahren mehrere Fahrgastschiffe vom Sassnitzer Hafen entlang der Kreideküste zum Königsstuhl. Diese Fahrt ist besonders am Vormittag zu genießen, dann strahlt die Küste im Sonnenlicht.“
In Kürze vertreibt er sechs Reihenhäuser, gelegen oberhalb der Steilküste mit freiem Seeblick, direkt am Nationalpark, mit hochwertiger Ausstattung. Kostenpunkt: rund 8000 Euro pro Quadratmeter – und damit mehr als doppelt so viel wie Häuser auf Rügen im Schnitt.
Wer sich mit eingeschränkter Sicht aufs Meer zufriedengibt, kann allerdings schon für deutlich weniger Geld fündig werden. Kaufinteressenten müssen laut dem Küstenreport auf der Insel mit einem Quadratmeterpreis von durchschnittlich 3583 Euro rechnen.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser in Rügen um 2,8 Prozent gefallen. Sanierungsbedürftige Mehrfamilienhäuser will kaum jemand erwerben, sagt Eichwald, zu hoch sind die Baukosten. Hinzu kommen unklare Vorgaben bezüglich des Wärmeschutzes und zu hohe Kaufpreisvorstellungen der Verkäufer. „Insgesamt sind die Immobilienumsätze erheblich eingebrochen“, sagt Eichwald.
In direkter Nähe zur Ostsee halten sich die Immobilienpreise stabil.
Foto: E+/Getty ImagesImmobilienpreise in Kühlungsborn noch moderat
Kühlungsborn ist seit Langem kein touristischer Geheimtipp mehr, aber als Zweitwohnsitz durchaus zu beachten. „Das oberste Preissegment entwickelt sich größtenteils preisstabil. Preisrückgänge durch die schlechteren Finanzierungsbedingungen gibt es vor allem in Lagen, die etwas weiter ab vom Strand liegen“, heißt es bei Engel & Völkers. Auch bei den Ferienimmobilien gehen die Vorstellungen von Eigentümern und Interessenten aktuell häufig weit auseinander.
„Die Preiskorrekturen fallen jedoch deutlich geringer aus als bei klassischen Wohnimmobilien.“ Im Vergleich zur westlich angrenzenden Lübecker Bucht sind die Preise an der Mecklenburgischen Ostseeküste jedoch auf einem erheblich moderateren Niveau.
Erstpublikation: 30.07.2023, 13:43 Uhr.