Immobilien: Die Aufstockung bestehender Gebäude hilft gegen Wohnungsmangel
München. Der lahmende Neubau in Deutschland lässt immer mehr Hausbesitzer über den Ausbau bestehender Gebäude nachdenken. Gerade in den Ballungsgebieten sehen Experten Potenzial für Aufstockungen und Umbauten, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
„Bei einem dreistöckigen Gebäude beispielsweise zwei Stockwerke draufzusetzen, ist inklusive Förderung häufig deutlich wirtschaftlicher, als die gleiche Masse neu zu bauen“, sagt Matthias Zühlke, Geschäftsführer der Syte GmbH. Die KI-Plattform hat nach eigener Aussage derzeit rund 82 Millionen Objekte in ihren Systemen, die deren mögliches Potenzial analysieren.
Seit rund einem Jahrzehnt wird in Deutschland diskutiert, wie viel zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden könnte, wenn vorhandene Immobilien entsprechend umgebaut würden. Karsten Tichelmann, Professor an der TU Darmstadt, hatte im Jahr 2019 das Potenzial von 2,3 bis 2,7 Millionen Wohnungen errechnet, das vor allem durch Aufstockungen in Deutschland möglich wäre.
Mit 1,1 bis 1,5 Millionen Einheiten könnten die meisten davon auf Wohngebäuden der 1950er- bis 1990er-Jahre entstehen. Viele dieser Gebäude sind sanierungsbedürftig, weshalb sich eine Aufstockung in diesem Zusammenhang anbieten könnte. „Es kommt jetzt die Zeit der Gebäude aus den 1970er- und 1980er-Jahren, wahrscheinlich kommen demnächst die 1990er-Jahre, bei denen der nächste Lebenszyklus ansteht“, sagt Thomas Schmidt, Vorstand beim Architekten- und Planungsbüro SSP.
Die Vorteile einer aufgestockten Bestandsimmobilie sind für Vermieter wie Eigennutzer ähnlich. Weil das Haus nur nach oben wächst, entstehen keine Kosten für Baugrund. Für die Aufstockung werden meist Fertig- oder Halbfertigelemente in Holzständerbauweise genutzt, die die Bauphase beschleunigen und für die Bewohner keine lange Belästigung mit Lärm und Staub bedeuten.
Als kostensenkend erweisen sich zudem die vorhandene Haustechnik und Heizungsanlage. Auch die Lage ist häufig ein Pluspunkt, handelt es sich doch bei den meisten Quartieren oft um großflächige und noch nicht stark verdichtete innenstadtnahe Bereiche, wie Professor Tichelmann herausgefunden hat.
Bei allen Vorteilen bleibt das Aufstocken eines Hauses aber ein sehr komplexer Vorgang, bei dem nicht alles, was möglich erscheint, auch erlaubt ist. Hier deshalb die Antworten auf die wichtigsten Fragen.