Immobilien: Profianleger setzen vermehrt auf den Real-Estate-Debt-Markt
Düsseldorf. Institutionelle Investoren setzen trotz der Immobilienkrise vermehrt auf Immobilienfinanzierungen. Das zeigt eine Umfrage vom Berater und Marktforscher Kommalpha im Auftrag der Deutschen Pfandbriefbank (PBB), die dem Handelsblatt vorab vorliegt.
46 Prozent der 44 befragten Investoren sind demnach bereits in den sogenannten Real-Estate-Debt-Markt investiert – laut den Autoren der Studie ein erstaunlich hoher Wert. Der Markt ermöglicht Investitionen in Immobilienfinanzierungen, ohne direkt in physische Objekte zu investieren. Dadurch schaffen sie Zugang zu spezialisierten Finanzierungslösungen wie Projektentwicklungen oder Ankaufsfinanzierungen.
Die Investoren interessieren sich vor allem für konservative Anlagevarianten, beobachtet PBB-Vorständin Pamela Hoerr. „Man sieht an der Umfrage deutlich, dass Investoren bei riskanteren Finanzierungen wie Mezzanine-Produkten sehr zurückhaltend sind und im Vergleich zu den Boom-Jahren deutliche Renditeaufschläge verlangen.“
Mezzanine ist eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Das geliehene Geld nutzen die Unternehmen wie Eigenkapital, räumen den Geldgebern aber nicht die gleichen Rechte wie einem Eigenkapitalinvestor ein, zum Beispiel Stimmrechte. In den Boom-Jahren am Immobilienmarkt bis 2022 nutzten viele institutionelle Investoren Mezzanine-Finanzierungen, um ihre benötigten Zielrenditen zu erreichen, unterschätzten jedoch oftmals die Risiken.
Fondsinvestments besonders beliebt
Grundsätzlich bestätigt die Umfrage die zunehmende Bedeutung von Geldgebern außerhalb der Bankenbranche auf dem Markt für Immobilienfinanzierungen. „Im Vergleich zu den USA, wo schon ein größerer Teil der Immobilienfinanzierungen durch Nicht-Banken erfolgt, gibt es in Deutschland aber noch Wachstumspotenzial“, sagt Hoerr mit Blick auf die kommenden Jahre.
„Immobilienfinanzierungen sind für institutionelle Investoren interessant, weil sie im Vergleich zu einem direkten Immobilieninvestment eine bessere Rendite liefern, aber eine ähnliche Sicherheit liefern können“, erklärt die PBB-Vorständin.
Die Befragten legen dabei mit einem Anteil von mehr als 75 Prozent besonderen Wert auf Fondsstrukturen im Vergleich etwa zu direkter Kreditvergabe. Wohnimmobilien und Logistik sind mit jeweils mehr als 50 Prozent die bevorzugten Assetklassen, während Büroimmobilien mit 35 Prozent selektiver beigemischt werden. Regional bevorzugen die professionellen Anleger eine breite Streuung in Europa.
Den Einfluss des aktuellen Zollkonflikts auf das Anlageverhalten der Investoren halten die Studienautoren für gering: „Die aktuellen Verwerfungen an den Märkten dürften die Ergebnisse der Umfrage, zumindest für den Moment, kaum beeinflussen. Sie sind sehr valide, weil institutionelle Investoren bei ihrer strategischen Allokation langfristig denken“, sagt Kommalpha-Vorstand Clemens Schuerhoff.
Hoerr ergänzt: „Investitionsverhalten auf dem Immobilienmarkt wird maßgeblich durch das Zinsniveau gesteuert. Die wesentliche Korrektur an den Immobilienmärkten ist seit der Zinswende erfolgt und wir erwarten eine langsame Stabilisierung und Erholung der Märkte.“