1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Immobilien
  4. Inside Energie & Immobilien
  5. Alternative Baustoffe: Mit Hanf und Carbon die CO2-Bilanz von Immobilien verbessern

Alternative BaustoffeMit Hanf und Carbon die CO2-Bilanz von Immobilien verbessern

Der Gebäudesektor verursacht 14 Prozent aller jährlichen CO2-Emissionen . Um die Dekarbonisierung voranzubringen, erhält der Bau von nachhaltigen Immobilien immer mehr Aufmerksamkeit.Erika Neufeld 25.05.2022 - 20:02 Uhr Artikel anhören

Mittlerweile gibt es Alternativen zu diesem beliebten Baustoff mit einer deutlich besseren oder sogar negativen CO2-Bilanz.

Foto: dpa

Viele Immobilien sind CO2-Schleudern. Ihr Bau und Betrieb verursachen 14 Prozent aller deutschen Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Das sind laut Bundesregierung rund 120 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Und die im Klimaschutzgesetz für den Gebäudesektor festgelegte Drosselung des Ausstoßes gelingt nicht schnell genug – zwei Jahre in Folge wurde der gesetzlich festgelegte Maximalwert bereits überschritten. Um den Treibhausgas-Ausstoß trotzdem bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken und 2045 die Klimaneutralität zu erreichen, muss also noch einiges passieren.

Dabei erhält das nachhaltige Bauen eine immer größere Bedeutung. „Wenn wir das Thema Klimakrise ernst nehmen, müssen wir uns auch die Baustoffe, wie zum Beispiel Beton, anschauen und problematisieren“, sagt Hermann Horster, Head of Sustainability bei BNP Paribas Real Estate. Denn bei der Produktion des beliebten Baustoffs, eine Mischung aus Steinen, Kies, Sand, Zement, Wasser sowie chemischen Stoffen, werden große Mengen an Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgegeben. Allein die Herstellung von Zement trägt rund sieben Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß bei. Zudem werden Rohstoffe knapp und immer teurer: Etwa 40 Milliarden Tonnen Sand und Kies werden pro Jahr weltweit abgebaut. Die Bauwirtschaft boomt – auf Kosten der Umwelt.

Doch das könnte sich ändern. Auch wenn Beton seit geraumer Zeit der Baustoff der ersten Wahl ist, ist er nicht alternativlos. So stellt etwa das Bauunternehmen Schönthaler aus Südtirol Hanfbeton her. Ob das der Baustoff der Zukunft sein wird, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass er eine negative CO2-Bilanz aufweist und Ressourcen schont. Obwohl er im Namen steckt, befindet sich in dem Produkt gar kein Beton. Für die Herstellung werden nur zwei Materialien benötigt: Hanf und Kalk. Diese werden in einem Kaltluftverfahren zu einem Ziegel gepresst. Verbindet sich das Silizium des Hanfs mit dem Magnesit des Kalks, versteinert das Material. Ein Hektar Hanf liefert in fünf Monaten ausreichend Biomasse für ein Einfamilienhaus, schreibt der Südtiroler Hersteller auf seiner Homepage.

Im Gegensatz dazu befindet sich im Carbonbeton tatsächlich Beton. Dennoch gilt auch er als nachhaltige Alternative und Baustoff der Zukunft. „Der Vorteil des Carbonbetons liegt vor allem in der Reduzierung“, erklärt Manfred Curbach. Mit ihm ließen sich rund 50 Prozent Beton und Sand sowie bis zu 70 Prozent CO2 einsparen. Der Bauingenieur und Hochschullehrer an der TU Dresden ist einer der führenden Köpfe in der Entwicklung dieses Materials. Seine Prognose: In den nächsten 20 Jahren könnte Stahlbeton durch umweltschonende Baustoffe ersetzt werden.

Noch ist Carbonbeton in Deutschland aber nicht zugelassen. Dafür wird eine Norm benötigt. Die zu erlangen ist ein langer Prozess. Solange sie fehlt, braucht jedes einzelne Bauprojekt mit Carbonbeton die Zustimmung des jeweiligen Bundeslandes. Bislang wurden mehr als 100 Bauprojekte deutschland- und europaweit realisiert.

Auch Wissenschaftler am Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) forschen zu Baustoffen der Zukunft, etwa dem zementfreien Geopolymer- und Porenbeton sowie zu Recycling-Baustoffen. Viele dieser Produkte bestehen ganz oder zumindest überwiegend aus sekundären Rohstoffen. So wird der Sand im Porenbeton größtenteils durch Altbeton ersetzt. Für die Herstellung von Recycling-Baustoffen oder Geopolymeren werden Aschen, Schlacken oder Stäube verwendet. Hier lautet der Ansatz der Forschenden: Neue Materialkreisläufe entwickeln. Denn bislang recycelt die deutsche Bauwirtschaft zu wenig: Nur rund 81 Millionen Tonnen Bauschutt werden laut Mavo BauCycle, einem Forschungskonsortium aus vier Fraunhofer-Instituten, jährlich fürs Bauen wiederverwendet. Benötigt werden aber rund 600 Millionen Tonnen mineralischer Rohstoffe. Da ist noch viel Luft nach oben.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt