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ImmobilienBaugenehmigungen in Deutschland brechen im ersten Halbjahr ein

Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Verbände fordern einen Neustart der Wohnungspolitik. 18.08.2023 - 12:20 Uhr aktualisiert Artikel anhören

In Deutschland wird zu wenig gebaut – auch die Genehmigungen werden weniger.

Foto: dpa

Berlin. Wegen der Flaute im Wohnungsbau sind die Baugenehmigungen in Deutschland im ersten Halbjahr eingebrochen. Die Behörden gaben grünes Licht für den Bau von nur 135.200 Einheiten, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Dies waren 50.600 oder 27,2 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2022.

Allein im Juni gab es einen Rückgang zum Vorjahresmonat um 28,5 Prozent auf 21.800 Wohnungen. „Zum Rückgang der Bauvorhaben dürften weiterhin vor allem steigende Baukosten und zunehmend schlechtere Finanzierungsbedingungen beigetragen haben“, erklärte das Statistikamt.

Die Bauwirtschaft schlägt Alarm und fordert massive Förderprogramme und Steuererleichterungen von der Politik. „Die Luft wird immer dünner“, sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). „Anscheinend ist die Brisanz dieser Abwärtsspirale noch nicht bei allen angekommen.“ Mit Blick auf die Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg Ende August und den Wohnungsgipfel Ende September im Kanzleramt hieß es beim Lobbyverband Zentralen Immobilienausschuss (ZIA): „Die nächsten Wochen bringen den Showdown – es braucht zwingend einen Neustart der Wohnungsbaupolitik.“

Die Bundesregierung will den Rückgang des Wohnungsbaus laut Bauministerin Klara Geywitz mit Steuererleichterungen bremsen. Die SPD-Politikerin kündigte jüngst ein Maßnahmenpaket für September an. Geywitz hatte vor zwei Wochen eine degressive Abschreibung im Wohnungsbau vorgeschlagen. Bauherren könnten dann innerhalb der ersten acht Jahre 48 Prozent der Kosten bei der Steuer abschreiben.

Seit März 2023 gibt es bereits die KfW-Wohnbauförderung für klimafreundlichen Neubau. Noch sei hiervon aber kein eindeutiger Effekt auf die Genehmigungen erkennbar, erklärte das Statistikamt. Die Zahl der Baugenehmigungen von März bis Juni sei binnen Jahresfrist sogar etwas stärker gesunken als im gesamten ersten Halbjahr.

Starker Rückgang bei Zweifamilienhäusern

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis Juni insgesamt 111.500 Wohnungen genehmigt – 30,8 Prozent oder 49.600 weniger als vor Jahresfrist. Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl genehmigter Wohnungen sogar um mehr als die Hälfte (-53,4 Prozent) auf 7700. Auch die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser ging um gut ein Drittel auf 27.000 zurück.

Bei der Gebäudeart mit den insgesamt meisten Wohnungen, den Mehrfamilienhäusern, verringerte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen ebenfalls deutlich, und zwar um mehr als ein Viertel (-27,0 Prozent) auf 72.400.

Das Bauministerium räumt bereits ein, dass die Regierung weit entfernt ist von dem erklärten Ziel, dass jährlich 400.000 zusätzliche Wohnungen entstehen. 2022 waren nur 295.300 Wohnungen gebaut worden. Ohne verlässliche Investitionsimpulse müssten die Wohnungsbaufirmen früher oder später Stellen streichen, warnte ZDB-Experte Pakleppa. „Was das für den Wohnungsmarkt und die vielen anderen Mega-Bauaufgaben der Zukunft bedeutet, will sich keiner ausmalen.“

Die jahrelang boomende Bauwirtschaft schwächelt seit einiger Zeit. Die Gründe dafür nennt der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Tim-Oliver Müller: „Nach wie vor sorgen Zinssteigerungen, deutlich zulegende Baukosten, nochmals erhöhte energetische Anforderungen und die Unsicherheit über das weitere Vorgehen der Politik für ein Umfeld, in dem Investoren weiter auf der Bremse stehen.“ Besserung sei nicht in Sicht. Lobbyist Müller fordert deshalb spätestens zum Wohnungsgipfel mit Bundeskanzler Olaf Scholz am 25. September ein „Paket mit Schlagkraft“.

Auf der Wunschliste des HDB stehen etwa ein ausgeweitetes Zinsverbilligungsprogramms der Förderbank KfW, bessere Abschreibungsmöglichkeiten, eine abgesenkte Grunderwerbsteuer und eine Investitionszulage für öffentliche Wohnungsgesellschaften.

Bauen als Minusgeschäft

Allein im Juni gab es einen Rückgang der Baugenehmigungen zum Vorjahresmonat um 28,5 Prozent auf 21.800 Wohnungen. „So schlecht die Zahlen sind, sie zeigen noch immer nicht die ganze Wahrheit, die auf uns zukommt“, warnte Präsident Andreas Mattner vom ZIA. Projektentwickler beendeten oft ihre Vorarbeit mit einer Baugenehmigung. Gebaut werde dann aber nur, wenn es kein Minusgeschäft sei.

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Doch das drohe aktuell häufig: „Leider führen die Summe aller Faktoren und insbesondere die explosionsartig gestiegenen Kreditkosten zum Ruhen dieser Projekte.“

rtr
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