Blue-Chips-Renditekönige: Acht aussichtsreiche Aktien für Anleger
Welche Aktien jetzt einen Blick wert sind.
Foto: ImagoDüsseldorf. Deutsche Privatinvestoren sind ratlos. Mit welchen Anlagen lässt sich noch Geld verdienen? Tagesgeld wirft nicht einmal mehr 0,4 Prozent ab, bei Anleihen warnen Experten vor gigantischen Blasen, und selbst der Deutsche Aktienindex ist seit dem Allzeithoch im April bei 12 391 Punkten zeitweise um mehr als ein Viertel eingebrochen. „Stagnation ist der neue Anstieg, das wird das Motto der Investoren für 2016 sein“, sagt David Kostin, Chef-US-Aktienstratege bei Goldman Sachs. In dieser Situation empfehlen Anlageprofis das sogenannte „Stockpicking“ – die Konzentration auf ausgewählte Aktien. Auf Papiere also, die entweder stark unterbewertet sind oder wegen besonderer Innovationen das größte Potenzial haben.
Aber wie findet man die attraktivsten Einzelwerte? Das Handelsblatt hat mit seinem Research Institute Aktien in Europa und den USA (Marktkapitalisierung: mindestens zehn Milliarden Euro) analysiert, die in den vergangenen Jahren durch besonders geringe Kursschwankungen auffielen. Berücksichtigt wurden auch die Papiere mit den besten Analysteneinschätzungen der vergangenen drei Monate. Das Ergebnis: acht aussichtsreiche Werte.
Dazu gehören beispielsweise die Anteilsscheine des Schweizer Arzneiriesen Roche. „Da am Markt die Zukunft gehandelt wird, ist gerade bei Pharmaunternehmen die Innovationsstärke ein wichtiges Kriterium. Roche hat hier eine recht erfolgversprechende Produkt-Pipeline“, sagt Bernhard Weiniger, Analyst bei Independent Research.
Ebenfalls eine Topempfehlung: die Papiere des größten britischen Immobilienfonds Land Securities. Die Notierung der Aktie hat seit Januar 2014 um knapp die Hälfte zugelegt. Auch in den USA zählen vor allem Aktien aus Medizin, Gesundheit und dem Immobiliengeschäft zu den Favoriten, wie McKesson. Der stark expandierende Pharmagrossist stand durch den Kauf des Stuttgarter Rivalen Celesio im vorigen Jahr vorübergehend im Fokus der Investoren – ist hierzulande ansonsten aber wenig bekannt.
Wer den Handelsblatt-Empfehlungen im Herbst 2014 folgte, hat bis dato eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaftet. Die damals favorisierten europäischen Aktien legten im Schnitt um mehr als 15 Prozent zu. Auch die ausgewählten US-Titel sind stärker als der Dow Jones geklettert.
Lange Zeit sind Anleger mit breit gestreuten Aktieninvestitionen gut gefahren. Angetrieben von der ultralockeren Geldpolitik der bedeutendsten Notenbanken, kletterten die Notierungen von Dax, Dow Jones & Co. seit März 2009 immer höher – und boten risikobereiten Investoren einen Ausgleich für den Zinsschwund bei Anleihen und Festgeld.
Doch mittlerweile haben die Börsen rund um den Globus in den Rückwärtsgang geschaltet: Nach dem deutlichsten Quartalsverlust in vier Jahren hat der MSCI Weltaktienindex (in Dollar) auf Jahressicht gut sieben Prozent eingebüßt. Auch beim Dax scheint die Luft raus: Der deutsche Leitindex hat nicht nur seinen Jahresgewinn von zeitweise 26 Prozent fast vollständig abgegeben, sondern vorübergehend auch noch den kompletten Kurszuwachs aus 2014.
Dass Aktien-Abstinenz trotzdem nicht die einzig richtige Schlussfolgerung sein muss, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Analyse des Handelsblatts: „Stockpicking“ lautet demnach das Gebot der Stunde – also die Suche nach aussichtsreichen Einzeltiteln. Mit dieser Anlagestrategie können sich selbst vorsichtige Investoren an die Börse wagen – und zwar auch dann, wenn die Aussichten des Gesamtmarkts eher bescheiden sind.
Wer sich systematisch Qualitätsaktien ins Depot legen möchte, ohne sich durch Datenkolonnen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen, Buchwerten und anderen Vergleichskennziffern zu wühlen, kann gezielt auf die Top-Favoriten der Analysten setzen – zusammengefasst wiederum in den Empfehlungen des Handelsblatts, die auf den Premium-Datenbanken des Informationsdienstleisters Bloomberg beruhen.
In den vergangenen Jahren waren diese Empfehlungen außerordentlich zutreffend. Seit 2012 hatte das Research Institute des Handelsblatts regelmäßig eine Titelauswahl nach den oben genannten Kriterien zusammengestellt. Ergebnis der Auswertungen: Das ermittelte Aktien-Potpourri schlägt sich rückblickend bisher jedes Mal wesentlich besser als die relevanten Benchmarkindizes. So entwickelte sich ein mit den 2014 recherchierten Topwerten gleichgewichtet bestücktes Portfolio bisher mindestens doppelt so gut wie die relevanten Benchmarkindizes.
Am kräftigsten zugelegt hat der Aktienkurs eines europäischen Unternehmens aus der damaligen Liste der Topempfehlungen: die Anteilsscheine des Unternehmensberaters Accenture. Zu den Top-Performern gehörten auch die Aktien des Drogeriefilialisten CVS Health.
Der US-Branchenprimus zählt auch diesmal zu den Analysten-Lieblingen. Aus der Medizin- und Gesundheitsbranche stammen jetzt auch der irische Medizintechnikspezialist Medtronic, der US-Pharmahändler McKesson und der Schweizer Pharmariese Roche. „Dies hängt damit zusammen, dass das Geschäftsmodell relativ konjunkturunabhängig ist“, erklärt Bernhard Weininger, Analyst bei Independent Research. Patienten seien etwa ungeachtet der Marktentwicklung auf Medikamente angewiesen.
Überproportional stark vertreten ist zudem der Immobiliensektor, der Fachleuten zufolge besonders vom anhaltenden Niedrigzinsumfeld profitiert – etwa Simon Properties, der weltweit größte „REIT“ (Real Estate Invesment Trust), oder Land Securities, ein REIT, der sich auf hochpreisige Objekte in London konzentriert. Dazu American Tower, ein hierzulande kaum bekannter „Hidden Champion“ aus den USA, der Mobilfunkfirmen weltweit Tausende Kommunikationsmasten und Antennenstellplätze zur Verfügung stellt.
Roche
Solide Schweizer
Wer auf der Suche nach Blue Chips mit solidem und konjunkturunabhängigem Geschäft ist, kommt am Pharmasektor nicht vorbei. Zu den innovativsten Branchenriesen zählt dabei Roche. Für Forschung und Entwicklung gaben im vergangenen Jahr weltweit nur VW, Samsung, Intel und Microsoft mehr Geld aus als die Schweizer. Resultat: Patentgeschützte, margenstarke Eigenentwicklungen – etwa für die Krebsbehandlung. Das honorieren auch die Analysten – mit 31 Kaufempfehlungen.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 31 kaufen; 6 halten; 1 verkaufen
Börsenwert: 199,6 Milliarden Euro
McKesson
Hungriger Gigant
Kein anderes schwankungsarmes Schwergewicht aus den USA steht in der Gunst der Analysten besser da: 21 von 22 Experten, die McKesson regelmäßig unter die Lupe nehmen, sind sich sicher: Aktien des Pharmagroßhändlers sind einen Kauf wert – niemand rät zum Verkauf. Der Branchenriese gilt als gut geführt – und expansionshungrig: Seit der Übernahme des Stuttgarter Konkurrenten Celesio 2014 bauen die Kalifornier die Europa-Präsenz aus. Jüngst mit dem Kauf von 281 Apotheken in Großbritannien.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 21 kaufen; 1 halten; 0 verkaufen
Börsenwert: 38,8 Milliarden Euro
Medtronic
Dicke Dividenden
Das 38. Jahr in Folge hat der einstige US-Konzern Medtronic im Juni die Ausschüttungen an seine Aktionäre erhöht. Im Fokus der Investoren stand der Medizintechnikgigant zuletzt aber nicht nur wegen kontinuierlicher Dividendenzuwächse, sondern vor allem wegen des größten Branchendeals aller Zeiten: des Kaufs des irischen Chirurgie- und Gefäßtherapie-Spezialisten Covidien. Nicht zuletzt um künftig Steuern zu sparen, verlegte Medtronic danach den Geschäftssitz nach Dublin.
Analystenempfehlungen (letzte 12 Monate): 20 kaufen; 6 halten; 1 verkaufen
Börsenwert: 90,2 Milliarden Euro
American Tower
Rentable Türme
Die Immobiliengesellschaft (REIT) ist in den USA führend in einem einträglichen Spezialbereich: American Tower betreibt Kommunikations- sowie Sendemaste und vermietet Antennenstellplätze an Drahtlosnetz-Betreiber. Der Infrastrukturanbieter profitiert dabei vom rasant steigenden Bedarf an Übertragungskapazitäten. Auch weltweit zielt man auf Expansion: Während sich vor drei Jahren 47 000 Stationen rund um den Globus im Portfolio befanden, sollen es bis Ende 2015 rund 100 000 sein.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 22 kaufen; 3 halten; 0 verkaufen
Börsenwert: 35,3 Milliarden Euro
Land Securities
Lukratives London
Nirgendwo in Europa sind Immobilienpreise in den letzten Jahre so stark gestiegen wie in London. Allein im zweiten Quartal 2015 entfiel auf die Metropole jeder vierte europaweit investierte Euro. Vor allem die Nachfrage im Premiumsegment ebbt nicht ab. Zu den Profiteuren gehört Land Securities – der größte britische Immobilienfonds. Die Geschäftsaktivitäten sind unterteilt in ein Einzelhandelsportfolio sowie das „London-Portfolio“ und umfassen gewerblich genutzte Objekte in erstklassigen Lagen.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 17 kaufen; 7 halten; 0 verkaufen
Börsenwert: 13,7 Milliarden Euro
CVS Health
Langfristiger Liebling
Die Aktie des US-Drogeriefilialisten und Pharmahändlers CVS Health steht nicht nur ganz oben auf den Kauflisten der Analysten. Sie ist auch das einzige Papier, das es das vierte Mal in Folge auf die Liste des Handelsblatts geschafft hat. Die Titel befinden sich seit Jahren im Aufwärtstrend. Diesmal empfehlen noch zwei Experten mehr als bei der Auswertung im vergangenen Herbst die Aktien des Konzerns, bei dem die meisten Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA eingelöst werden.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 25 kaufen; 3 halten; 0 verkaufen
Börsenwert: 99,9 Milliarden Euro
ACE
Gut versichert
Kunden in mehr als 140 Ländern betreut der in Deutschland kaum bekannte Schweizer Versicherungskonzern ACE. Die Aktie befand sich mehr als fünf Jahre in einem Aufwärtstrend, bevor sie im März in den Rückwärtsgang schaltete. Analysten halten dem Titel dennoch die Treue, der schon 2012 und 2013 zu den Topempfehlungen gehörte. ACE ist breit aufgestellt: Die Angebotspalette reicht von Unfall- und Krankenversicherungen über Ernteausfall-Assekuranzen bis hin zu Rückversicherungsgeschäften.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 18 kaufen; 8 halten; 0 verkaufen
Börsenwert: 30,3 Milliarden Euro
Simon Property
Weltweiter Primus
Ein Ertragswachstum, das Experten beeindruckt, kennzeichnet die größte Immobiliengesellschaft (REIT) der Welt: In den vergangenen fünf Jahren kletterte der Gewinn von Simon Property im Schnitt um jeweils mehr als zwölf Prozent. Der Aktienkurs hat seitdem knapp doppelt so stark zugelegt wie der US-Leitindex Dow Jones. Der Branchenprimus besitzt, entwickelt und betreibt Hunderte Einkaufszentren und Premium-Outletcenter. Vor allem in den USA, aber auch in Kanada, Japan oder Südkorea.
Analystenempfehlungen (vergangene 12 Monate): 22 kaufen; 4 halten; 0 verkaufen
Börsenwert: 53 Milliarden Euro