Börsenrally: Diese Aktien treiben den Dax nach oben
Die Siemens-Aktie gehört zu den Top-Performern im Dax seit Mitte März und hat den Index kräftig bewegt.
Foto: dpaFrankfurt . Größer könnte die Spreizung kaum sein. Fast 112 Prozent haben Anleger gewonnen, die Mitte März Geld in die Aktie von Infineon investiert haben. Der Chiphersteller leidet zwar als Zulieferer unter dem Einbruch der Automobilindustrie in der Coronakrise, profitiert aber vom allgemeinen Aufschwung der Technologiewerte angesichts des Trends zur immer stärkeren Digitalisierung und entsprechender Nachfrage nach Halbleitern.
Mehr als 98 Prozent verloren dagegen Anleger, die auf den nach einem milliardenschwerem Bilanzskandal inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard setzten. Bis auf Wirecard haben seit dem Dax-Tief im März die Aktien aller anderen Dax-Konzerne gewonnen.
Der Leitindex insgesamt hat trotz anhaltender Corona-Pandemie seit Mitte März mehr als 50 Prozent zugelegt und jetzt die Marke von 13.000 Punkten zurückerobert, nachdem er in den vier Wochen zuvor fast 40 Prozent verloren hatte. Die größten Ausreißer nach oben und nach unten beeinflussten den Index aber nur wenig.
Das liegt daran, dass sich die Dax-Entwicklung nach der Marktkapitalisierung des Streubesitzes der 30 Mitglieder richtet. Der Wert der frei handelbaren Aktien ist entscheidend dafür, wie sehr eine einzelne Aktie den Dax beeinflusst.
Die Deutsche Börse begrenzt zwar das Indexgewicht eines einzelnen Unternehmens auf zehn Prozent. Die Gewichtung wird indes nur quartalsweise angepasst, zwischenzeitlich kann ein Unternehmen also auch etwas mehr Einfluss haben.
Am Dax-Anstieg seit dem 18. März hatte die Infineon-Aktie entsprechend ihrer Gewichtung nur einen Anteil von rund vier Prozent. Anders ausgedrückt: Ohne die Infineon-Aktie hätte der Dax nur vier Prozent weniger zugelegt.
Wirecard belastet den Dax nur wenig
Umgekehrt hatte aber auch der beispiellose Absturz von Wirecard nur einen geringen Einfluss auf den Dax. Die Wirecard-Aktie drückte den Dax seit Mitte März nur um gut drei Prozent nach unten.
Beim zweitbesten Dax-Performer seit Mitte März ist das anders: Siemens ist ein Dax-Schwergewicht und hat mehr als elf Prozent zur Dax-Entwicklung beigetragen. Die Siemens-Aktie hat seit dem Dax-Tief fast 87 Prozent zugelegt. Investoren gefällt vor allem die geplante Abspaltung der Energiesparte.
Andere Top-Performer in der Börsenerholung hatten auf den Dax nur relativ wenig Einfluss. So gewann die Aktie der Deutschen Post zuletzt 84 Prozent, trieb den Leitindex aber um nur viereinhalb Prozent nach oben. Die Deutsche Post profitiert in Corona-Zeiten von der Zunahme des Onlinehandels und hat im zweiten Quartal ihren Gewinn deutlich gesteigert.
Der Autokonzern Daimler machte dagegen auch im zweiten Quartal noch einen Verlust, der aber geringer ausfiel, als Investoren erwartet hatten. Unter dem Börsenabsturz bis Mitte März hatten Autoaktien besonders gelitten, die Daimler-Aktie brach mehr als 48 Prozent ein. Seither erholte sie sich mit einem Plus von 77 Prozent aber stärker als andere Autoaktien. Im Dax hat Daimler ein Gewicht von nur gut vier Prozent und damit ebenfalls relativ wenig Einfluss auf die Entwicklung des Indexes.
Deutsche Bank überrascht
Am wenigstens trug die Aktie der Deutschen Bank zum Dax-Gewinn bei. Die Aktie des Geldhauses schnellte zwar in den vergangenen vier Monaten um knapp 72 Prozent in die Höhe. Zum Dax-Anstieg trug das aber nur 3,4 Prozent bei. Zudem erfolgte die Erholung der Deutsche-Bank-Aktie von einem niedrigen Niveau aus. Im März war sie auf ein Rekordtief von 4,45 Euro gefallen. In den vergangenen 13 Jahren hat die Deutsche-Bank-Aktie unter dem Strich fast 90 Prozent an Wert eingebüßt. Damit verlor sie langfristig annähernd so viel wie Wirecard in wenigen Wochen.
Anlegern zeigt die aktuelle Entwicklung einmal mehr, dass sie ihre Risiken deutlich reduzieren, wenn sie auf einen breiten Index statt auf einzelne Werte setzen. Mit Einzelinvestments können Investoren zwar einen Index deutlich outperformen – aber auch massive Verluste einfahren.