Dax, MDax, SDax: Suse, Dermapharm, Befesa – das sind die Gewinner und Verlierer der Börsenwoche
Der Leitindex Dax sank zwischenzeitlich bis auf 15.469 Punkte, den tiefsten Stand seit Anfang Juli, und beschloss die Woche 1,6 Prozent im Minus.
Foto: dpaFrankfurt. Von Chinas angeschlagenem Immobiliensektor kommen neue Sorgen um die Weltwirtschaft auf. Gemeinsam mit den Befürchtungen um eine möglicherweise doch länger anhaltende Phase höherer Inflation, damit womöglich weiter anziehenden Zinsen, ergab dies einen belastenden Mix für die Woche an den Aktienmärkten.
Im Rampenlicht unter den deutschen Aktien standen Suse. Die Papiere der Linux-Softwarefirma aus dem SDax sprangen in der Woche um knapp 50 Prozent in die Höhe. Der schwedische Finanzinvestor EQT will die Nürnberger gut zwei Jahre nach ihrem Börsengang wieder vom Parkett holen und kündigte ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre über 16 Euro je Aktie an. Damit wird Suse mit 2,72 Milliarden Euro bewertet.
Die Pointe: Das Geld für die Offerte – bis zu 584 Millionen Euro – kommt vom Unternehmen selbst. Die Firma soll einer Vereinbarung mit EQT zufolge eine Sonderdividende zahlen, die gerade so hoch ausfällt, dass ihr Mehrheitsaktionär, der 79 Prozent der Anteile hält, die anderen Anteilseigner dafür herauskaufen kann. Suse soll außerdem bis zu einer halben Milliarde Euro zusätzliche Schulden aufnehmen.
Dass Finanzinvestoren ihren Unternehmensbeteiligungen mehr Schulden aufbürden, ist üblich. Bei einer börsennotierten Firma ist das aber ungewöhnlich.
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Suse erwies sich allerdings als Börsenflop, die Aktie hatte bis zum Übernahmeangebot unter dem Strich zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt. Spekulationen über einen Rückzug von der Börse gab es seit Monaten.
Der Unternehmenswert litt wie viele Technologiewerte besonders unter dem Zinsanstieg. Zudem schwächelte das Endkundengeschäft von der Softwarefirma, die das Open-Source-Betriebssystem Linux für Unternehmen, Behörden und Universitäten nutzbar macht. Analysten befanden außerdem, dass der Aktienkurs darunter gelitten habe, dass wegen der Aktionärsstruktur kaum Papiere gehandelt wurden.
Die Suse-Aktionäre müssen ihre Anteilsscheine nicht an EQT verkaufen. Nach dem geplanten Börsenrückzug können sie sie aber nicht mehr dort handeln. Die Übernahme soll bis Anfang Oktober unter Dach und Fach sein.
Unter den Wochengewinnern findet sich zudem Dermapharm, deren Aktien nach positiven Aussagen von Vorstandschef Hans-Georg Feldmeier kletterten. Der Vorstand des bayerischen Arzneimittelherstellers aus dem SDax geht davon aus, dass Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) 2023 das obere Ende der Prognosen erreichen.
Dermapharm hat 1,08 bis 1,11 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes Ebitda von 300 bis 310 Millionen Euro in Aussicht gestellt. In den ersten sechs Monaten stieg der Umsatz dank eines Zukaufs in Frankreich um 24 Prozent auf 582 Millionen Euro, obwohl die Umsätze mit den für Biontech produzierten Impfstoffen wegbrachen. Das bereinigte Ebitda wuchs um 13 Prozent auf 168 Millionen Euro. „Treiber von Umsatz- und absolutem Ergebniswachstum sind unser französisches Tochterunternehmen Arkopharma und ein erfreulich starkes organisches Wachstum im Bestandsgeschäft“, sagte Feldmeier.
Rekordgewinn stimmt Anleger milde bei Hellofresh
Ein Rekordgewinn hat zuletzt die Aktie von Hellofresh wieder angeschoben, auch wenn die Kundenzahlen des Kochboxenversenders aus dem MDax zwischendurch die Laune der Anleger trübten. Der Rückgang der aktiven Kunden sei mit 8,7 Prozent fast doppelt so hoch ausgefallen wie erwartet, monierten die Analysten der Bank Credit Suisse.
Zuvor hatte Hellofresh einen Anstieg des operativen Gewinns um 31,5 Prozent auf 191,9 Millionen Euro bekannt gegeben, damit das beste Quartalsergebnis der Firmengeschichte erreicht. Der Umsatz legte um ein Prozent auf 1,92 Milliarden Euro zu.
Der durchschnittliche Bestellwert wuchs vor allem von Preiserhöhungen währungsbereinigt um 8,4 Prozent und machte hier den Kundenschwund wett. Hellofresh bekräftigte zudem seine zuvor angepassten Gesamtjahresziele, ein Umsatzplus von zwei bis acht Prozent und einen bereinigten Betriebsgewinn von 470 Millionen bis 540 Millionen Euro.
Adtran Holdings investiert und versöhnt Investoren etwas
Eine Investition sorgt für einen Kursaufschwung beim von Anlegern in diesem Jahr bisher nicht verwöhnten US-Glasfaserkonzern Adtran Holdings. Das im SDax notierte Unternehmen berichtete über eine Investition von rund 5 Millionen US-Dollar für ein Werk zur Produktion von Telekommunikationsausrüstung im US-Bundesstaat Alabama.
Zuvor hatte der Konzern auch für die deutsche Tochter schleppendere Geschäfte angekündigt. Das zweite Halbjahr werde schwieriger, sagte Vorstandschef Tom Stanton. Der Zulauf von Neukunden liege zwar noch nahe einem Höchststand, die bestehenden Kunden seien aber mehr damit beschäftigt, ihre Lagerbestände zu optimieren.
Für das laufende dritte Quartal sei daher nur noch ein Umsatz zwischen 275 und 305 Millionen Dollar zu erwarten. Das ist bis zu ein Fünftel weniger als Analysten Adtran zugetraut hätten.
Zudem werde Adtran Holdings operativ keine schwarzen Zahlen mehr schreiben, sagte Stanton: Die operative Marge erwartet das Unternehmen zwischen minus fünf und null Prozent. Analysten hatten mit plus 3,7 Prozent gerechnet.
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz durch die Übernahme der bayerischen Adva Optical, die jetzt Adtran Networks heißt und ebenfalls dem SDax angehört, um 90 Prozent auf 327,4 Millionen Dollar. Er lag aber nur noch leicht über dem Niveau des ersten Quartals. Die operative Marge verbesserte sich auf 1,1 Prozent. Die Aktie von Adtran Holdings trägt mit einem Kursverlust von mehr als 56 Prozent in diesem Jahr bisher die rote Laterne in der Dax-Familie.
Anleger trauen Befesa nicht
Wenig Vertrauen zeigen Anleger auch gegenüber Befesa, dem Verlierer der Börsenwoche mit einem Kursverlust von rund 12 Prozent und einem Minus von knapp einem Drittel seit Jahresbeginn. Dem deutsch-spanischen Metall-Recycler Befesa aus dem MDax haben im ersten Halbjahr Kosten und ungünstige Rohstoffpreise zu schaffen gemacht.
Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg zwar um acht Prozent auf 615,5 Millionen Euro, wie Befesa Ende Juli mitteilte. Doch der Betriebsgewinn (bereinigtes Ebitda) fiel um 20 Prozent auf 94,7 Millionen Euro.
Befesa setzt nun auf eine Erholung im zweiten Halbjahr und bekräftigte die Prognose, wonach der Betriebsgewinn 2023 bei 200 bis 230 Millionen Euro liegen soll. Das wären im schlechtesten Fall sieben Prozent weniger als 2022, im besten Fall sieben Prozent mehr. Im ersten Halbjahr hätten ungünstige Zink- und Aluminiumpreise, Schmelzlöhne und anhaltend hohe Kokskohlepreise das Unternehmen beeinträchtigt, sagte Vorstandschef Javier Molina.
Windkraftunternehmen mit Kostenproblemen
„Günstige Preise haben lange gut funktioniert“, berichtet ein Brancheninsider. Mit den Krisen der vergangenen Jahre hätten sich die Erwartungen jedoch nicht erfüllt. Die Fabriken waren nicht ausgelastet, die Hersteller blieben auf den Kosten sitzen. So sind zum Beispiel die Preise für Stahl und andere Rohstoffe massiv gestiegen.
In ihren Verträgen hatten die Windkraftunternehmen dieses Risiko offenbar nicht bedacht. Nun arbeiten sie an ihrer Kostendisziplin. Verträge werden neu verhandelt, Risiken ausgelagert, Preise erhöht.
Und auch weitere Werke wurden dichtgemacht. Erst im vergangenen Februar schloss Nordex unter lautem Protest sein Rotorblattwerk in Rostock. „Wir haben uns extrem verbessert und erwarten, dass die zweite Jahreshälfte noch einmal besser wird“, zeigt sich Nordex-CEO José Luis Blanco überzeugt.
Die steigende Inflation bereite ihm gerade mit Blick auf Europa allerdings schon Sorgen. Allein im ersten Halbjahr sind die Materialkosten im Vergleich zum Vorjahr um fast 600 Millionen Euro gestiegen. Seine Investitionen hat der Hamburger Konzern deswegen im selben Zeitraum bereits um fast die Hälfte reduziert.
Ende Juli hat Nordex zwar einen Umsatzanstieg auf 2,8 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 0,6 Millionen Euro berichtet. Doch bereinigt (Ebitda) machte das Unternehmen einen Verlust von 114,3 Millionen Euro, nach minus 173,3 Millionen vor Jahresfrist.
Unter Druck gerieten auch die Aktien von Nagarro und Hypoport aus dem SDax. Der Softwareentwickler hat die Börse mit der zweiten Korrektur seiner Umsatz- und Gewinnprognosen innerhalb von drei Monaten schockiert. Der Immobilienfinanzierer berichtete für das zweite Quartal einen Verlust von 2,5 Millionen Euro.