EM und Olympia: Diese Reise-Aktien können vom Sport-Sommer profitieren
Köln. Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart: In den Fußballstadien dieser Städte wird ab dem 14. Juni die Europameisterschaft ausgetragen. Ende Juli geht der Sportsommer in Paris mit den Olympischen und Paralympischen Spielen weiter.
Die Deutsche Zentrale für Tourismus schätzt, dass 2,7 Millionen Fans ihre Lieblingsmannschaft in einem der zehn Stadien bei der Europameisterschaft anfeuern werden, insgesamt sieben Millionen Menschen erwartet die Organisation in Fan-Zonen und bei Public Viewings. Die Stadt Paris rechnet anlässlich der Olympiade mit 15,3 Millionen Besuchern.
Laut einem aktuellen Report der Frankfurter Privatbank Oddo BHF erwarten die Gastgeberländer Deutschland und Frankreich zwar keinen dauerhaften Wachstumsschub durch die Sportevents, allerdings dürften einzelne Sektoren verstärkt profitieren: Das größte Potenzial sieht die Privatbank unter anderem im Übernachtungs- und Verkehrsgewerbe.
Schließlich reisen Sportfans mit Auto, Flugzeug oder Zug an, schlafen in Hotels, essen in Restaurants und trinken in Kneipen. „Die mit diesen Ereignissen verbundenen Tourismusströme führen zu einem beträchtlichen Verbrauchsüberschuss und bieten daher die Möglichkeit, Einnahmen zu generieren“, heißt es in dem Report.
Auch ohne diese Sportereignisse ist die Reisebranche auf Erholungskurs. Wenngleich der Münchener Reisekonzern FTI zu Wochenbeginn Insolvenz anmelden musste, löste das bei der Aktie des Konkurrenten Tui steigende Kurse aus.
„Auch wenn die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland aktuell eher verhalten ist, auf eine Urlaubsreise möchte kaum jemand verzichten“, sagt Zoltan Koch, Leiter Aktienmanagement bei Warburg Invest. „Der Reisebranche geht es gut, und die Nachfrage hat nahezu das Vor-Corona-Niveau erreicht.“
Wirtschaftlich gehe es vielen Unternehmen sogar besser als vor Beginn der Pandemie: Sie hätten ihre Prozesse effizienter gestaltet, Preissteigerungen größtenteils weitergeben können und ihre Auslastung erhöht. All das habe insgesamt die Profitabilität gesteigert.
Accor: Finanzchefin erwartet „kleinen Aufschwung“
Gut lief es beispielsweise beim französischen Hotelkonzern Accor. Schrieb das Unternehmen im Krisenjahr 2020 noch rote Zahlen, konnte es 2023 sein operatives Betriebsergebnis (Ebitda) um 50 Prozent auf rund eine Milliarde Euro steigern.
Das Umsatzwachstum betrug in der gleichen Zeit etwa 20 Prozent. In Frankreich, wo der Hauptsitz des Unternehmens ist, erwirtschaftet Accor etwa ein Fünftel des Hotelumsatzes, Paris macht allein etwa zehn Prozent des Konzernumsatzes aus.
Martine Gerow, Finanzchefin des Unternehmens, sagte im Quartalsmeeting im Frühjahr, dass Accor durch die Olympischen Spiele „einen kleinen Aufschwung“ erwarte. Sie prognostizierte ein durch das Sportereignis bedingtes Umsatzwachstum von zwei Prozentpunkten für den französischen Markt.
Auf Basis der für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Gewinne beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Accor 18. Damit ist das Unternehmen etwas günstiger als die Konkurrenz bewertet: Hilton Holdings beispielsweise kommt für das Jahr 2024 auf geschätzte 31, bei Marriott liegt der Wert bei 25.
Zuletzt erhöhte das US-Analysehaus sein Kursziel auf 49,10 Euro. Der durchschnittliche Wert aller Analysten liegt bei 47,50 Euro. 16 von 19 Experten raten zum Kauf der Aktie.
Airbnb: Starke kurzfristige Nachfrage
Ein direkter Konkurrent der Hotelgruppe mit einem etwas anderen Geschäftsmodell ist das US-Onlineportal Airbnb. Die Plattform führt den Markt zur Vermietung privater Unterkünfte an und kann mit einem starken Umsatz- und Gewinnwachstum punkten.
Dennoch sieht etwa die US-Investmentfirma Wedbush noch Potenzial: Die kurzfristige Reisenachfrage sei stark, angekurbelt durch Ereignisse wie die Olympischen Spiele und die Fußball-EM, heißt es in einer Notiz der Investoren von Ende Mai.
Entsprechend stuften sie das Kursziel auf 165 US-Dollar hoch. Der aktuelle Kurs liegt bei 147 Dollar.
Im Schnitt sind die Analysten mit knapp 153 Dollar etwas vorsichtiger. Von 43 Experten raten nur zwölf zum Kauf, 25 dagegen zum Halten. Die restlichen sechs empfehlen, die Aktie zu verkaufen.
Easyjet: Spielraum für höhere Umsätze
Neben Unterkünften könnten auch Billigfluglinien von den Sportgroßereignissen profitieren – so wie die britische Airline Easyjet. Die Fußball-EM werde Spielraum für höhere Umsätze bieten, sagt Olfa Taamallah, Aktienanalystin für den Transportsektor bei Oddo BHF.
Zusätzlich könnten die Olympischen Spiele einen leichten Volumeneffekt auslösen, da viele Besucher auf andere europäische Städte auswichen, um die hohen Preise in Paris zu vermeiden. Für Easyjet erwartet sie für die zweite Jahreshälfte ein Umsatzplus pro Sitz von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Aufschwung käme zur rechten Zeit: Im Mai erst veröffentlichte das Unternehmen enttäuschende Zahlen für das erste Quartal, zudem gab Geschäftsführer Johan Lundgren seinen Abschied fürs 2025 bekannt.
Die US-Großbank JP Morgan kürzte daraufhin ihr Kursziel auf 670 Pence. Das ist aber immer noch deutlich über dem aktuellen Kurs von knapp 500 Pence.
Von 20 Analysten raten derzeit 17 zum Kauf der Aktie, die restlichen drei zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 715 Pence. Mit einem KGV von sieben (2024e) ist Easyjet etwas günstiger als der irische Konkurrent Ryanair bewertet, der auf einen Wert von acht kommt.