Fondsgesellschaft: Verdacht auf Insiderhandel: Union Investment stellt Fondsmanager frei
Die Fondsgesellschaft verwaltet ein Kundenvermögen von insgesamt 368 Milliarden Euro.
Foto: dpaFrankfurt. Die Fondsgesellschaft Union Investment hat einen ihrer hochrangigen Fondsmanager wegen des Verdachts auf Insiderhandel freigestellt. Dem Angestellten werde vorgeworfen, über einige Monate hinweg auf privaten Depots außerhalb der Systeme des Unternehmens verbotene Insidergeschäfte abgewickelt zu haben, teilte Union Investment am Donnerstag mit. Der Fondsmanager, dessen Name dem Handelsblatt bekannt ist, habe sich in erheblichem Maße unrechtmäßig bereichert, lautet der Vorwurf.
Auf Basis der aktuellen Erkenntnisse seien weder Kunden noch die Sondervermögen von Union Investment geschädigt worden, erklärte der zum genossenschaftlichen Bankensektor gehörende Anbieter, der als eines der großen vier deutschen Fondshäuser ein Kundenvermögen von insgesamt 368 Milliarden Euro managt.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte dem Handelsblatt, dass wegen des Verdachts auf Insiderhandel im Umfeld der Union Investment ermittelt wird. Ausgangspunkt des Verfahrens sei eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gewesen.
Die Behörde hatte den Fall am 20. August an die Ermittler gemeldet. Am 2. September kam es dann zur Durchsuchung in der Frankfurter Zentrale der Union Investment und einem weiteren Objekt. Bislang gibt es mit dem Fondsmanager einen Beschuldigten, gegen das Institut selbst wird nicht ermittelt. „Union Investment zeigt sich kooperativ“, sagte der Behördensprecher.
Bei Union sei man „erschüttert“, sagt ein Mitarbeiter. Es besteht der Verdacht, dass der Fondsmanager wohl einige Monate lang sein professionelles Wissen für private Wertpapiergeschäfte genutzt hat – und seine privaten Deals auch nicht wie vorgeschrieben seinem Arbeitgeber angezeigt hat.
Union Investment erkennt daher kein Versagen des eigenen Kontrollsystems: „Unsere Systeme greifen, wenn wir etwas sehen. Wenn es aber nichts zu sehen gibt, können sie auch nicht greifen“, sagt ein Sprecher des Hauses.
Üblicherweise sechsstellige Gehälter
Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, wäre der Mitarbeiter mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen, heißt es weiter in der Mitteilung. Über die Motive grübelt man branchenweit: Fondsmanager, die gewichtige Portfolios managen, verdienen mindestens mittlere sechsstellige Euro-Gehälter im Jahr. Allerdings gibt es unter Topmanagern in einigen Häusern auch siebenstellige Spitzengehälter, die dem Vernehmen nach bei dem genossenschaftlichen Fondsanbieter nicht üblich sind.
Insiderhandel gehört zu den verbotenen Börsengeschäften. Gemeint ist damit die bewusste Verwendung von Insiderinformationen, die der Allgemeinheit nicht bekannt sind und kursrelevant sein können, zum eigenen Vorteil.
Die Ausnutzung solcher Vorteile verbietet das Wertpapierhandelsgesetz. Verstöße können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Die zuständige Kontrolle liegt bei der Bafin.