Fußball-Aktien: Warum eine andere Aktie steigt, wenn der BVB einen Stürmer verpflichtet
Der Wechsel des Stürmers nach Dortmund beschert Unterhaching einen Millionenbetrag.
Foto: dpaDüsseldorf. Borussia Dortmund (BVB) hat einen neuen Stürmer verpflichtet: Am späten Dienstagnachmittag gab der börsennotierte Fußball-Bundesligist den Transfer von Karim Adeyemi bekannt. Der Stürmer wechselt im Sommer von Red Bull Salzburg nach Dortmund. Das sorgt auch am Aktienmarkt für Bewegung – aber nicht bei den Titeln des BVB, sondern bei denen eines anderen Fußballklubs: der SpVgg Unterhaching.
Die Aktie des börsennotierten Viertligisten zog am Dienstag auf der Handelsplattform Tradegate um sechs Prozent an und kletterte am Mittwoch in der Spitze um weitere neun Prozent. Das Handelsvolumen stieg um 1500 Prozent.
Auslöser für den Kurssprung ist, dass Unterhaching an der Ablösesumme beteiligt wird, die der BVB nach Salzburg überweist. Medienberichten zufolge liegt der Sockelbetrag bei 30 Millionen Euro zuzüglich erfolgsabhängiger Bonuszahlungen.
Adeyemi wechselte 2012 als Zehnjähriger von Bayern München nach Unterhaching und spielte dort bis 2018, ehe er nach Salzburg wechselte. Unterhachings Geschäftsführer Manfred Schwabl verhandelte damals eine Klausel in den Vertrag hinein, wonach sein Verein an einem Weiterverkauf Adeyemis beteiligt wird.
Die SpVgg erhält „eine fixe Zahlung in Höhe von mehr als sechs Millionen Euro nebst der Option auf zwei erfolgsabhängige Tranchen in Höhe von jeweils circa einer Million Euro“, gab Unterhaching am Dienstag nach Börsenschluss bekannt. Zudem könnte der Klub bei einem künftigen Weiterverkauf Adeyemis von Dortmund an einen anderen Verein an einem Transfererlös partizipieren.
Für Unterhaching ist das viel Geld: Der aktuellste Geschäftsbericht des Vereins stammt aus dem Jahr 2019/2020. Damals lagen die Umsatzerlöse bei knapp vier Millionen Euro.
Unterhaching war im Juli 2019 an die Börse gegangen und hatte rund 2,7 Millionen Euro eingenommen. Damals spielte der Verein noch in der dritten Liga. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang wollte der Klub bis 2022 den Sprung in die finanziell lukrativere zweite Liga schaffen – stattdessen stieg Unterhaching im Sommer 2021 ab. In der laufenden Saison liegt die Mannschaft auf Rang fünf, ohne Chance auf den direkten Wiederaufstieg.
Unterhaching zeigt das Risiko von Fußballaktien
Darunter hat auch der Aktienkurs gelitten: Der Ausgabepreis lag im Sommer 2019 bei 8,10 Euro, der erste Kurs bei 8,30 Euro. Seitdem fiel der Kurs mit dem Abstieg in der Spitze bis auf unter vier Euro, erholte sich seitdem aber wieder. Die Einnahmen aus dem Adeyemi-Transfer sorgen nun für einen zusätzlichen Schub. „Ein Drittel fließt in den Bilanzausgleich und in Rücklagen, ein Drittel ins Nachwuchsleistungszentrum und ein Drittel in die Infrastruktur und die erste Mannschaft“, sagte Schwabl am Mittwoch im Interview mit dem „Münchner Merkur“ und der „tz“.
Die Entwicklung des Unterhaching-Titels zeigt exemplarisch das Risiko von Fußballaktien, deren Kurse stark an den sportlichen Erfolg gekoppelt sind. Die Papiere von Borussia Dortmund verloren beispielsweise auf Zwölfmonatssicht mehr als 30 Prozent an Wert, nachdem der Klub sowohl im lukrativen Europapokal als auch im nationalen Pokalwettbewerb früh ausgeschieden war.
Allerdings sorgte auch hier ein Spielertransfer in den vergangenen beiden Tagen für ein Kursplus: Der BVB verkauft seinen Topstürmer Erling Haaland an Manchester City. Mit der Realisierung dieses Transfergeschäfts erwartet die Geschäftsführung einen positiven Effekt auf die Ergebniskennzahlen (Ebitda, Ebit) für das Geschäftsjahr 2022/2023 in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euro. Seit der Bekanntgabe des Wechsels am Dienstag ist der Kurs um zehn Prozent gestiegen.