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WMDie Milliarden-Hoffnungen auf ein amerikanisches Fußballwunder

In den USA finden gleich zwei wichtige Fußballturniere statt, die Wirtschaft und Vereinen enorme Einnahmen versprechen. Doch es gibt ein Risiko für den Erfolg – und das sitzt im Weißen Haus.Laurin Meyer 28.06.2025 - 16:07 Uhr Artikel anhören
BVB-Spieler bei der Klub-WM: Bei mehreren Spielen sind in den Stadien noch Plätze frei geblieben. Foto: IMAGN IMAGES via Reuters

New York. Donald Trump scheint noch nicht ganz vertraut zu sein mit den Regeln des Fußballs. Dabei findet in den USA derzeit die Klub-Weltmeisterschaft statt, ein Wettbewerb von 32 Spitzenvereinen von allen Kontinenten. Im Sommer kommenden Jahres richten die Vereinigten Staaten zudem gemeinsam mit Kanada und Mexiko einen noch größeren Wettbewerb aus: die WM der Männer-Nationalteams.

Für ihn sei das „etwas ganz anderes, aber sehr besonders“, sagte der US-Präsident neulich. Allerdings frage er sich, ob er den Sport als „Soccer“ bezeichnen solle, wie es die meisten Amerikaner tun, oder wie die Europäer eben als „Football“ – nicht zu verwechseln mit American Football.

Trump ist nicht der einzige Amerikaner, der mit Fußball fremdelt: Bei mehreren Spielen der Klub-WM sind in den Stadien noch Plätze frei geblieben. Global betrachtet ist Fußball die Nummer eins, in den USA ist er eine Randsportart – noch. Experten sehen ein gigantisches Potenzial in dem sportbegeisterten Land.

47 Milliarden Dollar könnte die US-Wirtschaft einnehmen

Entsprechend euphorisch sind Wirtschaft, Fußballvereine und deren Sponsoren. Sie erhoffen sich von den beiden Großturnieren einen Schub, für sie geht es um Milliardensummen. Doch ausgerechnet Trumps Politik könnte den Hoffnungen einen Dämpfer verpassen. Denn allen voran die strikte Auslegung der Einreiseregeln könnte Besucher abschrecken und den wirtschaftlichen Erfolg der Sportevents gefährden.

Wie groß der Effekt auf die US-Wirtschaft sein könnte, haben die Welthandelsorganisation WHO und der Weltfußballverband Fifa kürzlich berechnet. Die Studie schätzt, dass die Turniere etwa 47 Milliarden Dollar an Einnahmen einbringen werden. Zusammen sollen sie außerdem 290.000 Vollzeitjobs in den USA schaffen. Vor allem die Hotel- und Gastrobranche kann sich über hohe Ausgaben der Besucher freuen, ebenso der Einzelhandel, prognostizieren die Studienautoren.

Auch für Verbände, Vereine und Sponsoren geht es um Milliarden. Sie investieren selbst kräftig, um vom erhofften Fußballboom in den USA zu profitieren. „Wenn wir als Borussia Dortmund wachsen wollen, dann geht das vorwiegend im Ausland“, sagte Mitgeschäftsführer Carsten Cramer dem Handelsblatt. Der BVB und Bayern München nehmen als deutsche Vertreter an der Klub-WM teil.

„Hier im Markt zu sein und sich bei der Klub-WM bestmöglich zu verkaufen, ist fundamental wichtig“, sagte Cramer. Die USA seien ein prosperierender Markt, trotz aller geopolitischen und volkswirtschaftlichen Unsicherheiten. „Es ist einfach der größte Freizeit-, Sport- und Unterhaltungsmarkt weltweit.“

Cramer (2.v.l.) und Fifa-Präsident Gianni Infantino (r.): Milliardenhoffnungen in den USA. Foto: REUTERS

Zwei Dutzend Mitarbeiter allein aus der Kommunikationsabteilung sind daher zum Großturnier mitgereist, um den Verein rund um die Uhr zu präsentieren. „Wir wollen die Menschen über die mobilen Endgeräte und digitalen Plattformen so umfangreich und so individuell wie möglich erreichen und haben in den vergangenen Wochen bereits mehr als zwei Millionen neue Follower für uns gewinnen können“, sagte Cramer.

Auch verteilten ehemalige Spieler wie Weltmeister Roman Weidenfeller oder Patrick Owomoyela Autogramme auf Fan-Veranstaltungen. Die Idee dahinter: „Je mehr Menschen und Unternehmen uns sympathisch finden, desto eher ist die Bereitschaft da, in uns zu investieren“, sagte Cramer. „Wer uns nicht cool findet, trägt am Ende auch kein BVB-Trikot.“

Sportfans in den USA zahlen gern viel Geld

In den USA zahlt sich das oft aus. Denn für den Sport ist die Zahlungsbereitschaft der Amerikaner seit jeher besonders hoch. Selbst ein Drittel der Gelegenheitsfans wäre bereit, zwischen 100 und 299 Dollar für ein Fußballticket auszugeben, jeder zehnte von ihnen sogar bis zu 499 Dollar. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Marktforscher von Civic Science im Auftrag des „Sports Business Journal“ hervor.

Mit Adidas steht bei den Fans im Land zudem ein deutscher Sportartikelhersteller ganz oben auf der Liste jener Unternehmen, die die Amerikaner besonders stark mit dem Fußball verbinden. Erst auf den Rängen folgen Langzeitsponsoren aus dem eigenen Land, etwa Coca-Cola oder McDonald’s, wie aus der Umfrage hervorgeht.

Der BVB erhofft sich mit seinem Ausrüster Puma einen ähnlichen Effekt. Vor dem Start der Klub-WM schmückte sich der Flagship-Store des deutschen Sportartikelherstellers auf der prestigeträchtigen 5th Avenue in New York im bekannten Schwarz-Gelb des Vereins. „Das ist schon ein Statement“, sagte Cramer. „Wir wollen unsere bestehenden Partner länger und werthaltiger an uns binden.“

Schon ohne die Turniere ist der Fußball in den USA auf einem  Wachstumspfad. Die Zahl der Fans, die erst im vergangenen Jahr den Fußball für sich entdeckt haben, hat sich gegenüber dem Vorjahr vervierfacht. Das geht aus der jährlichen Umfrage der Marketingfirma For Soccer hervor. Auch schauen 84 Prozent der Fans inzwischen mindestens ein Spiel pro Woche, etwa ein Drittel verfolgt wöchentlich mehr als drei Spiele.

Auch die Bundesliga könnte profitieren

Neben dem Interesse an den europäischen Ligen wächst dabei auch das an der amerikanischen Fußballliga, der Major League Soccer (MLS). Weltstars zog es in den vergangenen Jahren dorthin, darunter den mehrfachen Weltfußballer Lionel Messi. Auch der Ex-Dortmunder Marco Reus spielt seit fast einem Jahr für LA Galaxy in Los Angeles. Der Tech-Konzern Apple hat sich mit einem milliardenschweren Langzeitvertrag die Übertragungsrechte an der MLS gesichert.

Steigt das Fußballinteresse im Land weiter, könnte das auch die Bundesliga in den USA mittelfristig populärer machen – davon profitieren wiederum Klubs wie der BVB. Von den weltweiten Medienerlösen der obersten deutschen Fußballliga bekommt die Borussia zwischen zehn und zwölf Prozent, erklärte Cramer.

„Jede Million mehr, die wir als Liga in den USA erzielen, bedeutet also auch mehr Einnahmen für uns.“ Bis zu 15 Prozent des Umsatzes erzielt der BVB inzwischen im Ausland. Darauf dürften auch Anleger schauen. Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist im SDax gelistet.

Das Potenzial des Fußballs wird längst auch im Weißen Haus gesehen. „Ich habe mein gesamtes Team angewiesen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Weltmeisterschaft zu einem noch nie da gewesenen Erfolg zu führen“, sagte Trump. Laut Schätzungen geht es für den US-Präsidenten bei beiden Großveranstaltungen zusammen immerhin um zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 5,3 Milliarden Dollar.

Die politische Realität steht allerdings in Widerspruch zu Trumps euphorischer Ankündigung. Schließlich hat die US-Regierung ein Einreiseverbot für Menschen aus zwölf Staaten verhängt – darunter auch aus Ländern, die sich noch für das Turnier im kommenden Jahr qualifizieren können oder sich bereits qualifiziert haben. Bislang sind nur die Spieler, der Mannschaftsstab und deren Angehörige von dem Verbot ausgenommen.

Aber wenn die Zeit abgelaufen ist, müssen die Fans nach Hause gehen.
J.D. Vance
US-Vizepräsident

US-Vizepräsident J.D. Vance verunsicherte die Fans zusätzlich. Natürlich sei jeder willkommen, sagte er. „Aber wenn die Zeit abgelaufen ist, müssen sie nach Hause gehen.“ Andernfalls müssten sie mit Kristi Noem sprechen. Die US-Heimatschutzministerin ist bekannt für ihre rigorose Abschiebepraxis.

Dutzende Kongressabgeordnete hatten kürzlich schon einen Brief an US-Außenminister Marco Rubio geschrieben und dazu aufgefordert, eine reibungslose Vergabe von Visa zu gewährleisten.

ICE sollte bei Klub-WM bereitstehen

„Der Erfolg dieser Spiele hängt davon ab, ob das Außenministerium in der Lage ist, die Visumsanträge von Zuschauern, Sportlern und Medienvertretern effizient zu bearbeiten“, schreiben sie darin. Man wolle schließlich sicherstellen, dass die Turniere „einen maximalen wirtschaftlichen Nutzen für unsere Gemeinden“ erzielen.

Schon zur laufenden Klub-WM hatte die Einwanderungsbehörde ICE allen nicht amerikanischen Besuchern geraten, ihren Aufenthaltsnachweis mit sich zu führen. In einem später gelöschten Post auf der Plattform X hatte die Behörde gedroht bereitzustehen, um Sicherheit zu gewährleisten.

Fans der Boca Juniors in Miami: Nach dem Spiel müssen die Argentinier schnell nach Hause. Foto: WITTERS

Auch manche Veranstalter sind in Sorge. „Es gibt sicherlich Dinge auf nationaler und internationaler Ebene, und es wird geopolitische Probleme geben, von denen wir jetzt noch nicht einmal wissen, dass sie das Turnier im nächsten Jahr beeinflussen werden“, sagte Meg Kane, WM-Koordinatorin für Philadelphia, bei einer Veranstaltung mehrerer Gastgeberstädte. „Wir planen also mit einer gewissen Ungewissheit.“

Das hängt auch mit den Partnerländern zusammen, die die Fußball-WM im kommenden Jahr gemeinsam mit den USA ausrichten werden. Insbesondere Trumps strikte Zollpolitik hatte das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu ihren Nachbarn Kanada und Mexiko jüngst stark belastet. So boykottierten Kanadier amerikanische Produkte und sagten Reisen ab.

Fans machen schon Stimmung gegen Trumps Politik

Die aufgeheizte Stimmung zeigt sich längst auch im Sport. Bei Eishockey-Duellen zwischen US-amerikanischen und kanadischen Teams buhten kanadische Fans lauthals, als die Nationalhymne der USA ertönte. Auf dem Feld kam es mehrfach zu Handgreiflichkeiten zwischen Spielern beider Nationen.

Das treibt die Sponsoren der WM im kommenden Jahr um. „Ich hoffe wie wahrscheinlich die meisten Menschen weltweit, dass die geopolitische Lage sich beruhigt und ein wenig stabiler und vorhersehbarer wird, als es derzeit der Fall ist“, sagte Arthur Blank, Mitbegründer von Home Depot, jüngst der „Financial Times“.

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Dessen US-Baumarktkette ist einer der Hauptunterstützer der WM. Branchenkennern zufolge lassen sich WM-Partner diese Sichtbarkeit oft zweistellige, Topsponsoren sogar dreistellige Millionenbeträge kosten. Im Gegenzug erwarten sie, dass ihre Marken in einem positiven und friedlichen Umfeld präsentiert werden. Blank schätzt aber, dass der US-Präsident eine „positive Kraft für die Weltmeisterschaft sein wird, wenn wir uns ihr nähern“.

Dafür wird Trumps Familie wohl auch selbst einen Fan entsenden. „Ich habe einen Sohn, der Fußball liebt“, sagte der US-Präsident über seinen jüngsten Sohn Barron. Er sei zwar eigentlich ein bisschen zu groß für den Sport, aber das sei schon in Ordnung.

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