Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Index-Erweiterung Die Dax-40-Kandidaten im Check

Für sieben Firmen ist der Aufstieg in den Dax 40 so gut wie sicher. Um die drei weiteren Plätze kämpfen sechs Unternehmen. Was Anleger über die Aktien wissen müssen.
16.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der deutsche Leitindex wird im September auf 40 Unternehmen erweitert. Das ist die größte Veränderung in der 33-jährigen Dax-Geschichte Quelle: Tim Wegner/laif
Tore für einen Dax-Geburtstag

Der deutsche Leitindex wird im September auf 40 Unternehmen erweitert. Das ist die größte Veränderung in der 33-jährigen Dax-Geschichte

(Foto: Tim Wegner/laif)

Frankfurt Am 3. September nach US-Börsenschluss ist es so weit. Dann gibt die Deutsche Börse die im vergangenen November beschlossene größte Veränderung in der 33-jährigen Geschichte des Dax bekannt: Deutschlands wichtigster Börsenindex wird von 30 auf 40 Unternehmen erweitert.

Außer der Anzahl der Dax-Werte ändert die Börse auch eine Reihe weiterer Kriterien für die Aufnahme in einen Index. Die bedeutendste Änderung ist, dass bei der Auswahl nur noch die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien der letzten 20 Handelstage entscheidend ist. Wer demnach unter den derzeit 231 für die Aufnahme in einen Auswahlindex qualifizierten Unternehmen die Plätze 1 bis 40 erreicht, kommt in den Dax. Der Rang im Börsenumsatz am deutschen Handelsplatz Xetra spielt keine Rolle mehr. Künftig reicht ein Mindestumsatz.

Luca Thorißen, Indexexperte bei der Stifel Europe Bank, hat sich für das Handelsblatt angesehen, welche Unternehmen nach aktuellem Stand neu in den Dax 40 einziehen würden. Alle Unternehmen kommen aus dem MDax der bislang 60 größten deutschen Unternehmen. Der MDax wird im September auf 50 Werte verkleinert.

Der größte Neueinsteiger in den Dax 40 wird Airbus. Nach der Marktkapitalisierung ist Airbus das fünftgrößte deutsche Unternehmen. Die Dax-Aufnahme scheiterte bislang daran, dass die Aktie des Konzerns, an dem die Regierungen in Deutschland, Frankreich und Spanien eine Beteiligung halten, vor allem in Paris gehandelt wird.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Aktien von Airbus bis Zalando

    Auf Rang 18 der Marktkapitalisierung steht laut Thorißen der Onlinemodehändler Zalando, es folgen der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers (26), der Duft- und Aromenhersteller Symrise(27), der Kochboxenversender Hellofresh (29), die Porsche Automobilholding (30) und der Chemikalienhändler Brenntag (33). „Für diese Unternehmen ist der Dax-Einzug so gut wie sicher“, sagt Thorißen.

    Danach wird es nach Ansicht des Indexexperten aber schon enger. Aktuell kämen auch der Labortechnikkonzern Sartorius (Rang 36), Puma (39) und Beiersdorf (40) in den Dax 40. Doch auch der Diagnostikkonzern Qiagen, LEG Immobilien und Hannover Rück auf den Rängen 41 bis 43 haben noch Chancen auf den Aufstieg. Thorißen spricht von einem „Sechskampf“.

    Anleger, die über börsengehandelte Indexfonds auf den Dax setzen, haben künftig zehn neue Werte im Depot. Die Aktien als Direktanleger jetzt gezielt zu kaufen, nur weil sie in den Dax einziehen oder einziehen könnten, ist aber nicht ratsam. Christian Kahler, Leiter der Aktienstrategie bei der DZ Bank, hält eine „Indexspekulation“ jedenfalls nicht für sinnvoll.

    Sein Hauptargument: Über die Aufsteiger wird schon spekuliert, seit die Börse im Oktober einen Dax 40 ernsthaft ins Gespräch brachte. Von daher dürften aktive Fonds, die den Dax abbilden, die Aktien schon länger im Depot haben. Die Aktien der meisten potenziellen Aufsteiger sind bereits stark gestiegen. Dennoch werden die neuen Dax-Mitglieder in den Fokus rücken und sind langfristig für Anleger einen genauen Blick wert. Das Handelsblatt stellt die Dax-Kandidaten und ihre Aussichten an der Börse – unabhängig vom Dax-Einzug – vor.

    Airbus-Aktie: Analysten wittern Kurspotenzial

    Nach dem heftigen Einbruch im vergangenen Jahr hat es der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus 2021 wieder in die schwarzen Zahlen geschafft und blickt sehr optimistisch in die Zukunft. 2023 will der Konzern sogar mehr Mittelstreckenjets produzieren als vor der Krise.

    Das Geschäft mit Mittel- und Langstreckenflugzeugen ist der Hauptumsatzträger von Airbus. Der Flugzeugbauer ist erfolgreicher als sein US-Konkurrent Boeing. Im ersten Quartal verdiente Airbus netto 362 Millionen Euro. Das entspricht einem Gewinn von 0,46 Euro je Aktie. Analysten rechnen laut Datenanbieter Refinitiv im Schnitt damit, dass der Gewinn im Gesamtjahr auf 2,32 Euro je Aktie steigen wird. Die Aktie wird auf Basis dessen mit dem gut 48-Fachen des erwarteten Gewinns bewertet. Damit ist sie recht teuer.

    Grafik

    Die meisten Analysten sehen aber Potenzial für die Aktie, die seit ihrem Mehrjahrestief im Frühjahr vergangenen Jahres schon um mehr als 125 Prozent gestiegen ist. Das durchschnittliche Kursziel sehen die Banken bei gut 124 Euro. Das entspräche einem Kurspotenzial von 13 Prozent. Doch auch damit läge die Aktie noch ein gutes Stück unter ihrem Allzeithoch von gut 139 Euro, das sie im Januar 2020 und damit vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie markiert hat.

    Zalando-Aktie: Teurer als Amazon

    Die Aktie des Onlinemodehändlers gehört zu den ganz großen Gewinnern der Corona-Pandemie. Umsatz und Gewinn steigerte der Konzern im vergangenen Jahr massiv. Der Erfolg zeigt sich auch am Aktienkurs. Die Aktie hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

    Grafik

    In diesem Jahr markierte das Papier zwar neue Rekordhochs, es ist bislang aber um weniger als neun Prozent gestiegen. Zwischenzeitlich ging es sogar mal 20 Prozent bergab, als Investoren sich an der Börse mehr auf die bisherigen Corona-Verlierer stürzten.
    Das Geschäft von Zalando dürfte aber auch weiter rundlaufen. Gewinn und Umsatz stiegen im ersten Quartal erneut.

    Analysten gehen davon aus, dass Zalando beides auch in den nächsten Quartalen noch steigern wird, obwohl die Kunden in den meisten Ländern inzwischen auch wieder real und nicht nur online shoppen können. Denn die Kunden haben sich an das bequeme Bestellen gewöhnt, und gerade die Zalando-Kunden gelten als treu.

    Hoffnung macht Analysten auch die jüngste Kooperation, die Zalando mit dem zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH gehörenden Kosmetikhändler Sephora geschlossen hat. Sephora wird in Deutschland ab dem vierten Quartal und ab 2022 in anderen europäischen Ländern über die Zalando-Plattformen viele Beautyprodukte anbieten.

    Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 96 für das laufende Jahr ist die Zalando-Aktie allerdings deutlich teurer als der ebenfalls ambitioniert bewertete Dividendentitel des Onlineriesen Amazon mit seinem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 66. Die meisten Analysten raten bei der Zalando-Aktie aber zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit gut 107 Euro acht Prozent über dem aktuellen Kurs.

    Siemens-Healthineers-Aktie: Mehr Kaufempfehlungen als im Januar

    Der im Frühjahr 2018 von Siemens abgespaltene und an die Börse gebrachte Medizintechnikkonzern profitiert von einem Sondergeschäft: der Nachfrage nach Corona-Schnelltests. Vor allem deshalb hob Konzernchef Bernd Montag im Mai seine Umsatz- und Gewinnprognosen erneut an. Je Aktie stellte Montag für das im September endende Geschäftsjahr 2020/2021 einen Gewinn zwischen 1,90 bis 2,05 Euro in Aussicht, zuvor waren es 1,63 bis 1,82 Euro.

    Grafik

    Die Nachfrage nach den Antigentests zum Nachweis von Coronaviren dürfte gegen Ende des Jahres zurückgehen. Analysten betonen aber, dass nicht nur die Diagnostiksparte, sondern auch das größte Geschäftsfeld Bildgebung mit Röntgengeräten und Computertomografie über den Erwartungen lag.

    Außerdem verstärkt sich Siemens Healthineers mit der Übernahme des US-Krebstherapiespezialisten Varian. Der Kaufpreis von 16 Milliarden Dollar ist der höchste in der Siemens-Geschichte. Analysten sehen hier Potenzial, weil Siemens Healthineers nun nicht nur die Diagnose, sondern auch die Therapie von Krebserkrankungen anbieten kann. NordLB-Analyst Holger Fechner meint deshalb: „Mit der Übernahme von Varian kann Siemens Healthineers in eine neue wirtschaftliche Dimension wachsen.“

    Die Aktie hat in dieser Woche ein Allzeithoch von 54,42 Euro markiert. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt gut einen Euro unter diesem Hoch. Inzwischen empfehlen aber mehr Analysten die Aktie zum Kauf als noch zu Jahresanfang. Weitere Kurszielanhebungen sind gut möglich.

    Symrise-Aktie: Lang erwarteter Dax-Aufstieg

    In der breiten Öffentlichkeit steht Symrise nicht im Fokus, obwohl Verbraucher im Schnitt 20 bis 30-mal täglich mit Produkten des Unternehmens in Berührung kommen. Das zumindest schätzt der Produzent von mehr als 30.000 Duft- und Geschmacksstoffen, kosmetischen Inhaltsstoffen und Aromachemikalien, die in Parfüms, Kosmetik, Lebensmitteln, Getränken, der Pharmaindustrie und Heimtiernahrung zum Einsatz kommen.

    Grafik

    Das Geschäft gilt als relativ konjunkturunabhängig und krisenfest. Das lässt sich auch an den Geschäftszahlen des Unternehmens aus Holzminden ablesen. Seit Jahren steigert Symrise den Gewinn kontinuierlich – 2020 war da keine Ausnahme. Bis 2025 will Symrise-Chef Hans-Jürgen Bertram den Umsatz um jährlich fünf bis sieben Prozent steigern. Als operative Marge peilt Bertram jährlich zwischen 20 und 23 Prozent an.

    Symrise wurde schon zu Dax-30-Zeiten immer wieder mal als Aufstiegskandidat gehandelt. In den vergangenen fünf Jahren ist der Aktienkurs bereits um 90 Prozent gestiegen. In diesem Jahr hat die Aktie – unter starken Schwankungen – rund zwölf Prozent zugelegt. Am Donnerstag stieg sie in der Spitze auf das neue Rekordhoch von über 122 Euro.

    Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis über 44 für den geschätzten Nettogewinn im laufenden Jahr ist die Aktie recht teuer. Zum Kauf der Aktie raten vergleichsweise wenig Analysten. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 112 Euro acht Prozent unter dem aktuellen Kurs.

    Hellofresh-Aktie: Größter Gewinner seit Anfang 2020

    Endlich richtig profitabel ist Hellofresh. Operativ – also vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen – schreibt der 2011 gegründete und im November 2017 an die Börse gegangene Kochboxenversender immerhin seit zwei Jahren schwarze Zahlen. Das ermöglicht nach den neuen Regeln den Aufstieg in den Dax.

    Grafik

    Netto verdient Hellofresh aber erst seit dem vergangenen Jahr Geld – Corona sei Dank. Auch im ersten Quartal profitierte Hellofresh noch vom erneuten Lockdown in vielen Ländern, der Verbraucher dazu animierte, sich Zutaten für Mahlzeiten zu Hause inklusive Rezept passgenau liefern zu lassen.

    Der Trend dahin wird nach Ansicht von Aktienexperten zwar nicht gebrochen. Thomas Maul, Analyst bei der DZ Bank, sagt: „Die erhöhte Akzeptanz von Onlineangeboten im Lebensmittelbereich wird nicht auf das Vorkrisenniveau zurückfallen.“ Trotzdem dürfte die Öffnung von Restaurants Hellofreshs Wachstum etwas bremsen. Von daher rechnen die meisten Analysten für das laufende Jahr mit einem leicht sinkenden Nettogewinn.

    Mittelfristig sehen sie aber gute Wachstumschancen für das Berliner Unternehmen, das weltweit führend in der Versendung von Kochboxen ist. Ein Risiko: Das Geschäftsmodell ist nicht sonderlich komplex, von daher sind die Eintrittsbarrieren in den Markt gering.

    Die Hellofresh-Aktie ist seit Januar 2020 um mehr als 340 Prozent geklettert – deutlich stärker als die Papiere aller anderen Dax-Anwärter. Die meisten Banken raten aber noch zum Kauf der von Rekord zu Rekord eilenden Aktie. Das durchschnittliche Kursziel von 84,67 Euro liegt leicht über dem aktuellen Niveau, aber unter dem Allzeithoch vom Juli von gut 89 Euro.

    Porsche-SE-Aktie: Größtes Kurspotenzial laut Analysten

    Die Porsche Automobilholding SE ist die Dachgesellschaft, über die die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit an Volkswagen halten. Dazu kommen weitere Beteiligungen der Familie. Der Gewinn der Holding stammt zum größten Teil aus dem Geschäft von VW.

    Grafik

    Frank Biller, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, hält die Porsche-Aktie im Vergleich zum Wert des Beteiligungsportfolios für günstig. Das sehen viele Analysten so. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten, von denen keiner zum Verkauf rät, liegt mit 111,82 Euro mehr als 20 Prozent über dem aktuellen Kurs. Damit sehen die Banken bei der Porsche-Aktie das größte Kurspotenzial unter allen Dax-Kandidaten.

    Die Porsche-Aktie hat –- im Einklang mit der Branche – während des Corona-Crashs an der Börse im vergangenen Jahr besonders deutlich verloren, seither aber wieder kräftig aufgeholt. In diesem Jahr legte sie bislang mehr als 63 Prozent zu und ließ damit alle anderen Dax-Kandidaten hinter sich.

    Das Geschäft von Volkswagen erholt sich vom Einbruch, und damit steigen die Gewinnaussichten für die Porsche SE. Für das laufende Jahr erwartet die Porsche Holding ein Nettoergebnis von 2,6 Milliarden bis 4,1 Milliarden Euro. Die Prognosen der Analysten liegen etwa in der Mitte dieser breiten Spanne. Gemessen an den von Analysten erwarteten Gewinnen ist die Aktie wie die meisten Titel aus dem Automobilsektor günstig. Sie wird nur mit dem gut Siebenfachen des für das laufende Jahr erwarteten Gewinns bewertet.

    Interessant ist die Aktie auch für Dividendenjäger. Die Porsche- und Piëch-Familienmitglieder wollen hohe Ausschüttungen, deshalb zahlt Porsche regelmäßig ordentliche Dividenden. In den vergangenen drei Jahren wurden jeweils 2,21 Euro pro Aktie ausgeschüttet. Das entspricht aktuell einer Dividendenrendite von 2,4 Prozent.

    Brenntag-Aktie: Neue Rekordjagd

    Als Chemikalienhändler ist Brenntag weniger bekannt als die großen Chemiekonzerne – aus der Branche aber kaum wegzudenken. Der weltgrößte Chemiedistributeur kauft in großen Mengen Chemikalien, verpackt und mischt sie neu und liefert sie an die verarbeitende Industrie.

    Grafik

    Die Chemieindustrie ist zwar zyklisch, aber das Geschäft von Brenntag ist vergleichsweise stabil, da der Essener Konzern weltweit Unternehmen in fast allen Branchen beliefert. Für das laufende Jahr hat Brenntag die Prognose für den bereinigten operativen Gewinn bereits um sieben Prozent erhöht. Der im Januar 2020 angetretene neue Chef Christian Kohlpaintner trimmt das Unternehmen auf mehr Gewinn.

    Außerdem spielt das aktuelle Umfeld dem Chemikalienhändler in die Hände. Thomas Maul, Analyst bei der DZ Bank, erklärt den Grund dafür: „Im Umfeld angespannter Lieferketten sind Kunden bereit, Brenntag für eine hohe Produktverfügbarkeit und Flexibilität besonders gut zu bezahlen.“ So hat das Unternehmen zuletzt schon vergleichsweise hohe Roherträge pro gelieferter Mengeneinheit erzielt.

    Auch die Übernahme von Storm Chaser, einem US-Händler für Lebensmittelinhaltsstoffe, hat der Aktie Schub gegeben. Dabei markiert das Papier ein Allzeithoch nach dem anderem, seit es im vergangenen November erstmals seit Frühjahr 2015 über die Marke von 59 Euro stieg.

    Inzwischen kostet die Aktie mehr als 82 Euro. Die knappe Mehrheit der Analysten rät noch zum Kauf der Aktie. Ihr Kursziel liegt auf dem Niveau des aktuellen Kurses – die Analysten zogen bislang ihre Kursziele aber immer nach oben nach.

    Sartorius-Aktie: Teuer, aber Analysten raten zum Kauf

    Biotechnologie gilt als eines der größten Wachstumsfelder im Gesundheitsbereich, und hier spielt der Göttinger Konzern als Zulieferer mit. Sartorius beliefert Pharmaunternehmen mit Geräten und Materialien zur Herstellung von biopharmazeutischen Medikamenten. Der Boom des Geschäfts zeigt sich in den Zahlen des Unternehmens und der Aktie gleichermaßen. Selbst im vom Corona geprägten Jahr 2020 hat Sartorius den Gewinn kräftig gesteigert.

    Grafik

    Für das laufende Jahr hat Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg die Prognosen für Umsatz und die operative Gewinnmarge schon zweimal erhöht. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Konzernnettogewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 112 Prozent auf 122 Millionen Euro.

    Auch Sartorius profitiert von der Nachfrage nach Technologien zur Entwicklung und der Produktion von Impfstoffen gegen Covid-19 und von den Corona-Tests. Nach dem Überwinden der Pandemie dürfte das Unternehmen von Auffrischungsimpfungen profitieren.
    Aber auch das Basisgeschäft läuft gut. Volker Stoll, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, schätzt das organische Wachstum für Sartorius „ohne Corona-Effekte“ für das laufende Jahr auf 13,5 Prozent.

    Die Sartorius-Aktie ist seit Januar 2020 unter dem Strich um rund 155 Prozent gestiegen und damit nach Hellofresh in diesem Zeitraum der an der Börse zweiterfolgreichste Aufstiegskandidat. Entsprechend teuer ist die Aktie. Sie wird mit dem mehr als 62-Fachen des für das laufende Jahr erwarteten Gewinns bewertet.

    Analysten sehen dennoch Potenzial. Es gibt fast nur Kaufempfehlungen für die Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit gut 534 Euro noch rund zehn Prozent über dem aktuellen Kurs.

    Puma-Aktie: Profiteur des neuen Lockdown

    Die neuen Lockdowns im ersten Quartal mit der Schließung von Geschäften und Problemen in der Lieferkette konnten Puma nicht viel anhaben. Im Gegenteil: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres stieg der Umsatz währungsbereinigt um mehr als ein Viertel auf gut 1,5 Milliarden Euro.

    Grafik

    Puma-Chef Björn Gulden erklärt sich die hohe Nachfrage damit, dass viele Menschen im Lockdown das Joggen wieder für sich entdeckt haben und außerdem bequeme Kleidung für das Homeoffice angesagt ist. Gulden ist auch für das Gesamtjahr optimistisch: Er rechnet mit einem Umsatzwachstum im „mittleren Zehn-Prozent-Bereich“ und einer deutlich besseren Rentabilität.

    Schon im schwierigen Jahr 2020, als viele Läden geschlossen waren, kam Puma besser durch die Krise als mancher große Konkurrent. An der Börse ist der Einbruch längst vergessen – schon im vergangenen Oktober überwand die Aktie ihr Rekordhoch vom Februar 2020 von damals gut 80 Euro. Seither geht es weiter steil bergauf.

    Das jüngste Allzeithoch vom Juli liegt bei fast 104,85 Euro, seither fiel die Aktie etwas zurück. Analysten sehen im Schnitt ein Potenzial von derzeit um die drei Prozent, die Mehrheit der Beobachter rät zum Kauf.

    Positiv sehen Analysten unter anderem, dass der Luxusgüterkonzern Kering nach und nach seine Beteiligung an Puma verkauft hat. Puma konzentriert sich nun wieder auf sein Kerngeschäft Sport. Das kommt gerade in diesem Jahr gut an. Puma stellte unter anderem die Trikots des neuen Fußballeuropameisters Italien und rüstet rund 200 Athleten bei den Olympischen Spielen in Tokio aus.

    Beiersdorf-Aktie: Mögliches Dax-Comeback

    Nivea, Eucerin, Tesa – Beiersdorf punktet mit starken Marken. Aber: Trotz der eigentlich krisenfesten Produkte enttäuschte der Konzern die Investoren mit schlechten Ergebnissen nicht nur für das Jahr 2020, sondern auch schon für das Jahr davor. Im März dieses Jahres kostete die schlechte Aktienperformance Beiersdorf sogar nach 14 Jahren die Mitgliedschaft im Dax.

    Grafik

    Im ersten Quartal zogen die Umsätze aber wieder deutlich an. „Wir sehen den Turnaround bei den Ergebnissen im ersten Quartal“, sagte Stefan de Loecker bei seiner letzten Präsentation von Beiersdorf-Zahlen. Der Manager, der Beiersdorf stärker auf Digitalisierung und auf Naturkosmetik trimmen wollte, wurde überraschend abgelöst. Sein Nachfolger ist Vincent Warnery, der den Fokus ebenfalls auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Wachstumsmärkte legen will.

    Die bessere Geschäftsentwicklung hat auch der Aktie einen Schub gegeben. Seit ihrem Dreijahrestief vom Februar dieses Jahres hat die Beiersdorf-Aktie fast ein Viertel zugelegt. Von ihrem Allzeithoch von über 117 Euro vom September 2019 trennen die Aktie mit einem Kurs von zuletzt rund 102 Euro noch rund zwölf Prozent.

    Dass der Titel wieder so weit oder noch darüber steigt, glauben die wenigsten Analysten. Zu ihnen gehört Ian Simpson von der britischen Barclays Bank. Er geht davon aus, dass Beiersdorf mit der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal positiv überraschen wird. Nach Ansicht der meisten Analysten gibt es aber nach der starken Entwicklung der Aktie „keinen Kurstrigger“, wie Thomas Hofmann, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, es ausdrückt.

    Qiagen-Aktie: Jüngste Zahlen enttäuschen

    Als einziges Unternehmen unter den Dax-Anwärtern hat das Diagnostikunternehmen Qiagen schon grobe Eckdaten zum zweiten Quartal vorgelegt – und die Erwartungen der Investoren enttäuscht. Grund ist die nachlassende Corona-Sonderkonjunktur, die Qiagen 2020 und auch noch im ersten Quartal einen Boom beschert hatte.

    Grafik

    Das Unternehmen bietet Tests zum Nachweis des Corona-Virus an, und die sind mit fortschreitenden Impfungen weniger gefragt. Das Geschäft mit Corona-Tests schrumpfte zuletzt um 17 Prozent. Dafür stiegen die Umsätze in anderen Bereichen um insgesamt mehr als 50 Prozent. Qiagen ist führend im Bereich von molekularbiologischen Testverfahren. Damit werden krankheitsbedingte genetische Veränderungen im Erbgut des Menschen nachgewiesen.

    Die geringere Nachfrage nach Corona-Tests wird aber auch die Bilanz im Gesamtjahr belasten. Qiagen senkte sein Umsatzziel für 2021 auf ein Wachstum von zwölf statt wie zuvor erwartet 18 bis 20 Prozent. Der Gewinn pro Aktie soll immerhin weiter mindestens 2,42 Dollar erreichen. Bisher lag die prognostizierte Gewinnspanne bei 2,42 bis 2,46 Dollar.

    Die Qiagen-Aktie ist in diesem Jahr mit einem Minus von sieben Prozent die einzige unter den Dax-Kandidaten, die an der Börse an Wert verloren hat. Analysten sehen jetzt aber Potenzial. Die meisten Beobachter raten zwar nur zum Halten des Titels, aber das durchschnittliche Kursziel liegt rund 17 Prozent über dem aktuellen Kurs.

    LEG Immobilien-Aktie: Weniger Risiken durch Regulierung

    Die Düsseldorfer LEG ist mit rund 150.000 Wohnungen die drittgrößte deutsche Wohnungsbaugesellschaft. Medial steht sie im Schatten von Vonovia und Deutscher Wohnen, die mit ihrer geplanten Fusion die Schlagzeilen beherrschen. Mit einem möglichen Dax-Einzug von LEG Immobilien könnte sich das ändern.

    Grafik

    Operativ läuft es wie schon 2020 gut für LEG. Steigende Mieten und gesunkener Leerstand ließen im ersten Quartal des laufenden Jahres den operativen Gewinn (FFO I) um 10,7 Prozent auf gut 104 Millionen Euro steigen. Diese Kennzahl ist für Immobilienkonzerne entscheidender als der Nettogewinn. Für das Gesamtjahr bestätigte Finanzchefin Susanne Schröter-Crossan die im November angehobene Prognose von 410 Millionen bis 420 Millionen Euro.

    Als ein Risiko für Wohnimmobilienkonzerne gilt die Regulierung. Das Bundesverfassungsgericht hat aber Mitte April den Berliner Mietendeckel gekippt. Das gab Immobilienaktien einen Schub. Mit einem möglichen Regierungswechsel unter Beteiligung der Grünen im September könnte das Thema Regulierung zwar wieder stärker in den Fokus rücken. Hagen Ernst, leitender Portfoliomanager bei DJE Kapital, meint aber: „LEG Immobilien dürfte als kleinerer Bestandhalter mit klarem Fokus auf Nordrhein-Westfalen nicht so hart betroffen sein, denn die Regierung in NRW ist eher vermieterfreundlich gestimmt.“

    Die LEG-Aktie schwankte in diesem Jahr deutlich, hat aber zuletzt mit über 133 Euro ein neues Allzeithoch markiert. Die meisten Analysten empfehlen, die Aktie zu kaufen, das durchschnittliche Kursziel liegt mit gut 140 Euro rund sechs Prozent über dem aktuellen Kurs. Für die Aktie spricht zudem die ordentliche Dividendenrendite von 2,9 Prozent.

    Hannover-Rück-Aktie: Dividenden locken

    Hannover Rück ist der drittgrößte Rückversicherer und im vergangenen Jahr mit einem Netto-Gewinnrückgang von einem Drittel besser durch die Coronakrise gekommen als Munich Re und Swiss Re. Im ersten Quartal verdiente die zum Versicherer Talanx gehörende Hannover Rück netto 306 Millionen Euro. Für das laufende Jahr bestätigte Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz seine Gewinnprognose von 1,15 Milliarden bis 1,25 Milliarden Euro.

    Grafik

    Bei Rückversicherern sichern sich andere Versicherer gegen Großschäden ab. Bei der Hannover Rück spielt die Absicherung von Krediten und Bürgschaften eine große Rolle. Dieser Bereich ist bislang nicht so von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie betroffen wie die Absicherung von Betriebsausfällen oder Absagen von Großveranstaltungen, die bei den anderen Rückversicherern wichtiger sind.

    Trotzdem notiert die Aktie von Hannover Rück mit rund 145 Euro noch 23 Prozent unter ihrem Allzeithoch von mehr als 190 Euro, das sie im Februar 2020 markiert hatte. Analysten gehen im Schnitt davon aus, dass die Aktie in den nächsten zwölf Monaten auf 165,81 Euro steigen wird. Damit sehen sie ein Kurspotenzial von 14 Prozent.

    Für die Aktie sprechen zudem die stetig steigenden Dividendenzahlungen. Für 2020 hat Hannover Rück je Aktie 4,50 Euro ausgeschüttet. Das entspricht einer Dividendenrendite von derzeit 3,1 Prozent. Hinzu kommt: Finanzvorstand Clemens Jungsthöfel hat Anlegern für das laufende Jahr zuletzt überraschend erneut eine Sonderdividende angekündigt. Zuletzt betrugen Sonderdividenden bei der Hannover Rück 1,50 Euro.

    Mehr: Dax-Konzerne rechnen 2021 mit Rekordgewinnen – doch diese drei Risiken bedrohen den Boom

    Startseite
    Mehr zu: Index-Erweiterung - Die Dax-40-Kandidaten im Check
    0 Kommentare zu "Index-Erweiterung : Die Dax-40-Kandidaten im Check"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%