Orsted: Aktie sinkt, Schock für Energiesektor
Offshore-Windpark von Orsted vor der Küste von Blackpool in Großbritannien.
Foto: ReutersKopenhagen. Aktien des dänischen Energie-Anbieters Orsted sind am Mittwoch eingebrochen und belasten Titel aus der gesamten Branche. Grund für den Kursabsturz waren mögliche Wertberichtigungen des Offshore-Windkraftweltmarktführers von bis zu 16 Milliarden dänischen Kronen (2,1 Milliarden Euro).
Zuletzt notierte die Orsted-Aktie um fast ein Fünftel im Minus bei 450 Kronen (rund 60,40 Euro) – und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang 2019. Sie beschleunigte damit ihre Anfang 2021 eingeleitete Abwärtsbewegung, die bislang zu 68 Prozent Verlust gegenüber dem Rekordhoch geführt hat.
Die Wertberichtigung von Orsted zog den gesamten Sektor nach unten. Die Aktie des heimischen Konkurrenten Vestas verlor mehr als vier Prozent, in Deutschland gaben die Titel von Nordex und Siemens Energy jeweils mehr als zwei Prozent nach, die Papiere des portugiesischen Windspezialisten EDP Renováveis verloren sogar rund sieben Prozent an Wert.
Auch bei Aktien europäischer Versorgersektor hinterließ die Nachricht Spuren: RWE in Deutschland verlor fast vier Prozent an Wert, Iberdrola in Spanien knapp drei Prozent. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Utilities war mit einem Abschlag von mehr als zwei Prozent das Schlusslicht unter den Sektoren.
Orsted-Aktie sinkt, Unternehmen hält an Prognose fest
Orsted begründete die möglichen Wertberichtigungen in den USA unter anderem mit Lieferkettenproblemen und gestiegen Zinsen. Bei den Projekten Ocean Wind 1, Sunrise Wind und Revolution Wind könnten zudem erhoffte Steuergutschriften wegfallen. Falls diese Faktoren unverändert so blieben, würden zum Ende des dritten Quartals entsprechende Wertanpassungen von insgesamt bis zu 16 Milliarden dänischen Kronen vorgenommen werden.
Auf die mittelfristigen Aussichten haben die Wertberichtigungen laut Unternehmen aber keinen Einfluss. Orsted hält an der Prognose für die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) von rund 14 Prozent im Zeitraum von 2023 bis 2030 fest.
Analysten reagierten unterdessen skeptisch. So stufte BNP Paribas Exane Orsted auf „Neutral“ ab. Die nun angekündigten Wertberichtigungen stellten die im Januar angekündigten 2,5 Milliarden in den Schatten und dürften am Investorenvertrauen nagen. Vom Analysehaus Jefferies hieß es, nur drei Monate nach dem Investorentag sei diese Ankündigung enttäuschend.
Die Analysten von Bernstein kommentierten in einer Mitteilung an ihre Kunden: „Die heutige Ankündigung weist auf Risiken im US-Portfolio hin und trägt nicht dazu bei, die schlechte Stimmung der Anleger gegenüber der Aktie zu verbessern.“
Erstpublikation: 30.08.2023, 11:08 Uhr.