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BundeswertpapiereSo viel Geld braucht der Bund 2024 von Investoren

Deutschland wird sich im nächsten Jahr mehrere Hundert Milliarden Milliarden Euro am Anleihe- und Geldmarkt leihen. Die Nachfrage der Anleger dürfte hoch bleiben, auch wenn es eine Gruppe von Anleihen nicht mehr geben wird.Andrea Cünnen 19.12.2023 - 16:56 Uhr

Frankfurt. Die Ampelkoalition hat vier Wochen in nächtelangen Sitzungen um einen Ausweg aus der Haushaltskrise gerungen. Entspannt aber ist derjenige, der dafür verantwortlich ist, das Geld für Deutschlands Schulden an den Märkten einzusammeln: „Wir konnten uns in Ruhe Gedanken machen“, sagt Tammo Diemer, Chef der deutschen Finanzagentur.

Das liegt vor allem daran, dass von vornherein feststand, dass im kommenden Jahr Anleihen und Geldmarktpapiere im Umfang von 343 Milliarden Euro fällig werden, die refinanziert werden müssen. Auch das grobe Haushaltsdefizit und die Ausgaben für die Sondervermögen des Bundes seien in etwa absehbar gewesen.

Jetzt hat die Finanzagentur ihre konkreten Emissionspläne vorgestellt: Im kommenden Jahr wird sich der Bund rund 440 Milliarden Euro von den Investorinnen und Investoren an den Geld- und Anleihemärkten leihen.

Das ist weniger als die Rekordsumme von einer halben Billion Euro, die Deutschland in diesem Jahr an den Märkten einsammelte, aber immer noch mehr als doppelt so viel wie in den Jahren vor der Corona- und Energiekrise.

Finanzagentur sieht „hohe Planungssicherheit“

Obwohl der Bundeshaushalt noch nicht verabschiedet ist, bestehe bei den avisierten Volumina eine „hohe Planungssicherheit“, wie Diemer bei der Vorstellung der Emissionspläne erläuterte. Zusätzlich benötigtes Geld könne der Bund flexibel aufnehmen, etwa durch den Verkauf von Anleihen im Eigenbestand oder am Repo-Markt durch Wertpapierleihegeschäfte.

Von den Einnahmen aus den Anleihe- und Geldmarktemissionen ist nur ein geringer Teil dafür vorgesehen, das erwartete zusätzliche Defizit im Etat von Finanzminister Christian Lindner zu schließen. Im regulären Haushalt muss die Regierung vor allem durch Einsparungen eine Lücke von 17 Milliarden Euro schließen, nachdem das Bundesverfassungsgericht Mitte November die Umwidmung der nicht genutzten Coronaschulden in Klimaschulden für nichtig erklärt hatte.

Von den 440 Milliarden Euro der geplanten Schuldenaufnahme des Bundes an den Märkten entfällt mit 275 Milliarden Euro der Großteil auf Anleihen, also auf Zinspapiere mit einer Laufzeit von zwei bis 30 Jahren. Darin enthalten sind auch grüne Anleihen im Umfang von 17 bis 19 Milliarden Euro, mit denen umwelt- und klimafreundliche Ausgaben refinanziert werden.

Eine grüne Anleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren und andere 30-jährige Anleihen werden im Syndikatsverfahren über Konsortialbanken direkt an Investoren verkauft. Insgesamt sind für syndizierte Anleihen bis zu zwölf Milliarden Euro vorgesehen.

Die übrigen Anleihen und die Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr werden im Auktionsverfahren emittiert. Dabei nehmen Banken die Wertpapiere zunächst auf ihre eigenen Bücher und verkaufen sie dann an andere Investoren weiter. Bei Anleihen mit sehr langer Laufzeit birgt das laut Diemer Risiken für die Banken, die bei den Auktionen des Bundes mitbieten dürfen. Deshalb wird für neue 30-jährige Anleihen das Syndikatsverfahren gewählt.

Nachfrage dank höherer Zinsen

Über die Nachfrage nach seinen Wertpapieren muss sich der Bund laut Diemer keine Sorgen machen, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihekaufprogramme schon im Sommer vergangenen Jahres eingestellt hat und damit als große Nachfragerin für Euro-Staatsanleihen weggefallen ist. Seither ersetzt die EZB nur noch auslaufende Anleihen aus ihrem während der Coronapandemie aufgelegten Anleihekaufprogramm PEPP, wird aber auch das bis Ende 2024 stoppen.

Im Handel beobachtet die Finanzagentur aber angesichts der gestiegenen Zinsen eine große Nachfrage von anderen Investoren. Demnach sind Investmentfonds und Hedgefonds an allen Laufzeiten interessiert, Pensionskassen und Versicherer greifen bei langen Laufzeiten zu, Banken kaufen vor allem Bundeswertpapiere mit kurzen Laufzeiten.

Die gestiegenen Zinsen sorgen zwar für Interesse der Investoren, kosten den Bund aber auch mehr Geld. Im Schnitt lag die Rendite der in Auktionen begebenen Bundeswertpapiere mit Laufzeiten von drei Monaten bis 30 Jahren im zu Ende gehenden Jahr bei 2,89 Prozent. Das ist noch einmal sehr viel mehr als 2022.

2,89
Prozent
betrug in diesem Jahr die durchschnittliche Rendite aller auf den Markt gebrachten Bundeswertpapiere. 2022 wurden Anleihen und Geldmarktpapiere im Schnitt mit einer Rendite von 0,62 Prozent platziert.

Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Rendite bei 0,62 Prozent. Im Jahr davor verdiente der Bund mit der Ausgabe von Anleihen sogar. Neue Anleihen und Geldmarktpapiere wurden 2021 noch mit einer Rendite von im Schnitt minus 0,59 Prozent platziert.

Besonders viel Geld musste der Bund angesichts der gestiegenen Inflationsrate für Anleihen bezahlen, deren Zins- und Tilgungsrate an die Inflationsrate gekoppelt ist. Diese Anleihen wird es künftig nicht mehr geben, wie die Finanzagentur schon im November angekündigt hatte.

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Unter den Investoren, die solche inflationsindexierten Anleihen im Portfolio haben, gebe es Stimmen, die die Einstellung der deutschen Inflationsanleihen „bedauern“, wie Diemer sagt. Für den Bund hätten die Risiken der inflationsindexierten Anleihen jedoch die Vorteile überwogen.

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