Dax-Sentiment: Privatanleger glauben an Fortsetzung des Aktienaufschwungs
Generell blieben die Anleger vor der Wahl in Frankreich zurückhaltend. Doch in den kommenden Wochen sind zwei ganz unterschiedliche Entwicklungen an den Märkten denkbar. Das belegen die Ergebnisse der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.
Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitag mehr als 8000 Privatanleger nach ihrer Markteinschätzung. Die Ergebnisse wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren. Hauptresultat ist die Anlegerstimmung, das sogenannte Sentiment. „Beim Sentiment kommen wir jetzt auf minus 0,8 Prozent, ein leicht negatives Niveau, minimal tiefer als in der Vorwoche; wir interpretieren das nach wie vor als neutrale Einstellung“, errechnet Heibel.
Bei der Sentimentanalyse stehen vier Fragen im Vordergrund, darunter die zur Bestimmung der aktuellen Zyklusphase. Hier glauben 66 Prozent der Anleger an eine sogenannte Seitwärtsbewegung. Demnach glauben die meisten Investoren derzeit weder an eine größere Bewegung nach unten noch an eine nach oben. Die Quote derjenigen, die mit einer Seitwärtsbewegung rechnen, ist deutlich höher als in der Vorwoche. Die Abwartehaltung hat sich also noch verstärkt. Auch das lässt sich als eine neutrale Bewertung der Lage interpretieren.
Über die aktuelle Einschätzung der Anleger hinaus spielt auch die Selbstzufriedenheit eine Rolle bei der Beurteilung der Stimmung. Mit 58 Prozent der Antwortenden gibt die Mehrheit an, ihre Erwartungen in der abgelaufenen Woche hätten sich zum größten Teil erfüllt. Im Gegensatz dazu sagt weniger als ein Drittel, ihre Erwartungen hätten sich gar nicht oder kaum erfüllt. Auch diese Ergebnisse bestätigen die insgesamt neutrale Haltung der Umfrageteilnehmer.
„Bei den Zukunftserwartungen dominieren weiterhin die Optimisten“, stellt Heibel fest. So deutet er die Antworten auf die Frage, in welcher Zyklusphase sich der Markt in drei Monaten befindet. Mit 34 Prozent glauben viele Umfrageteilnehmer an einen Aufwärtsimpuls. „Anleger spekulieren auf steigende Kurs und positionieren sich entsprechend“, erläutert der AnimusX-Analyst. Das sei gedeckt durch das geringe Put-Call-Verhältnis auf den Dax an der Terminbörse. Es sei so tief wie seit einem Jahr nicht. Anleger spekulierten also offensichtlich stark auf eine baldige Fortsetzung der Rally der vergangenen Monate.
Kurzfristig wollen die Anleger nicht handeln. Die meisten planen in den kommenden beiden Wochen weder Käufe noch Verkäufe, mehr als zwei Drittel sind unschlüssig. Heibel deutet es so: „Viele haben die Rally seit Jahresbeginn verpasst, aber vor zwei Wochen nach dem Aktien-Rücksetzer als direkte Reaktion auf die Europawahl gekauft, und warten jetzt wieder ab.“
Laut dem AnimusX-Chef gibt es zu den denkbaren Börsenperspektiven zwei Argumentationsansätze. Die Sentimentanalyse offenbart eine stark positive Stimmung und damit eine „gefährliche Ausgangslage“. Wenn alle etwas erwartet würden und sich bereits positioniert hätten, dann würde das Eintreten der Erwartung zu keinem neuen Kursschub führen. „Wer soll denn noch kaufen, wenn alle schon gekauft haben?“, so die rhetorische Frage von Heibel.
Die vorliegende Analyse ist allerdings auf die Antworten deutscher Privatanleger beschränkt. Einen großen Teil des Umsatzes mit deutschen Aktien machen ausländische Adressen. Viele internationale Investoren, gerade aus den USA und Großbritannien, zogen vor der EU-Parlamentswahl Kapital aus Europa ab, insbesondere aus Frankreich. Diese Phase der politischen Unsicherheit hält an. Daher glaubt Experte Heibel: „In den kommenden Tagen könnte es zu einer Hängepartie kommen, in der sich keine wirkliche Richtung am Aktienmarkt durchsetzt.“
Am kommenden Wochenende dürften die Weichen an den Märkten mit dem zweiten Wahlgang in Frankreich neu gestellt werden. „Kommt man zu dem Schluss, dass alles nicht so schlimm wird wie zunächst befürchtet, dann kommen die internationalen Investoren zurück nach Europa“, blickt der Experte nach vorne. Das würde die Aktienmärkte wieder nachhaltig nach oben treiben: „Und die Anleger, die hierzulande auf eine Fortsetzung der Rally spekulieren, könnten recht bekommen.“
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