Devisenmarkt: Investoren flüchten in den japanischen Yen – Rubel unter Druck
Am Devisenmarkt kommt es zu starken Schwankungen.
Foto: ReutersFrankfurt. Die Talfahrt an den Märkten schlägt sich auch am Devisenmarkt nieder. Besonders betroffen sind Währungen von Ölexportländern. So wertete der russische Rubel bis zum Nachmittag um über vier Prozent gegenüber dem Euro ab. Hintergrund ist der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Ölfördermenge, der zu einem dramatischen Verfall des Ölpreises geführt hat.
Gewinner ist dagegen vor allem der japanische Yen, der bis Mittag um etwa ein Prozent gegenüber dem Euro zulegte. „Der Yen wird vor allem als sicherer Hafen nachgefragt,“ schreibt Bayern LB Devisenexperte Manuel Andersch in einem aktuellen Kommentar. Dagegen steht der US-Dollar, der traditional auch als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt, seit Tagen unter Druck.
Vor allem seit der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in der vergangenen Woche hat er gegenüber dem Euro deutlich an Wert verloren. Investoren spekulieren, dass die Fed im Falle eines stärkeren wirtschaftlichen Abschwungs wesentlich mehr Spielraum als andere Notenbanken hätte, um die Zinsen weiter zu senken – was den Dollar-Kurs tendenziell schwächen würde.
Manche Analysten fürchten, dass jetzt auch fundamentale Schwächen des Dollars ein Thema werden. Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann verweist in einer Analyse auf die hohe Auslandsverschuldung der USA. Ein Mittel, um dies zu korrigieren, sei eine Abwertung des Dollars.
Rubel beschleunigt seine Talfahrt, Norwegens Krone stabilisiert sich
Bei den Währungen ölexportierender Länder gab vor allem der russische Rubel nach. Er verlor bis zum Mittag über vier Prozent gegenüber dem Euro. Ein Dollar kostete zeitweise 75 Rubel, der Euro mehr als 85 Rubel. Die Ratingagentur Fitch warnt vor einem Haushaltsdefizit Russlands und einer Rubelentwertung. „Moskau hat wohl kaum damit gerechnet, dass der Ölpreis auf fast 30 Dollar fällt,“ sagte Fitch-Analyst Dmitri Marintschenko. Dies sei eine böse Überraschung.
Der Rubel hat seine vor Tagen eingeschlagene Abwärtsbewegung drastisch beschleunigt. Die Zentralbank reagierte derweil auf den Kursrutsch. Sie kündigte am Montag an, für die nächsten 30 Tage keine Fremdwährungen zu kaufen. Erst Anfang März hatte das Finanzministerium den Ankauf von etwa 100 Millionen Dollar pro Tag festgelegt.
Mit der Maßnahme will die russische Notenbank den Druck auf den Rubel-Kurs dämpfen. Analysten bezweifeln aber, ob dies ausreicht. Angesichts der hohen Instabilität der Märkte sei die Maßnahme allein „womöglich nicht ausreichend, um den weiteren Verfall des Rubels zu stoppen“, sagte Anton Pokatowitsch, Chefanalyst der Investmentbank BKS. Die Zentralbank behält sich weitere Schritte zur Stabilisierung des Außenwert des Rubel vor. 2014, als der Rubel schon einmal auf Talfahrt ging und ein Euro kurzzeitig sogar 100 Rubel kostete, stoppte die Zentralbank den Abfluss mit einer brachialen Erhöhung des Leitzinses auf 17 Prozent. Zuletzt hatte die Zentralbank allerdings wegen der schwachen Konjunktur die Zinsen immer weiter abgesenkt. Eine drastische Erhöhung würde das Wirtschaftswachstum in Russland wohl ganz stoppen.
Unter den Währungen der ölexportierenden Länder hielt sich dagegen die norwegische Krone sehr stabil. Zwar verlor sie am Vormittag rund ein Prozent gegenüber dem Euro, holte zum Nachmittag aber ihre Verluste weitgehend auf. Analysten fürchten dennoch, dass sich auch die Krone den Folgen des geringen Ölpreis und der Schwäche an den Finanzmärkten entziehen kann.
Der Aktienmarkt sei weiterhin sehr empfänglich für schlechte Nachrichten, schreibt Joachim Bernhardsen von der finnisch-schwedischen Bank Nordea. „Und das spricht dafür, dass die Krone noch weiter geschwächt wird.“