Edelmetall: Gold erobert Marke von 2000 Dollar pro Unze zurück
Das Vertrauen der Investoren in das Edelmetall kehrt zurück.
Foto: AFPFrankfurt. Die heftigste Korrektur seit sieben Jahren währte lediglich eine Woche: Am heutigen Dienstag hat der Goldpreis erneut die Marke von 2000 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm) übersprungen. Damit notiert der Preis für das Edelmetall nur noch rund drei Prozent unterhalb seines Allzeithochs von Anfang August. In der vergangenen Woche war Gold zwischenzeitlich um sieben Prozent abgerutscht.
Auch der Silberpreis hat sich nach seinem Einbruch von rund 15 Prozent in der vergangenen Woche wieder deutlich erholt und notiert mittlerweile wieder über 28 Dollar pro Feinunze. Damit hat auch Silber einen Teil des Wertverlusts in der jüngsten Edelmetallkorrektur wieder wettgemacht. „Die Gold-Skeptiker verstummen“, kommentieren die Rohstoffexperten der Commerzbank die Marktbewegung.
Gold profitiert einmal mehr von extrem tiefen Realzinsen in den USA sowie einem schwachen Dollar, so die Commerzbank-Experten weiter. Ein kurzzeitiger Anstieg der Renditen für US-Staatsanleihen sowie eine Erholung des Dollar hatten die Euphorie der Edelmetallinvestoren kurzzeitig gebremst. Sie nahmen daraufhin vergangene Woche in großem Umfang Gewinne mit.
Doch nun steigen viele Anleger erneut ein, wie Investments in goldgedeckte Indexfonds zeigen: „Dass sich die Stimmung gegenüber Gold wieder aufgehellt hat, zeigt sich auch daran, dass die Gold-ETFs gestern erstmals seit sieben Handelstagen wieder Zuflüsse verzeichneten“, so Commerzbank-Experte Carsten Fritsch.
Besonders gefragt seien die Anteilsscheine beim SPDR Gold Trust gewesen. Der weltgrößte Indexfonds mit einer verwalteten Edelmetallmenge von über 1200 Tonnen ist vor allem bei amerikanischen Profiinvestoren beliebt.
Christopher Louney, Rohstoffstratege von RBC Capital Markets, hält es angesichts dieser Faktoren für möglich, dass der Goldpreis Ende 2020 auf über 2400 Dollar pro Unze steigt. Das entspricht einem Wertzuwachs von knapp 20 Prozent. „Das Zinsniveau ist eindeutig einer der wichtigsten makroökonomischen Einflussfaktoren für Gold.“ Das Niveau von Nominal- und Realzinsen, also unter Berücksichtigung der Inflationsrate, habe eine große Rolle bei der jüngsten Konsolidierung und der erneuten Erholung gespielt.
Auch der seit Monaten schwächelnde Dollar habe den Goldpreis zuletzt unterstützt. Louney beobachtet zudem, dass sich ein ungewöhnlicher Zusammenhang zwischen Aktien und Gold herausgebildet hat. Sowohl Aktien als auch Edelmetalle verteuern sich derzeit im Gleichschritt.
Für den RBC-Analysten ist das ein Zeichen, dass Investoren aus Mangel an Alternativen Aktien kaufen und ihre Investments gleichzeitig mit Gold absichern. „Selbst wenn sich die Märkte erholen – ob temporär oder nicht – dürfte ein Teil der Zuflüsse auf Gold entfallen“, so Louney. Das stützt seine Prognose, dass es mit der Gold-Rally vorerst weitergehen könnte.