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Öl-KartellHöhere Preise versus mehr Öl – vor diesen Problemen steht die Opec

Beim nächsten Treffen des Öl-Kartells bahnt sich ein Konflikt um die Förderquoten an. Die Märkte achten darauf, ob wichtige Mitglieder die Verknappung des Angebots durchhalten werden.Judith Henke 31.05.2024 - 09:05 Uhr
Saudi-Arabiens Energieminister Abdulaziz bin Salman: Das Königreich braucht Analysten zufolge einen Preis von 96 Dollar pro Barrel, um seinen Haushalt zu finanzieren. Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Noch Anfang April hatte die drohende Eskalation des Nahostkriegs den Ölpreis über 90 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) steigen lassen. Doch im Mai dominierten vor allem schwache Wirtschaftsdaten die Stimmung am Ölmarkt. Im Monatsschnitt kostete ein Barrel der Benchmark-Sorte Brent rund 83 Dollar.

Für Saudi-Arabien, neben Russland der größte Ölproduzent der Opec-plus-Gruppe, ist dieser Preis zu niedrig. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) braucht das Königreich 96 Dollar pro Barrel, um seinen Haushalt zu finanzieren. Während Saudi-Arabien daher Interesse an einem hohen Ölpreis hat, wollen andere Mitglieder lieber so viel fördern wie möglich.

Vor ihrer Videokonferenz am Sonntag steht die Opec plus vor einem Dilemma: Würden sich die Mitgliedstaaten des Ölkartells dazu entscheiden, Förderkürzungen zurücknehmen, dürfte der Ölpreis deutlich nachgeben. Die Mehrheit der Händler und Analysten geht daher von einer Verlängerung der Kürzungen aus. 

In der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) haben sich zwölf Förderländer zusammengeschlossen. Außerdem arbeitet die Ölallianz mit weiteren Staaten wie Russland zusammen. Diese Kooperation wird „Opec plus“ genannt. Das Kartell will hohe Öleinnahmen erzielen und versucht, dieses Ziel über Mengensteuerung zu erreichen: Jedem Mitglied wird eine bestimmte Förderquote zugewiesen, also ein Anteil an der Gesamtfördermenge, die das Ölkartell festsetzt.

Was beim Treffen der Opec plus am Sonntag wichtig wird.

Diese Kürzungen sind derzeit in Kraft

Ende November haben die acht Staaten Saudi-Arabien, Algerien, Kasachstan, Kuwait, Oman, Irak, Vereinigte Arabische Emirate (VAE) und Russland beschlossen, freiwillig ihre Ölförderung zu verringern. Diese Kürzungen belaufen sich derzeit auf rund 2,2 Millionen Barrel pro Tag und gelten bis Ende Juni.

Darüber hinaus gibt es weitere Kürzungen. Zum einen haben bereits im April 2023 neun Mitglieder des Ölkartells freiwillige Kürzungen von 1,66 Millionen Barrel pro Tag bis Ende 2024 versprochen. Hinzu kommt eine 2022 beschlossene kollektive Förderkürzung von zwei Millionen Barrel pro Tag, ebenfalls bis Ende des Jahres.

Reuters berichtet unter Berufung auf drei Opec-plus-nahe Quellen, dass das Öl-Kartell an einem Abkommen arbeitet, das die Verlängerung dieser beiden älteren Kürzungen bis 2025 ermöglichen würde. 

Außerdem schaut der Markt auf die Ende November angekündigten freiwilligen Kürzungen der acht Opec-plus-Mitglieder, die vermutlich bis mindestens ins dritte Quartal verlängert werden. Diese acht Staaten könnten theoretisch auch vor oder nach dem Treffen einzeln verkünden, ob sie ihren Kurs beibehalten, sagt UBS-Rohstoffexperte Giovanni Staunovo.

Interessenkonflikte innerhalb des Öl-Kartells

Offiziell wären dies von der Opec plus unabhängige Entscheidungen. Praktisch sei das natürlich nicht der Fall, so Staunovo. „Hintergrund dieser freiwilligen Kürzungen ist eher, dass die Opec effektiv Volumen vom Markt nehmen wollte, die afrikanischen Staaten allerdings nicht zu zusätzlichen Kürzungen bereit waren oder diese nicht sinnvoll waren, da deren effektive Produktion deutlich unter der Quote liegt.“

Das letzte Treffen der Opec plus im November verlief turbulent. Denn Nigeria und Angola hatten höhere Förderquoten gefordert, ohne Erfolg. Ende des Jahres trat Angola schließlich aus der Opec aus.

Einigen afrikanischen Mitgliedstaaten gelingt es nicht, ihre Förderquote voll auszunutzen: Sie fördern weniger, als ihnen von der Ölallianz zugestanden wurde.

Zudem haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in den vergangenen Jahren stark in neue Produktionskapazitäten investiert, können diese aber aufgrund ihrer starren Verpflichtungen gegenüber der Opec nicht nutzen. 

Daher war bei der Opec-plus-Sitzung im vergangenen Juni beschlossen worden, dass Angola, Nigeria und Kongo einen Teil ihrer ungenutzten Quoten an die VAE abgeben.

Nun kündigt sich erneut ein Konflikt um die Förderquoten an. Diese wurden zwar bis Ende 2024 festgelegt, aber die Produktionskapazität der Mitgliedsländer wird erneut überprüft. Stellt sich heraus, dass ein Mitglied mehr produzieren kann, könnten die Quoten also nach oben oder unten angepasst werden.

Die VAE haben sich nun bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse klar positioniert. Der staatliche Energiegigant Adnoc gab auf seiner Website Anfang Mai bekannt, dass er dazu in der Lage sei, täglich 4,85 Millionen Barrel Öl zu fördern. Das ist fast ein Drittel mehr als die von der Opec berechnete Kapazität.

„Mit der Mitteilung der höheren Produktionskapazität möchte Adnoc aber offenbar vor dem Opec-plus-Treffen ein wenig Druck aufbauen“, so Staunovo. Dass es vor dem zweiten turnusmäßigem Opec-Treffen Ende des Jahres noch ein außerplanmäßiges Treffen geben könnte, sei nicht ganz auszuschließen.

Wann die Opec plus wieder mehr fördern könnte

Allein für dieses Jahr prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA), dass das Angebot jener Staaten wie etwa der USA, die dem Ölkartell nicht angehören, pro Tag um 1,4 Millionen Barrel zunehmen dürfte. Das globale Wachstum der Ölnachfrage werde hingegen bei 1,1 Millionen Barrel pro Tag liegen.

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Dennoch sieht die IEA ein Defizit im Ölmarkt – allerdings nur, wenn die Opec-plus-Länder ihre Förderkürzungen beibehalten. Unterdessen nehmen die Konkurrenten USA, Guyana und Brasilien, deren Ölproduktion am stärksten zugenommen hat, dem Ölkartell wichtige Marktanteile und somit auch Preismacht ab.

Bleibt also die Frage, wann die Opec-plus-Länder ihre Kürzungen langsam zurücknehmen und wieder mehr Öl fördern. Ölanalyst Staunovo verweist auf einen Kommentar von Goldman Sachs, nach dem sich erst 2027 das Angebotswachstum der Opec-plus-Konkurrenten verlangsamen wird. Sein Fazit: „Auch in den nächsten Jahren sind Kürzungen aus Sicht der Opec plus nötig, um den Markt im Gleichgewicht zu halten.“

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