Ölproduktion: Opec-plus-Länder verlängern freiwillige Kürzungen
Frankfurt. Die künstliche Knappheit am Ölmarkt bleibt bestehen – die unklaren Aussichten aber ebenso. Zwar haben acht Staaten der Opec plus wie erwartet ihre freiwilligen Förderkürzungen um ein Quartal bis Ende Juni verlängert. Auf ein richtungsweisendes Zeichen verzichtete die erweiterte Ölallianz jedoch. Die Ölpreise notierten zum Wochenauftakt daher kaum verändert.
Eine Verlängerung der Kürzungen bis ins zweite Quartal sei eingepreist, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Ein starkes, preistreibendes Signal wäre ein Festhalten an den freiwilligen Kürzungen bis Jahresende gewesen. Damit hatten im Vorfeld zwei Opec-nahe Quellen gerechnet, mit denen die Nachrichtenagentur Reuters gesprochen hatte.
Brent-Öl handelt seit Beginn des Jahres zwischen rund 76 und rund 84 US-Dollar pro Barrel – ein Preis, der für den größten Ölproduzenten der Opec, Saudi-Arabien, zu niedrig ist. Mindestens 90 US-Dollar pro Barrel benötigt der Wüstenstaat, um seinen kostspieligen Staatshaushalt zu finanzieren.
Daher nimmt Saudi-Arabien einseitig eine Million Barrel pro Tag vom Markt. Auch sieben weitere Mitgliedstaaten der Opec plus kürzen ihre Ölförderung: Algerien, Kasachstan, Kuwait, Oman, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland.
Nun setzen alle acht Staaten ihre freiwilligen einseitigen Kürzungen, die sich insgesamt auf rund 2,2 Millionen Barrel pro Tag belaufen, bis zum Ende des zweiten Quartals fort.
Überraschung aus Russland
In der Mitteilung nehmen die Staaten gesondert Bezug auf Russlands Kürzungen. Denn bisher hatte das Land zwar versprochen, seine Exporte um 500.000 Barrel pro Tag zu senken, allerdings schließt das sowohl Öl als auch Ölprodukte ein. Das sorgt für Unsicherheit, da sich die freiwilligen Kürzungen der anderen Staaten direkt auf Öl beziehen.
Nun hat Russland seine Kürzungen präzisiert: Im April soll die Rohölproduktion um 350.000 Barrel pro Tag zurückgehen, im Mai um 400.000 Barrel pro Tag und im Juni 471.000 Barrel pro Tag. „Wenn diese neuen Kürzungen vollständig umgesetzt werden, werden sie zusätzliche Fässer vom Markt nehmen und nach unserer Einschätzung dazu beitragen, den Ölmarkt unterversorgt zu halten“, sagt UBS-Rohstoffanalyst Giovanni Staunovo.
Doch die Betonung liegt auf „wenn“: Im Januar reduzierte Russland seine Exporte zwar wie vereinbart. Für Februar zeichnet sich allerdings eine Überschreitung der versprochenen Exportmenge ab.
Und Russland ist nicht das einzige Opec-plus-Mitglied, das seine Versprechen nicht komplett einhält: Im Januar pumpten Irak und Kasachstan mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag über ihre Quoten hinaus, wie Bloomberg berichtete. Beide Länder versprachen, sich künftig zu bessern.
Opec hat wenig Spielraum
Die nun verlängerten Kürzungen wollen die Opec-plus-Staaten im Anschluss an das zweite Quartal „je nach Marktlage schrittweise zurücknehmen“. Doch wann und ob diese Marktlage auftritt, ist fraglich. Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtete zuletzt von einem Überschuss am globalen Ölmarkt, der sich erheblich vergrößern würde, wenn die Opec plus ihre Produktion wieder erhöhen wird. Die weltweite Ölnachfrage soll demnach nur 1,2 Millionen Barrel pro Tag wachsen, also etwa halb so viel wie noch im vergangenen Jahr.
Das Wachstum der Ölproduktion außerhalb der Opec plus, etwa in den USA, Guyana und Kanada, soll sich allerdings um 1,6 Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Der Bedarf an Opec-Öl ist somit gesunken. „Die Opec-plus-Länder haben auf Basis dieser Prognosen kaum Spielraum, die freiwilligen Produktionskürzungen zurückzunehmen, ohne ein Überangebot zu riskieren“, so Fritsch.
Die Opec selbst hingegen rechnet im laufenden Quartal sowie in den Quartalen danach mit einer Unterversorgung des Ölmarkts. Sie geht von einem Nachfragewachstum aus, das etwa doppelt so hoch ist wie das von der IEA prognostizierte Volumen.
Die Wirtschaft des weltweit größten Ölimporteurs China schwächelt allerdings weiterhin. Zusammen mit dem gestiegenen Ölangebot außerhalb der Opec und der offenbar verschobenen Zinswende belastet das die Ölpreise. Preistreibend wirken hingegen die Attacken der Huthi-Rebellen auf Schiffe, die Öl durch den Suezkanal im Roten Meer transportieren.