Öl: Ölpreise legen zu - Förderausfälle im Irak
Brent ist die für Europa wichtigste Ölsorte. Die Sorte WTI stammt aus den USA.
Foto: dpaFrankfurt. Sorgen um ein geringeres Angebot haben am Montag die Ölpreise steigen lassen. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg zwischenzeitlich um knapp zwei Prozent auf über 65 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Die US-Sorte WTI verteuerte sich auf über 59 Dollar pro Fass.
Marktbeobachter erklärten den Anstieg mit Förderausfällen im Irak und der Schließung einer Ölpipeline in Libyen. Im Irak wurde die Förderung auf einem Ölfeld am Sonntag zeitweise gestoppt. Die Nachricht sorgte am Ölmarkt vor dem Hintergrund der angespannten politischen Lage zwischen den USA und dem Iran für nervöse Stimmung. Anfang Januar hatte das US-Militär gezielt den ranghohen iranischen General Ghassem Soleimani im Irak getötet.
Allerdings sei im Irak nur ein kleineres Ölfeld betroffen, schreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank. Größer könnten die Auswirkungen eines möglichen Exportstopps von Öl aus Lybien sein. Dort war hatten Truppen des abtrünnigen Generals Haftar nahezu die gesamte Ölproduktion des Landes zum Erliegen gebracht. Die Ölfelder Al Scharara und El Feel seien geschlossen worden, sagt der Anführer der Gruppe „Fessan-Wut“, Baschir al-Scheich, der Nachrichtenagentur Reuters.
Zudem hatte die staatliche Ölgesellschaft NOC mehrere Exporthäfen geschlossen, nachdem diese von mit Haftar verbündeten Milizen blockiert worden waren. Allein die Schließung der Ölhäfen führt der staatlichen Ölfirma NOC zufolge zu einem Produktionsausfall von 800.000 Barrel pro Tag. Sollte die Blockade der Ölhäfen und des Ölfelds weiter anhalten, werde der Ölausstoß auf 72.000 Barrel pro Tag von mehr als 1,2 Millionen Barrel pro Tag (ein Barrel = 159 Liter) einbrechen, teilte der Konzern mit.
In diesem Fall könnte es zu einem Engpass am Ölmarkt kommen, so die Coba-Analysten: „Dann wäre der Ölmarkt nicht mehr überversorgt.“ Marktbeobachter schätzen, dass das Ölangebot die Nachfrage aktuell um rund eine Millionen Barrel täglich übersteigt. Ein Wegfall der kompletten lybischen Ölproduktion dürfte die Preise daher weiter steigen lassen. Allerdings erwarten die Coba-Experten nicht, dass es dazu kommt: „Wir rechnen allerdings nicht mit einem anhaltenden Lieferstopp aus Libyen.“
In dem nordafrikanischen Land tobt zwar seit Jahren ein Bürgerkrieg. Am Sonntag hatten sich die beteiligten Staaten in Berlin jedoch zu einer Einhaltung des Waffenembargos und einem Ende der militärischen Unterstützung für die Konfliktparteien verpflichtet. Sollte sich die Lage in Lybien stabilisieren, dürfte das einen starken Anstieg der Preise verhindern.
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