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Online-Shopping mit Bitcoins„Der Bitcoin ist ein Rohstoff – natürlich ist er volatil“

Kaufen wir bald online mit Bitcoin ein? Stephen Pair ist Chef des Marktführers für digitale Überweisungen, Bitpay. Er erklärt, warum Bitcoin-Transaktionen die Zukunft sein könnten – und woran die Idee scheitern könnte.Felix Holtermann 19.08.2017 - 16:04 Uhr Artikel anhören

Der Mitgründer und CEO von Bitpay glaubt an die Zukunft der Onlinewährungen auch im Handel.

Foto: Bloomberg

Düsseldorf. Kann man mit Bitcoins nur spekulieren? Oder lebt die ursprüngliche Idee noch, mit der digitalen Währung eine Alternative zu Dollar, Euro und Co. aufzubauen? Einer, der fest daran glaubt, dass man mit Bitcoins auf Shopping-Tour gehen kann, ist Stephen Pair. Er ist Co-Gründer und CEO von Bitpay. Das US-Unternehmen mit Sitz in Atlanta, Georgia, ist Marktführer bei der Abwicklung von Bezahlvorgängen in Bitcoin für Onlineshops. US-Starinvestor Peter Thiel und Yahoo-Gründer Jerry Yang haben frühzeitig in Bitpay investiert. Mit dem Handelsblatt sprach Stephen Pair über die Zukunft des Online-Bezahlens, den Einfluss von Kriminellen und Regulierern, und darüber, was der Digitalwährung des Genick brechen könnte.

Herr Pair, Onlineshopping ist längst ein Volkssport. Wenn ich als Kunde mit Euro, Dollar oder über Paypal einkaufen kann: Warum sollte ich plötzlich mit Bitcoin bezahlen?
Aus Kundensicht gibt es viele Gründe, mit Bitcoin einzukaufen. Zum einen ist es sicherer als viele andere Zahlungswege. Wenn ich mit Bitcoin bezahle, nutze ich eine Push-Transaktion, ich leite die Überweisung also selbst ein. Das ist etwas vollkommen anderes, als wenn ich einer fremden Firma die Abbuchung von meinem Konto erlaube. Die meisten Betrugsfälle beim Onlineshopping rühren daher, dass Leute ihre Kreditkartendaten herausgeben und Betrüger dann kinderleicht vom Kreditkartenkonto Geld abbuchen. Alle zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen – ein PIN, die Eingabe von Passwörtern – laufen den Betrügern immer hinterher.

Anders ist das bei einer Bitcoin-Transaktion: Hier hat man eine geheime Nummer, die die Überweisung einmalig auslöst. Der Empfänger erhält kein Zugriff auf mein Konto und auf sensible Daten. Ein weiterer Vorteil ist, dass man global mit Bitcoin bezahlen kann. Kunden können rund um den Planeten Geld überweisen, ohne es in eine andere Währung umtauschen zu müssen.

Banken zittern, Spekulanten jubeln: Aber was steckt wirklich hinter Bitcoin, Ethereum und Co.? In einer Serie behandeln wir die Welt der Digitalwährungen. Alle Teile finden Sie hier.

Foto: Handelsblatt

Aber auch bei Digitalwährungen gab es spektakuläre Diebstähle. Und Fakt ist: eine einmal getätigte Bitcoin-Zahlung kann man nicht zurückholen. Ist das nicht ein Risiko?
Das ist richtig. Das ist dieselbe Situation, wie wenn man jemanden in Bar bezahlt. Kunden können nicht einfach eine Bank anrufen und die Transaktion zurückfordern. Der Bitcoin hat heute viele gute, aber auch einige schlechte Eigenschaften. Gut ist, dass es ein Zahlungssystem ist, dem die Leute vertrauen können. Wenn ein Verkäufer Bitcoin erhält, dann weiß er, dass der Bezahlvorgang abgeschlossen ist. Der Absender kann nicht 30 Tage später sein Geld zurückfordern. Schlecht ist, dass man als Kunde aufpassen muss, dass man seine Bitcoins an die richtige Person verschickt, dass man alle Daten richtig eingegeben hat.

Aber da sprechen wir über den Stand von heute. Das Bitcoin-Basisprotokoll könnte in Zukunft um weitere Funktionen ergänzt werden. Es ist nicht schwer, ein System aufzubauen, dass zum Beispiel Rückzahlungen ermöglicht. Zum Beispiel, indem eine dritte Partei hinzugezogen wird, die den Transfer absichert, damit am Ende beide Parteien zufrieden sind. Bisher funktionieren Bitcoin-Überweisungen tatsächlich wie Barzahlungen. Aber das muss nicht so bleiben.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin
Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.
Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.
Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.
Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.
Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“
Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Eine Instanz in der Mitte geht über die Bitcoin-Vision eines vollkommen unabhängigen Systems hinaus. Arbeitet Bitpay an einer solchen Funktion?
Ja, wir arbeiten an einer solchen Lösung, aber ich kann Ihnen noch nicht sagen, wann sie fertiggestellt ist. Unsere Priorität ist aktuell, das Skalierungsthema zu meistern...

... also mit den weiter wachsenden Nutzerzahlen zurecht zu kommen.
Später wollen wir uns dann fortschrittlichen Transaktionen zuwenden, sogenannten Smart Transactions. Dann verschickt das Programm eines Versandhändlers zum Beispiel automatisch ein Produkt, sobald die entsprechende Zahlung eingegangen ist.

Reden wir über das Hier und Jetzt. Womit verdient Bitpay heute Geld?
Bitpay nutzt die Bitcoin-Blockchain als sicheres System für den Geldtransfer. Wir machen es für Geschäftsleute sehr einfach, Bitcoin zu nutzen. So würden viele Onlinehändler gerne schon heute ihre Produkte auch gegen Bitcoin verkaufen. Aber für ihre Buchhaltung ist es sehr schwer, Zahlungen in Bitcoin zu verarbeiten. Die meisten Geschäftsleute wollen Zahlungen in Dollar, Euro, Pfund, Pesos und so weiter erhalten, also traditionelle Währungen. Da kommt Bitpay ins Spiel: Wir nehmen im Auftrag die Bitcoin der Käufer entgegen und zahlen die Verkäufer direkt in Dollar, Euro und Co. aus.

Ein Onlinehändler kann also Zahlung per Bitcoin anbieten, ohne auch nur einmal mit Bitcoin in Berührung zu kommen.
Richtig. Bitpay ist mit diesem Angebot Marktführer im E-Commerce-Bereich. Zu unseren Kunden zählen aber auch Dienstleister, etwa Anwälte oder Softwareentwickler, die ihre Produkte gegen Bitcoin anbieten wollen. Dann gibt es B2B-Kunden, die unsere Plattform dazu nutzen, Zahlungen mit Geschäftspartnern in anderen Ländern abzuwickeln – schnell, günstig und ohne Hilfe von Banken. Schlussendlich haben wir unsere Bitpay-Kreditkarte. Mit der können Leute überall mit ihren Bitcoins zahlen, wo eine Visa-Karte akzeptiert wird. Wir sorgen dann für die Auszahlung in Dollar, Euro und so weiter.

Das Krypto-ABC
Bitcoins sind eine elektronische Währung, manchmal auch Kryptowährung genannt. Sie basiert auf einer Blockchain. Die Identität des Gründers, Satoshi Nakamoto, ist unbekannt.
Blockchains sind elektronische Buchhaltungen, die jedem Nutzer dezentral in identischer Form zur Verfügung stehen.
DAO steht für „Digitale autonome Organisation“. Das Unternehmen existiert virtuell, und die Eigentümer lenken es durch elektronische Entscheidungsprozesse.
Ethereum ist ein Projekt, das dem der Bitcoins ähnelt. Die zugehörige Währung heißt Ether. Die zentrale Gründerfigur ist der russischstämmige Kanadier Vitalik Buterin. Eine besondere Rolle spielen dabei Smart Contracts.
ICO steht für Initial Coin Offering. Im Internet sammeln Firmen bei virtuellen Börsengängen Geld für Geschäftsprojekte ein, häufig in Form von Bitcoins. Im Gegenzug erhalten die Investoren Tokens. Oft befinden sich die Projekte in einem frühen, sehr experimentellen Stadium. Manchmal handelt es sich bei den Unternehmen um DAOs.
Kryptowährungen sind Zahlungsmittel, die allein auf einer Software basieren – auf einer globalen, praktisch fälschungssicheren Datenbank (der Blockchain). Die bekannteste Währung ist der Bitcoin. Elektronische Verschlüsselung stellt sicher, dass die digitalen Einheiten oder Münzen (Coins) nur ihren Besitzern zur Verfügung stehen.
Ripple ist eine Alternative zu Bitcoins, die für den Zahlungsverkehr unter Banken gegründet wurde. Die zugehörige Währung heißt XRP. Das wichtigste Unternehmen ist Ripple-Lab.
Smart Contracts bewirken automatisch Vorgänge, etwa Zahlungen, bei Erfüllung bestimmter Bedingungen.
Tokens werden im Rahmen von ICOs herausgegeben und sind keine Aktien. Sie ähneln eher digitalen Gutscheinen oder Einzahlungsbelegen, versprechen eine Beteiligung an künftigen Gewinnen oder Management-Entscheidungen, oder einen Zugang zum geplanten Service der Firma. Die Tokens sollen den Investoren die Teilhabe an dem Projekt garantieren, das mit ihrem Geld realisiert wird. Rechte für die Anleger sind mit ihnen aber meist nicht verbunden, teilweise deklarieren die Anbieter sie sogar als „Spenden“. Viele Anleger handeln sie wie Bitcoins – in der Hoffnung auf Spekulationsgewinne.

Sie bieten also Ihren Kunden, den Onlinehändlern, an, Dollar und Euro zu erhalten – während die Kunden in Bitcoin bezahlen. Wenn Bitpay den Umtausch übernimmt, wie gehen Sie mit den starken Kursschwankungen des Bitcoins um? Bei jedem Kurssturz verlieren Sie Geld.
Ja, wir unterliegen hier Risiken. Allerdings sichern wir diese durch eine Reihe an Maßnahmen ab. Erstens ist Bitpay an viele Bitcoin-Börsen angeschlossen. Wir überwachen den Marktpreis also an vielen Stellen. Zweitens räumen wir dem Käufer, wenn er sich entscheidet, in Bitcoin zu bezahlen, nur eine kurze Zeitspanne für die Überweisung ein. Binnen eines Tages zahlen wir den Verkäufer in Dollar oder einer anderen Währung aus. Es gibt also ein Währungsrisiko, aber wir minimieren es. Je höher die Summe ist, die infrage steht, desto höher ist unser Aufschlag, da sich dann unser Risiko erhöht. Unser Ziel bleibt, dass die Käufer den besten Preis für ihre Bitcoins erhalten.

Während der letzten Flash-Crashs, Kursstürze binnen weniger Minuten, hatten Sie also keine schlaflosen Nächte?
Nein. Wir machen das seit sechs Jahren. Wir haben zwar starke Abstürze erlebt, und dann verliert Bitpay auch Geld. Aber das holen wir wieder rein, sobald der Kurs wieder steigt. Wir wissen, die Wahrscheinlichkeit eines starken Kursrutsches ist größer als die eines starken Anstiegs. Wir beobachten die Märkte sehr genau, balancieren das aus. Und tauschen erhaltene Bitcoins möglichst schnell um.

Stellt die hohe Volatilität des Bitcoin nicht grundsätzlich die Eignung als Zahlungsmittel infrage?
Die Volatilität, die wir heute sehen, ist doch sehr viel geringer, als diejenige zu Beginn, 2011. Und sie ist sehr viel geringer als bei anderen Kryptowährungen. Wir sehen das als Wachstumsschmerzen, typisch für einen jungen, kleinen Markt, vor allem im Vergleich zum Dollar und zum Euro.

Sind die schnellen Kursbewegungen nicht in Wahrheit Teil der Bitcoin-DNA? Es gibt keine zentrale Institution, die den Kurs stabilisieren könnte.
Natürlich ist Teil der Natur der Kryptowährungen, dass sie volatil sind. In meinen Augen sind Kryptowährungen Rohstoffe. Schaut man sich den Markt für andere Rohstoffe wie Gold, Silber oder Öl an, dann sieht man auch hier Volatilität. Rohstoffkurse sind volatil, da es ein fixes Angebot gibt: Steigt die Nachfrage nach einem Rohstoff, steigt auch der Preis, und andersherum. Es gibt eben keine Zentralbank, die mehr Bitcoins druckt oder sie wieder einsammelt, um einen stabilen Wechselkurs zu einem Laib Brot zu garantieren. Wie bei einem Zinssatz ist der Preis eines Bitcoins ein gutes Signal, wann man ihn ausgeben sollte. Fällt der Preis, sollte man seine Coins aufsparen. Steigt der Preis, sollte man mit ihnen besser jetzt als gleich auf Einkaufstour gehen.

Digitalwährung aus moralischer Sicht

„Der Bitcoin ist unfair“

Einige Beobachter sehen im Bitcoin das Gold des digitalen Zeitalters, eine teure, seltene Wertanlage. Andere glauben, dass er von anderen, besseren Digitalwährungen überflügelt wird. Auf welches Szenario setzt Bitpay?
Ich glaube, der Bitcoin ist längst auf dem Weg, das digitale Gold zu werden. Er verfügt über die sicherste Blockchain, die auch die liquideste ist. Wickeln zwei Firmen auf entgegengesetzten Seiten der Erde mit ihm eine Zahlung ab, werden alle Risiken, Bankgebühren und zeitlichen Verzögerungen eliminiert. Genau dafür lieben unsere Firmenkunden unsere Plattform als Teil ihrer Lieferkette. Wird der Bitcoin zur bevorzugten Form des Bezahlens im Internet, dann kann es sein, dass künftig Zahlungen mit einer Zeitverzögerung in die Blockchain geschrieben werden. So bliebe der Bitcoin beides: ein Instrument zur Wertaufbewahrung und ein Zahlungsmittel.

Was könnte dem Bitcoin denn in ihren Augen das Rückgrat brechen?
Ich sehe eigentlich nur eine Gefahr: ein systemischer Fehler in der Bitcoin-Blockchain, der das Programm zerstört.

Und was ist mit einer anderen Kryptowährung, die dem Platzhirsch den Rang abläuft, etwa Ethereum?
Bitpay wird nie eine Infrastruktur für 20 unterschiedliche digitale Münzen aufbauen. Kunden können diese schon heute in Bitcoin tauschen und dann damit bei uns bezahlen. Wir wickeln unsere Zahlungen in Bitcoin ab, und unsere Geschäftskunden wollen sowieso Euro, Dollar oder Peso erhalten. Ethereum ist für Zahlungen sowieso nicht so gut geeignet. Wenn überhaupt, dann könnte Litecoin dem Bitcoin den Rang ablaufen. Aber für wahrscheinlich halte ich das nicht.  

Ob Bitcoin, Ethereum oder Litecoin: Die Digitalwährungen bauen auf der Idee eines Geldsystems auf, das unabhängig ist von Staaten und Banken. Wenn immer mehr Privatanleger einsteigen, wie viel staatliche Regulierung ist dann nötig?
Wir sprechen mit vielen Regulierungsbehörden. Ich sage dann immer gerne: Eine komplett geheime Bitcoin-Blockchain kann es nicht geben. Die Regulierer könnten etwa vorschreiben, dass jeder Nutzer eine Software einsetzen muss, die alle Zahlungen aufzeichnet. So wäre das komplette System de-anonymisiert. Ich glaube aber, dass wir uns auf einen Mittelweg einigen. Es wird mehr Monitoring durch die Aufsichtsbehörden geben. Aber wir müssen auch die Privatsphäre der Leute schützen.

... was das System für Kriminelle attraktiv macht.
Ich habe nicht gesagt, dass es eine einfache Abwägung wird. Ja, wir müssen sicherstellen, dass Kriminelle das System nicht missbrauchen. Aber Kriminelle nutzen ja nicht nur den Bitcoin, sondern erst einmal jedes Werkzeug: Autos, Flugzeuge, traditionelle Währungen wie Euro und Dollar. Der Bitcoin ist beliebt, weil er funktioniert.

Sie haben Ihre Firma vor sechs Jahren gegründet. Wo sehen Sie Bitpay in sechs Jahren – was sind Ihre Visionen für die Zukunft?

Bitpay wickelt schon heute Zahlungen von fast eine Milliarde Dollar pro Jahr ab. Ich glaube, dass wir einen Beitrag leisten können, um ein grundlegend einfacheres und sichereres globales Zahlungssystem aufzubauen. Vor Kurzem ist der Zentralbank von Bangladesch eine Summe von 80 Millionen Dollar gestohlen worden, indem ihre IT-Schwachstellen ausgenutzt wurden. Solche Geschichten sind besorgniserregend. Das globale Zahlungssystem stammt aus den 1950er-Jahren. Wenn die Leute anfangen, Online-Überweisungen nicht mehr zu vertrauen und wieder mit Bargeld bezahlen aus Furcht vor Hackern, wenn eine gehackte Bank bankrott geht und mit Steuergeld gerettet werden muss, dann wäre das ein riesiger Rückschritt für die globale Wirtschaft. Die Bitcoin-Technik ist der beste Weg, um unsere globale Zahlungs- und Finanzinfrastruktur zu modernisieren. Es muss nur einfacher werden, sie zu benutzen. Gerade die Banken könnten von der Technik profitieren. Wir dürfen sie nicht vernachlässigen, sie gehören zum Gesamtbild dazu.

Herr Pair, danke für das Gespräch.

Die Serie

Banken zittern, Spekulanten jubeln: Aber was steckt wirklich hinter Bitcoin, Ethereum und Co.? In einer Serie behandeln wir die Welt der Digitalwährungen. Bisher erschienen:

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Visa
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Teil 1: Der Selbstversuch: Warum Bitcoins so verlockend sind
Teil 2: Welche Währung, welche Börse? So klappt der Einstieg
Teil 3: Mehr als ein Zockergeld: Wie das Bezahlen mit Bitcoins funktioniert
Teil 4: Sparen in der digitalen Zukunft: In Bitcoins investieren
Teil 5: Gemeinsam in die Blockchain: Die drei großen Allianzen
Teil 6: Streit in der Gemeinschaft: Wie China den Bitcoin zerstören könnte
Teil 7: Von Japan in die Welt: Die Geschichte des Bitcoin
Teil 8: Mehr als virtuelle Münzen: Ethereums Griff nach der Vorherrschaft
Teil 9: Bitcoin und Moral: Ein philosophischer Blick auf den Krypto-Hype
Teil 10: Digitalwährungen als Rohstoffe: Die Vision des Bitpay-Chefs
Teil 11: Finanzbranche und Bitcoin: Die Folgen für Banken und Banker
Teil 12: ICO was? Das zweifelhafte Business der Krypto-Börsengänge
Teil 13: Die Zukunft des Geldes: Was Bitcoins und Kaurischnecken eint

(Fortsetzung folgt)

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