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  5. Brent: Ölpreis schwächelt trotz knappem Angebot

RohstoffeÖlpreis fällt trotz Förderkürzungen

Experten rechnen für dieses Halbjahr mit weniger Öl auf dem Weltmarkt, was den Preis eigentlich treiben müsste. Doch die Sorge um Chinas schwächelnde Wirtschaft ist größer.Judith Henke 16.08.2023 - 17:13 Uhr Artikel anhören

Saudi-Arabien und Russland wollen ihre Fördermengen im September kürzen.

Foto: dpa

Frankfurt. Chinas schwächelnde Wirtschaft setzt dem Ölpreis weiter zu: Nachdem die Statistikbehörde des Landes am Dienstag enttäuschende Konjunkturdaten veröffentlicht und die chinesische Zentralbank überraschend den Zins gesenkt hatte, fiel der Preis für ein Barrel Brent bis auf rund 84 Dollar – den tiefsten Stand seit zwei Wochen.

Mittlerweile hat sich der Preis zwar leicht stabilisiert. Doch der siebenwöchige Aufwärtstrend wurde durch die Sorgen um Chinas langsames Wachstum nun unterbrochen.

Dabei sollte die Lage am Rohölmarkt eigentlich die Preise treiben: Die Nachrichtenagentur Bloomberg weist auf niedrigere US-Lagerbestände hin und beruft sich auf Branchenschätzungen. Zugleich erhöhten die asiatischen Raffinerien weiterhin ihre Importe.

Zudem prognostizieren sowohl die Internationale Energieagentur (IEA) als auch die Ölallianz Opec, dass der Ölmarkt im zweiten Halbjahr dieses Jahres deutlich unterversorgt sein wird. Die IEA rechnet für das dritte Quartal mit einem Angebotsdefizit von 2,2 Millionen Barrel pro Tag und für das vierte Quartal mit 1,2 Millionen Barrel. Die Opec geht sogar von einem Defizit von 2,2 Millionen Barrel pro Tag im vierten Quartal aus.

Das Ölangebot ist im Juli laut IEA um 910.000 Barrel pro Tag im Vergleich zum Vormonat gesunken, das Ölangebot der Opec fiel sogar auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2021. Ausschlaggebend war die freiwillige Produktionskürzung Saudi-Arabiens.

Zuletzt hat das größte Opec-Mitglied seine Förderkürzungen um einen weiteren Monat verlängert. Saudi-Arabien wird nun auch im September seine Produktion um eine Million Barrel pro Tag kürzen. Auch Russland, Mitglied der erweiterten Ölallianz Opec plus, kündigte an, seine Ölexporte im September um 300.000 Barrel pro Tag zu senken.

„Mit der Verlängerung der Produktionskürzungen von Saudi-Arabien und Russland bis in den September hinein erwarten wir, dass der Ölmarkt in diesem Monat um etwa zwei Millionen Barrel pro Tag unterversorgt sein wird“, schreibt UBS-Ölexperte Giovanni Staunovo in einer Analyse. Im September rechnet er mit einer Unterversorgung von 1,5 Millionen Barrel pro Tag.

Der Experte erwartet, dass Saudi-Arabien die Kürzungen erst dann zurücknimmt, wenn das Land Stabilität am Ölmarkt erkennt. Konkret: „wenn die globalen Öllagerbestände niedriger sind als derzeit“, sagt Staunovo. Daher erwarte er, dass Brent bis Ende Dezember einen Preis von 95 US-Dollar pro Barrel erreichen wird.

Einige Länder importieren allerdings auch Rohöl, das mit Abschlägen gehandelt wird. So erreichten chinesische Importe von sanktioniertem iranischem Öl das höchste Niveau seit mindestens einem Jahrzehnt, wie es in einem Bloomberg-Bericht heißt, der sich auf Schätzungen der Datenfirma Kpler beruft. Irans Öl wird Händlern zufolge derzeit mit Rabatten von mehr als zehn US-Dollar pro Barrel gegenüber Brent gehandelt.

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Experte prognostiziert neuen Preisschwung

China war laut der IEA in diesem Jahr für rund 70 Prozent des globalen Nachfrageanstiegs verantwortlich. Im kommenden Jahr rechnet die IEA allerdings mit einer deutlichen Verlangsamung des Nachfragewachstums und begründet das mit einer schwächeren Konjunkturentwicklung und der steigenden Anzahl von Elektrofahrzeugen. Aus Sicht der Opec sinkt das Nachfragewachstum im kommenden Jahr allerdings nur leicht.

Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch hat die beiden Nachfrageprognosen in einem Bericht analysiert und misst den Einschätzungen der IEA eine größere Wahrscheinlichkeit bei. „Da aber auch bei einem schwächeren Nachfragewachstum der Markt leicht unterversorgt ist, fühlen wir uns mit unserer Prognose von allmählich weiter anziehenden Ölpreisen bestätigt.“

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