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JemenUS-Angriffe auf die Huthi-Rebellen treiben Ölpreis

Der Ölpreis schwächelte zuletzt wegen des steigenden Angebots. Doch nun kehrt der geopolitische Risikoaufschlag zurück. Was bedeutet das für die Perspektiven auf dem Ölmarkt?Judith Henke 12.01.2024 - 11:37 Uhr

Frankfurt. Der Vergeltungsangriff gegen die Huthi-Rebellen hat die Ölpreise am Freitagvormittag deutlich steigen lassen. Der Preis der Rohölsorte Brent stieg am in der Spitze um 4,30 Prozent auf 80,74 US-Dollar pro Barrel und der Preis der US-Sorte WTI zeitweise um 4,43 Prozent auf 75,21 US-Dollar pro Barrel.

Zuvor hatten die USA und Großbritannien mit Unterstützung weiterer Verbündeter Stellungen der Huthi-Rebellen im Jemen angegriffen. Es war die größte Aktion dieser Art seit zehn Jahren – und eine Reaktion der USA auf Attacken der Rebellen gegen Handelsschiffe im Roten Meer.

Dominierten bisher schwächere Nachfrageprognosen für 2024 bei gleichzeitig starkem Angebot die Stimmung am Ölmarkt, kehrt nun der geopolitische Risikoaufschlag zurück: Der Brent-Ölpreis, der seit Anfang des Jahres unter 80 Dollar geblieben ist, hat diese Marke nun erstmals wieder geknackt. 

„Die Eskalation des Konflikts deutet auf ein größeres Potenzial für Störungen und die Notwendigkeit von Schiffsumleitungen hin“, sagte Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei der ING Groep NV, gegenüber Bloomberg. Die größere Gefahr sei aber, dass der Konflikt sich weiter ausbreite und den Ölfluss aus dem Persischen Golf bedrohe.

Der Persische Golf wird mit dem Golf von Oman durch die Straße von Hormus verbunden. Durch diese Meerenge wird täglich rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion transportiert. Würde der Iran, der sowohl die Huthi-Rebellen als auch die Hamas finanziert, die Straße von Hormus blockieren, könnte das den Ölpreis in die Höhe treiben.

Laut Berechnungen der Weltbank würde im Falle einer solchen Eskalation des Kriegs im Nahen Osten das globale Ölangebot um sechs bis acht Millionen Barrel pro Tag fallen und die Ölpreise um 56 bis 75 Prozent steigen. Analysten halten dieses Worst-Case-Szenario aber für unwahrscheinlich.

Doch auch ohne eine Blockade der Straße von Hormus: Die Gefahr, dass der Krieg in Israel und die Situation auf dem Roten Meer weiter eskalieren, ist ein Risiko für das Ölangebot. Denn der Iran ist mit einer Ölproduktion von mehr als 3,1 Millionen Barrel pro Tag der drittgrößte Produzent der Opec-Staaten. Zudem ist das Land wegen US-Sanktionen nicht an die im Ölkartell vereinbarten Förderquoten gebunden.

Risikoprämie zwischen zwei und zehn US-Dollar

Bloomberg bezieht sich auf eine Schätzung von Citigroup-Analysten, derzufolge bereits vor den US-Angriffen auf die Huthi-Rebellen geopolitische Risiken im Nahen Osten Brent-Öl um zwei bis drei US-Dollar verteuert haben. Die Experten von Standard Chartered gehen sogar davon aus, dass Öl zeitweise um mindestens zehn US-Dollar unterbewertet gewesen sei.

3,1
Millionen Barrel Öl
produziert der Iran pro Tag.

Die Märkte haben sich möglicherweise zu sehr auf das steigende globale Angebot konzentriert und die scharfe Verschlechterung der Situation im Roten Meer unterschätzt, so Robert Rennie, Leiter der Rohstoff- und Kohlenstoffforschung bei der Westpac Banking Corp.

Denn seit Anfang des Jahres schwächelt der Ölpreis: Brent konnte bisher die Marke von 80 US-Dollar pro Barrel nicht überwinden und schwankte in einem Preiskorridor von fünf Dollar. Manchmal trieben neue Schiffsangriffe im Roten Meer und protestbedingte Ölproduktionsstörungen in Libyen den Preis. Und dann wieder drückten schwache Fundamentaldaten die Stimmung am Ölmarkt.

Schwache Fundamentaldaten

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) soll sich das Nachfragewachstum 2024 im Vergleich zum Vorjahr halbieren. Ein Großteil des Wachstums 2023 entfiel auf China, den weltweit größten Ölimporteur. Nach dem harten Lockdown 2022 nahmen die Wirtschaftsaktivitäten der Volksrepublik wieder zu, die Menschen begannen, mehr zu fliegen und zu konsumieren. Dieser Sondereffekt wird aber 2024 wegfallen.

Die Opec plus reagierte bereits im November auf diese Prognosen mit freiwilligen Förderkürzungen. Doch der Markt ist misstrauisch, ob die angekündigten Kürzungen vollständig umgesetzt werden. Zudem unterläuft ein steigendes Ölangebot außerhalb des Ölkartells die Opec-plus-Maßnahmen. Die US-Rohölproduktion erreichte im vierten Quartal 2023 laut der US-Energiebehörde EIA ein Rekordniveau von knapp 13,3 Millionen Barrel pro Tag, auch die Produktion in Brasilien, Guyana und Norwegen stieg deutlich. 

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Opec vor Dilemma

Die Kürzungen erzielten daher nicht die erwünschte Wirkung auf den Ölpreis. Saudi-Arabien musste nun seine offiziellen Verkaufspreise für Öllieferungen im Februar an Kunden in Asien, Europa und den USA deutlich senken, was auf eine schwächere Nachfrage aus diesen Regionen hindeutet.

Die Verlangsamung des Nachfragewachstum stelle für die Ölproduzenten einen anspruchsvollen Balanceakt dar, denn es dürfte nicht zu viel Angebot hinzukommen, schreibt ein UBS-Analystenteam. Die Opec plus würde ihre Kürzungen daher bis Mitte des Jahres beibehalten und ihre Produktion erst in der zweiten Jahreshälfte sanft erhöhen. Ab 2025 könnte sich das Dilemma des Ölkartells aber verschärfen: Denn dann könnte das Wachstum der Nicht-Opec-Produktion das Nachfragewachstum übertreffen.

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