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CoronavirusBörsen sind relativ resistent gegen Viren

Frühere Epidemien zeigen: Die Kurse lassen sich von menschlichem Leid und wirtschaftlichen Einbußen in der Regel nur vorübergehend beeinflussen.Frank Wiebe 02.02.2020 - 12:09 Uhr

Nach einer Studie der Anlagegesellschaft Grüner Fisher haben sich bei früheren Epidemien die Aktien als relativ robust erwiesen.

Foto: AFP

Frankfurt. Das Coronavirus fordert jeden Tag neue Todesopfer, bisher wurden mehr als 200 bekannt. Es breitet sich weltweit aus, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Immer mehr Flüge nach und von China werden abgesagt.

Die Sorge wächst, dass in China das öffentliche Leben längere Zeit zum Erliegen kommt – und damit auch die Wirtschaft. Entsprechend gibt es an einzelnen Tagen immer wieder Kurseinbrüche an den Börsen – aber erstaunlich rasch auch wieder eine Erholung. Wie geht es weiter?

Nach einer Studie der Anlagegesellschaft Grüner Fisher haben sich bei früheren Epidemien die Aktien als relativ robust erwiesen. Ein Beispiel ist die sogenannte Schweinegrippe. Die erste Welle von Nachrichten zu dieser Krankheit führte zwischen dem 8. und dem 15. Mai 2009 zu einem Einbruch des US-Aktienindexes S&P 500 um knapp fünf Prozent. Die ersten Nachrichten über Erkrankungen kamen aus Mexiko.

Als Verdachtsfälle in den USA und Europa bekannt wurden, ging es zwischen dem 12. Juni und dem 12. Juli noch einmal sieben Prozent nach unten. Aber danach erholten sich die Börsen weltweit wieder relativ rasch.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezifferte später die Zahl der Todesfälle mit 18.500. Das waren nur die gesicherten Fälle. Eine Studie von US-Forschern, die in „Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde, enthielt eine vage Schätzung von insgesamt bis rund einer halben Million tödlichen Erkrankungen.

Schreckensbild „Spanische Grippe“

Ähnlich ging es im Verlauf der Krankheit Sars vonstatten, deren Erreger eng mit dem heute aktiven Coronavirus verwandt ist. Die ersten Meldungen dazu kamen im November 2002 aus China, im Sommer 2003 ebbte die Epidemie wieder ab. Die WHO zählte 774 Todesfälle.

Die Aktienmärkte brachen zwischen dem 27. November 2002 und dem 11. März 2003 um 14 Prozent ein, erholten sich aber schnell wieder. Insgesamt war 2003 ein gutes Jahr mit fast 30 Prozent Plus bei den US-Aktien.

Die Studie nennt noch weitere Krankheitswellen, die an den Börsen nur vorübergehende Einbrüche verursachten. Etwa die Vogelgrippe der Jahre 1957 und 1958 mit mehr als einer Million Toten, und die berüchtigte Spanische Grippe, die nach dem Ersten Weltkrieg wahrscheinlich mehr als 20 Millionen Todesfälle verursacht hat – mehr als der Krieg mit rund 17 Millionen.

Der bekannte Hedgefonds-Manager Ray Dalio, Gründer von Bridgewaters, hat einen ähnlichen Vergleich angestellt. Dabei schreibt er zu Sars und zur Schweinegrippe: „An den Tagen der großen Schlagzeilen über den Ausbruch der Krankheit reagierten die Märkte mit einem Abstoßen von Risiken, das zu einem niedrigeren Wachstum und zur Flucht in Qualität passte. Zum Beispiel fielen die Aktien, während Gold und Anleihen anzogen.“ Diese Reaktionen ließen aber schnell nach, so Dalio weiter, und wurden von anderen Trends überlagert.

Märkte schauen auf Statistik der Krankheitsfälle

Auch bei Dalio zeigt sich also: Die Wahrscheinlichkeit einer robusten Marktreaktion ist relativ hoch. Kurzfristig wird das Coronavirus die Märkte trotzdem weiter bewegen.

Jason Hunter von JP Morgan schreibt, es gebe wenig Möglichkeiten, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krankheit abzuschätzen. Daher werden die Märkte seiner Meinung nach vor allem direkt auf die Statistik der Krankheitsfälle schauen.

Lee Ferridge, Stratege bei State Street Global Markets, sieht zwei Reaktionen solange sich die Krankheit ausbreitet: Druck auf die Renditen der Zinspapiere und eine Stärkung des Dollars als „sicherem Hafen“. Die Ratingagentur Standard & Poor’s erinnert daran, dass durch Sars die internationalen Fluggesellschaften nach Verbandsangaben im Jahr 2003 rund acht Prozent ihrer Einnahmen verloren hatten.

An den Märkten wachsen derweil die Erwartungen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen noch weiter senkt. Die US-Notenbank Fed will den Verlauf der Krankheit „genau beobachten“. Stefan Bielmeier, Chef-Ökonom der DZ Bank, hofft, dass sich bis zum März die Situation beruhigt. Seiner Meinung nach deutet bisher nichts auf „nachhaltige realwirtschaftliche Folgen“ des Coronavirus hin.

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