Dax aktuell: Dax schließt deutlich im Plus – Fünf Gründe, warum sich die Marktlage verbessert hat
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Nach einer schwarzen Handelswoche mit hohen Verlusten ist der Dax freundlich in die neue Börsenwoche gestartet. Die Frankfurter Benchmark schloss zwei Prozent höher bei 11.788 Punkten – der größte Tagesgewinn in den vergangenen fünf Wochen. Nach leichten Verlusten zu Handelsbeginn, als der Dax unter die Marke von 11.600 Punkten fiel, legte der Index deutlich zu. Seit dem Vormittag wies der Dax ein deutliches Plus nahe der Zwei-Prozent-Marke auf.
Zur guten Stimmung trug auch der erfreuliche Handelsstart an der Wall Street bei. Dort verbuchten die wichtigsten Indizes ebenfalls deutliche Gewinne. Davon profitierten auch andere europäische Aktienmärkte. Der entsprechende Leitindex Euro Stoxx 50 gewann ebenso zwei Prozent. Bei den Leitindizes in Frankreich und Italien war der Gewinn sogar noch etwas größer.
Am Freitag hatte der deutsche Leitindex den Handel mit einem Minus von 0,4 Prozent und einem Schlussstand von 11.556 Zählern beendet. Das Wochenminus betrug 8,6 Prozent. Es waren die größten Verluste im Leitindex seit dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle Mitte März.
Trotz oder vielleicht sogar wegen der hohen Verluste in der vergangenen Woche hat am deutschen Aktienmarkt eine Stabilisierung eingesetzt. Zumindest bis einschließlich Dienstag dürfte der Handel in ruhigeren Bahnen verlaufen. Danach werden die Ergebnisse der US-Wahlen veröffentlicht und die Karten neu gemischt.
Ein eindeutiger Sieger, egal ob Joe Biden oder Donald Trump, könnte möglicherweise eine neue Rallyphase einläuten. Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem Trump das Ergebnis möglicherweise nicht akzeptieren würde, wären weitere Kurssteigerungen kaum vorstellbar. Schließlich bereiten sich die US-Behörden bereits auf gewalttätige Unruhen vor.
Trotz dieses enorm großen Faktors der Unsicherheit scheint sich die Lage am deutschen Aktienmarkt deutlich verbessert zu haben. 5 Gründe, die dafür sprechen:
1. Der verhängte Lockdown
Es mag komisch klingen, dass gerade ein verhängter Lockdown positiv für den Dax sein soll. Doch ein Blick zurück auf den Corona-Crash im März zeigt ein für die Börsen typisches Bild. Im Vorfeld des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen rutschten die Kurse deutlich ab. Als die Maßnahmen anschließend eingeführt wurden, fand der Aktienmarkt schnell einen Boden und startete eine für alle Investoren unerwartete Rally.
Dieses Szenario muss sich nicht wiederholen. Es kann durchaus länger dauern, bis die Kurse wieder steigen. Doch der neue Lockdown belastet die meisten börsennotierten Unternehmen deutlich weniger. Ein neuer Corona-Crash mit einer Intensität wie noch im März ist deswegen schwer vorstellbar.
2. Panik unter der Profianlegern
Ein Blick auf das Put-Call-Verhältnis an der Frankfurter Terminbörse Eurex zeigt Ungewöhnliches: Dieser Indikator liegt bei 4,8, einem der bislang höchsten Werte überhaupt. Das bedeutet: Die Profianleger, die an der Eurex handeln, haben extrem viele Put-Positionen in ihren Depots und sichern sich so gegen fallende Kurse ab.
Die institutionellen Investoren haben offenbar noch den Kursabfall im März in Erinnerung, als der Dax im schnellsten Crash aller Zeiten auf 8255 Punkte abstürzte. Danach haben viele dieser Investoren von der Rally profitiert. Sie wollen nun vermeiden, dass sich die Buchgewinne wieder auflösen. Ein solches Ausmaß an Put-Optionen zeigt, wie panisch die Profis insgesamt reagieren.
Das Put-Call-Verhältnis ist ein Kontraindikator. Ein derart hoher Wert an Put-Optionen dürfte eher einen Kurssturz verhindern. Die Logik dahinter: Eine solche Absicherung gegen oder gar Spekulation auf fallende Kurse funktioniert wie ein Leerverkauf. Beim Kauf einer Put-Option wird zunächst der Basiswert verkauft, beim Verkauf der Put-Option der Basiswert zurückgekauft. Je nach Börsenlage verhindert ein Verkauf der Put-Option weiter fallende Kurse oder beflügelt sogar steigende Notierungen.
3. Ausländische Anlageprofis haben bereits verkauft
Mehrere Monate waren die europäischen Aktienmärkte bei ausländischen Profianlegern begehrt. Das zeigten die vergangenen Umfragen der Bank of America unter internationalen Fondsmanagern.
Doch diese Einschätzung hat sich offenbar verändert. Denn für das deutliche Minus in der vergangenen Handelswoche dürften in erster Linie die ausländischen Investoren verantwortlich gewesen sein. Davon zeugt beispielsweise die Anlegerumfrage der Börse Frankfurt. Auch der Euro ist ein Indiz für solch ein Verhalten.
Die Gemeinschaftswährung hat in der vergangenen Handelswoche gegenüber dem Dollar mehr als 1,5 Prozent verloren. Offenbar floss viel Kapital ab. Auch wenn nicht abschätzbar ist, ob es nicht zu weiteren Verkäufen ausländischer Investoren kommen sollte: Abschwächen dürfte sich dieser Trend allemal.
4. In Asien ist die Coronakrise beendet
Im Wirtschaftsraum Asien, einer für deutsche Unternehmen wichtigen Region, scheint die Coronakrise beendet zu sein. Die Stimmung in den Chefetagen chinesischer Unternehmen ist so gut wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Wirtschaftsmagazins „Caixin“ für das herstellende Gewerbe stieg im Oktober von 53,0 im Vormonat auf 53,6 Punkte. Das wichtige Konjunkturbarometer, veröffentlicht am Montag, erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2011. Ein Indexwert von über 50 Punkten symbolisiert eine Expansion der Industrie, während darunter von einer Kontraktion auszugehen ist.
5. Technische Lage hat sich kurzfristig gebessert
11.450, 11.458 und 11.457 – was sich als einfache Aneinanderreihung dreier Zahlen liest, hat für die technische Analyse große Bedeutung. Es sind die tiefsten Notierungen der vergangenen drei Handelstage. Das lässt die Schlussfolgerung zu: Es gibt derzeit ein eindeutiges Niveau, bei dem Anleger bereit sind, wieder in die deutschen Standardwerte zu investieren.
Diese Unterstützung, wie solche Marken aus technischer Sicht genannt werden, muss nicht langfristig einen Halt geben. Spätestens dann, wenn die US-Wahlen beendet sind, dürften wahrscheinlich ganz andere Notierungen in den Fokus der technischen Analyse rücken. Am Montag und Dienstag jedoch ist es eher wahrscheinlich, dass diese Unterstützungen nicht deutlich unterschritten werden.
Blick auf die Einzelwerte
Deutsche Bank: Die Aktie des größten deutschen Geldhauses setzte sich mit einem Plus von fünf Prozent an die Dax-Spitze. Eine Aktie kostete knapp 8,30 Euro. Die Bank hatte vergangene Woche überraschend gute Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt.
Siemens Healthineers: Die Medizintechnik-Tochter von Siemens musste den Turbulenzen in Krankenhäusern und Laboren in der Corona-Pandemie Tribut zollen. Doch nun prognostiziert Vorstandschef Bernd Montag eine spürbare Belebung des Geschäfts. Die Aktie steigt aber nur um 0,4 Prozent.
Ryanair: Für den Billigflieger Ryanair bleibt das Geschäft in der Coronakrise schwierig. Erstmals seit Jahrzehnten schreiben die Iren im Sommer rote Zahlen. Analysten hatten im Schnitt mit einem noch höheren Verlust bei der Nummer zwei in Europa gerechnet. Angesichts der inzwischen zweiten Corona-Welle erwägt Ryanair nun, die Flugkapazitäten weiter zu reduzieren. Dennoch legte der Aktienkurs im Handelsverlauf kontinuierlich zu – zuletzt um knapp sechs Prozent.
Grenke: Die Aktien gewannen über fünf Prozent an Wert. Das Bankhaus Lampe hatte die Anteile des Leasingspezialisten von „halten“ auf „kaufen“ hochgestuft. Mit dem dritten Quartal habe Grenke positiv überrascht, so Analyst Andreas Schäfer. Die jüngsten Anschuldigungen gegen das Unternehmen hält er für unbegründet.
Blick auf andere Assetklassen
Der Ölpreis zieht nach Spekulationen auf eine Verlängerung der aktuellen Förderbeschränkungen durch die „Opec plus“ an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 38,26 Dollar je Barrel, nachdem sie zuvor auf ein Fünfmonatstief von 35,74 Dollar gefallen war. Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge haben Topmanager russischer Ölfirmen mit dem Moskauer Energieminister über dieses Thema gesprochen.
Am Devisenmarkt hielten sich die Bewegungen derweil in Grenzen. Das Verhältnis von Euro zu Dollar lag am Nachmittag nahezu unverändert bei 1,16 Euro.
Gefragt war dagegen Gold, das sich um 0,8 Prozent auf 1893 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Die anhaltende Stärke der Weltleitwährung Dollar verhindere aber größere Kursgewinne, sagte Afshin Nabavi, Manager beim Edelmetallhändler MKS. So lange sich dessen Kurs nicht bewege, bleibe Gold in der aktuellen Handelsspanne gefangen. Eine Aufwertung des Dollars macht das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver.
Was die Dax-Charttechnik sagt
Mit dem Tagestief von 11.450 Zählern am Freitag könnte sich eine erste kurzfristige Unterstützungsmarke gebildet haben. Denn bereits am Mittwoch und Donnerstag lagen die jeweiligen Tagestiefpunkte in der Nähe dieser Marke bei 11.457 Zählern beziehungsweise 11.458 Punkten. Auf diesem Level herrscht also seit Mittwoch mehr Nachfrage als Angebot.
Das bedeutendere Kursziel auf der Unterseite liegt weiterhin bei 11.000 Punkten. Hinter dieser Berechnung steckt Folgendes: Der Dax hat sich längere Zeit in einer Seitwärtsspanne von 1200 Punkten bewegt und diese mit dem Rutsch unter die Marke von 12.200 Zählern aufgelöst. 12.200 minus 1200 ergibt 11.000 Punkte. So funktioniert die technische Analyse, die oftmals wichtige Anhaltspunkte bietet. Zudem hatten die deutschen Standardwerte Mitte März auf diesem Niveau ein wichtiges Zwischenhoch (11.032 Punkte) ausgebildet.
In der vergangenen Woche gab es schon zwei Abwärtskurslücken. Diese entstehen, wenn der tiefste Punkt eines Handelstags über der höchsten Notierung des Folgetags liegt. Solche Kurslücken sind quasi eine Neubewertung des Marktes, weil in dieser Lücke kein Handel stattgefunden hat. Die Kurslücke am Mittwoch zwischen 12.035 Punkten (tiefster Kurs am Dienstag) und 11.852 Zählern (höchste Notierung am Mittwoch) ist ein Indikator für die schwache Verfassung des Marktes in der vergangenen Woche.
Auf der Oberseite würde sich die Lage erst deutlich verbessern, wenn der Dax wieder in den Bereich um 12.200 Zähler vorstoßen würde. Ein solcher Befreiungsschlag ist derzeit aber absolutes Wunschdenken, meinen die technischen Analysten der HSBC Bank.
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