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Dax aktuellDax schließt im Minus – Profianleger haben sich von der Rally verabschiedet

Der Markt ist am Donnerstag unter der Last steigender Corona-Infektionen eingeknickt. Alle 30 Dax-Werte schließen im Minus.Jürgen Röder 15.10.2020 - 17:54 Uhr Artikel anhören

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt präsentierte sich in sehr schwacher Verfassung: Am Abend verlor der Dax rund 2,49 Prozent und notierte bei 12.703 Zählern. Damit schloss der deutsche Leitindex 100 Punkte über dem Tagestief. Das lag mit 12.600 Zählern mehr als 400 Punkte niedriger als der Vortagesschluss. Es ist der stärkste Rückgang seit gut drei Wochen

Alle 30 Dax-Werte lagen am heutigen Handelstag im Minus. Zu den größten Verlierern zählten die zyklischen Industriewerte, allen voran die Automobilhersteller: Die Papiere von VW, BASF, BMW und Daimler verloren zwischen drei und vier Prozent.

Trotz der deutlichen Verluste zum Handelsauftakt blieb der Dax weiterhin im Rallymodus, schließlich hat der Index am vergangenen Montag mit 13.151 Zählern ein neues Dreiwochenhoch erreicht. Bislang stehen aus technischer Sicht die Chancen gut, dass die Frankfurter Benchmark spätestens im November die bisherige Rekordmarke von 13.795 Punkten erreicht.

Was vor allem für bald wieder steigende Kurse spricht: In den vergangenen Handelstagen haben viele Profianleger Gewinne mitgenommen und erwarten nun fallende Notierungen. Das zeigt das aktuelle Umfrageergebnis der Börse Frankfurt, die wöchentlich mittelfristig orientierte institutionelle Investoren und Profianleger befragt.

Verhaltensökonom Joachim Goldberg, der die Umfrage auswertet, schreibt sogar von einem „Erdrutsch“ bei der Stimmung der Profianleger, weil es der stärkste Stimmungseinbruch seit dem 12. Februar war. Zur Erinnerung: Damals stieg die Frankfurter Benchmark eine Woche später auf ein neues Rekordhoch.

Nun haben die meisten ehemals optimistischen Profianleger ihre Position komplett verändert und sind in das Bärenlager gezogen. Sie haben sich nun gegen fallende Kurse abgesichert. Genau diese Kehrtwende haben die Privatanleger bereits vor einer Woche vollzogen.

Solch eine pessimistische Stimmung ist für die Sentimentanalyse ein Indikator für bald steigende Kurse, weil viele Investoren auf einen Wiedereinstieg warten.

Doch warum sind die Kurse in den vergangenen Tagen gestiegen, obwohl einheimische Profis verkauft haben? Dafür sind vermutlich professionelle Investoren aus dem Ausland verantwortlich.

Denn die Umfrage der Bank of America unter internationalen Fondsmanagern ergab eine Tendenz in die genau umgekehrte Richtung: Die Internationalen haben demnach ihre Cashquote leicht gesenkt und ihre Übergewichtung in Aktien der Euro-Zone leicht erhöht.

Das Stimmungsbild, gepaart mit einer extrem hohen Cashquote sowohl bei institutionellen als auch bei privaten Investoren hierzulande, lässt die Schlussfolgerung zu: Die Aussichten für eine Fortsetzung der Rally sind gut.

Denn die neuen Bären unter den Anlageprofis dürften vermutlich bereits bei 12.700 beziehungsweise 12.750 Zählern wieder als Käufer in Aktion treten. Sofern es überhaupt zu einem Rücksetzer dieser Größenordnung kommen sollte. „Die Chancen für eine Fortsetzung der Rally aus der vergangenen Woche stehen mindestens genauso gut“, meint Goldberg.

Auch für den Sentimentexperten Stephan Heibel ist Pessimismus fehl am Platze. „Ich würde einen Rücksetzer oder eine Korrektur als Kaufgelegenheit werten“, sagte er am Montag dieser Woche nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Heibel hatte bereits Anfang der Woche gewarnt: Die Kaufbereitschaft sei in den vergangenen Handelstagen so massiv gewesen, dass zumindest kurzfristig eine Korrektur fällig sei.

Blick auf die Einzelwerte

Drägerwerk: Die Aktien schlossen 0,8 Prozent im Minus. Der Hersteller von in der Corona-Pandemie benötigten Beatmungsgeräten steigerte seinen Umsatz nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Quartal um gut ein Drittel und den Betriebsgewinn auf 127 Millionen von 9,3 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr rechnet Dräger mit einer weiter hohen Nachfrage, kommendes Jahr dürfte aber das Umsatzvolumen unter dem derzeitigen Niveau liegen. Diese Vorhersage könnte zu vorsichtig sein, wenn man sich die derzeitigen Corona-Zahlen ansehe, sagt ein Händler.

Shop Apotheke: Die Aktien stiegen um rund 1,6 Prozent. Der Vertreiber von pharmazeutischen Produkten im Internet kündigte die vorzeitige Rückzahlung einer 135 Millionen Euro schweren Wandelanleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent und einer Fälligkeit im Jahr 2023 zum 13. November 2020 an.

Traton: Die Aktien gaben 0,2 Prozent nach. Die Volkswagen-Nutzfahrtochter stellte den übrigen Aktionären des US-Lkw-Herstellers Navistar ein Ultimatum. Das auf 43 Dollar pro Aktie erhöhte Angebot für Navistar-Aktionäre endet Freitag 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Elring-Klinger: Eine Zusammenarbeit mit dem Flugzeugbauer Airbus hat am Donnerstag die Aktien des Zulieferers Elring-Klinger beflügelt. Die Papiere legten gut 28 Prozent zu.

Die beiden Unternehmen haben sich nach Angaben vom Mittwoch auf eine langfristige Kooperation beim Thema Brennstoffzellen geeinigt, dabei geht es um ein Volumen im unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Experten von JP Morgan sprachen von einer guten Bewertung. Das Geschäft mache zudem den Weg frei für einen möglichen weiteren Einsatz der Technologie, wenn es um Langstrecken-Mobilität gehe.

In Deutschland steigen die Corona-Zahlen rasant an. Ob ein Börseneinbruch wie im März zu erwarten ist, analysiert Börsenexperte Manuel Koch mit Finanzfachmann Arthur Brunner.

Blick auf andere Assetklassen

In diesem Marktumfeld brachten viele Anleger ihr Geld am Anleihemarkt in Sicherheit: Die deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren legten zu, ihre Rendite fiel zugleich auf minus 0,614 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit dem Höhepunkt der ersten Lockdown-Welle Mitte März. Zudem trennten sie sich aber von den Papieren der südeuropäischen Länder wie Italien , Spanien oder Portugal.

Auch der Dollar war gefragt und legte zu einem Währungskorb 0,4 Prozent zu. Der Euro gab im Gegenzug 0,4 Prozent nach auf 1,1701 Dollar.

Am Rohstoffmarkt geriet der Ölpreis unter Druck. Ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 1,6 Prozent auf rund 42,63 Dollar. Die Energieagentur IEA warnte davor, dass die steigenden Neuinfektionen den Ölmarkt aus dem Lot bringen könnten. „Händler hyperventilieren derzeit über das Ausmaß, in dem die Regierungen die Mobilität der Bürger einschränken müssen, um die Ausweitung des Coronavirus unter Kontrolle zu bringen“, sagte Stephen Innes, Chefstratege beim Brokerhaus Axi.

Was die Charttechnik sagt

Angesicht der positiven Ausgangslage sollten sich Anleger auf die wichtigen Unterstützungen konzentrieren. Sollte der Dax auf Tagesschlussbasis darunter fallen, ist Vorsicht angesagt. Angesichts der Rally seit Anfang Oktober ist eine Zwischenkonsolidierung aber allemal zulässig und aus charttechnischer Sicht als „gesund“ zu werten.

Kurzfristig gibt es im Bereich von 12.900 Zählern gleich mehrere Unterstützungen, unter anderem die 55-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend vorgibt. Diese Durchschnittslinie liegt aktuell bei 12.904 Zählern.

Unterhalb dieser kurzfristigen Unterstützung käme dann der Bereich rund um 12.720 Punkte ins Spiel. Dort existiert eine kleine Aufwärtskurslücke von Anfang Oktober. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Konkret: 12.690 war der höchste Stand am Freitag (2. Oktober), 12.728 der tiefste Kurs am Montag (5. Oktober).

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Sollte das Börsenbarometer allerdings unter die Marke von rund 12.200 Zählern fallen, wäre der gesamte positive Trend aus charttechnischer Sicht in Gefahr. Dort liegt unter anderem mit 12.161 Punkten die für langfristige Investoren wichtige 200-Tage-Linie.

Auf der Oberseite gilt es, das jüngste Hoch bei 13.151 Punkten und auf Schlusskursbasis das Siebenmonatshoch bei 13.255 Zählern zu überwinden. Das wäre ein klares Signal in Richtung Rekordhoch von 13.795 Zählern.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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