1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Märkte
  4. Marktberichte
  5. Dax heute & aktuell: Index-Entwicklung und Kurse aktuell

Dax aktuellDax schließt im Plus – Der Paradigmenwechsel an der Börse setzt sich fort

Die Hedgefonds wurden für ihre Wetten auf fallende Kurse bei den Gewinnern der Coronakrise belohnt. Doch das ist nur eine Seite der Medaille.Jürgen Röder 10.11.2020 - 17:55 Uhr Artikel anhören

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Deutsche Aktienindex hat am Dienstag seine Gewinne ausgebaut. Er schließt 0,5 Prozent höher bei 13.163 Punkten. Die Aussicht auf einen Erfolg bei der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff hatte am Montag die Anleger in Hochstimmung versetzt, der deutsche Leitindex hatte zum Wochenauftakt rund fünf Prozent zugelegt.

Die Meldung, dass bald ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte, verändert auf einen Schlag die Börsenwelt. Der gestrige Handelstag war ein „Gamechanger“, ein Paradigmenwechsel an der Börse. Das zeigen auch die deutlichen Kursdifferenzen in den einzelnen Indizes zwischen Verlierern und Gewinnern. Im MDax schoss der Flughafenbetreiber Fraport um 33 Prozent in die Höhe, die Shop-Apotheke rutschte um knapp 19 Prozent ab (eine Übersicht der Gewinner- und Verliererbranchen von Montag finden Sie hier).

Und die Tendenz setzt sich auch an diesem Dienstag fort. Gefragt sind nun wieder klassische Konjunkturwerte aus den Branchen Auto, Chemie, Anlagen und Maschinen, die in den vergangenen Monaten im Schatten der Corona-Gewinner aus der Internetwelt standen. Vor allem die Corona-Verlierer wie Reise- und Freizeitwerte setzen ihre Vortagesrally fort.

Die Titel des Flughafenbetreibers Fraport steigen um weitere zehn Prozent, die Aktie der Kranich-Airline Lufthansa um weitere sieben Prozent. Ein erfreuliches Bild zeigen weiterhin die Finanzwerte. Der europäische Bankenindex legt zu. Die Aktie der Deutschen Bank gewinnt rund zwei Prozent.

Auch bei den sogenannten Corona-Gewinnern herrschte anfangs das gleiche Bild wie am Vortag. Die Papiere von Onlinehändlern standen zunächst auf der Verkaufsliste, doch später ändert sich das Bild. Die Aktie von Hellofresh dreht ins Plus und steigt um rund ein Prozent. Bei den Anteilscheinen von Delivery Hero zeigt sich ein ähnliches Bild, vormittags noch deutlich im Mimus, zum Handelsende dann gut ein Prozent im Plus.

Hingegen verlieren die Aktien der Shop Apotheke rund drei Prozent, die Titel von Zalando geben um 3,7 Prozent nach.

Das Papier des Softwarekonzerns Teamviewer steigt um 4,8 Prozent. Der Softwareanbieter traut sich nach einem guten dritten Quartal etwas mehr zu. Finanzchef Stefan Gaiser sprach von einem „vielversprechenden Start“ in das vierte Quartal. Mit Teamviewer lassen sich Computer verbinden, etwa zur Fernwartung, zur Fernsteuerung von Maschinen oder für Onlinekonferenzen.

Die Immobilienwerte Deutsche Wohnen und Vonovia, die am gestrigen Montag deutlich nachgegeben haben, verlieren vier beziehungsweise 2,5 Prozent an Wert.

Die Börsenrally hinterlässt auch Spuren auf dem Anleihemarkt. Da Investoren aufgrund der Aussicht auf eine bessere Konjunkturerholung wieder risikofreudiger agieren, verlieren Anleihen an Popularität. Das drückt die Anleihekurse und stärkt parallel die Renditen.

Die technische Lage für den Dax hat sich nach den deutlichen Kursgewinnen etwas verbessert, doch eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Immer noch steckt der deutsche Leitindex in der monatelangen Seitwärtsspanne zwischen 13.400 Punkten auf der Ober- und 12.200 Zählern auf der Unterseite. Diese Schiebezone hatte der Index nach dem Kursrutsch Ende Oktober nur kurzfristig verlassen.

Erst Kurse oberhalb von 13.400 Zählern, besser noch über 13.460 Punkte, würden das eindeutige Signal für einen Angriff auf das Rekordhoch von 13.795 Zählern geben.

Festtag für die Shortseller

Der gestrige Montag war auch ein wahrer Festtag für die Shortseller. Denn die Fonds hatten in den vergangenen Wochen auf fallende Kurse bei einigen Gewinneraktien der Coronakrise gesetzt. Wie zum Beispiel bei der MDax-Aktie Hellofresh, die am Montag rund 15 Prozent verlor.

Während sich der Aktienkurs von Hellofresh seit Mitte März bis zum vergangenen Freitag mehr als verdoppelte, erhöhten Shortseller peu à peu ihre Leerverkaufsquote. Von null Prozent Anfang April auf 4,84 Prozent nach den aktuellsten Daten des Bundesanzeigers vom vergangenen Freitag.

Deutlich höher waren diese Shortspekulationen bei kleineren Werten, wie zum Beispiel bei der niederländischen Versandapotheke Shop Apotheke. Laut der niederländischen Website betrug die Shortquote zuletzt 8,39 Prozent aller frei handelbaren Aktien. Das Papier stieg seit dem Corona-Crash Mitte März bis zum Freitag um mehr als 350 Prozent, rutschte dann am Montag um knapp 19 Prozent ab.

Allerdings sind solche Geschichten nur die eine Seite der Medaille. Viele Hedgefonds haben immer noch eine hohe Leerverkaufsquote bei den sogenannten Verliereraktien der Coronakrise. Das beste Beispiel ist Lufthansa, die Aktie legte am Montag knapp 20 Prozent zu. Doch laut den Daten des Bundesanzeigers vom vergangenen Freitag lag die Shortquote bei 11,48 Prozent. Noch am Freitag hatten zwei Hedgefonds erhöht.

Haben die Hedgefonds am Montag ihre Wette aufgelöst und waren für einen großen Teil der Kursgewinne verantwortlich?

Shortseller setzen mithilfe von Leerverkäufen bei einzelnen Unternehmen auf fallende Kurse. Dafür leihen sich die unregulierten Investmentfonds die entsprechenden Aktien gegen eine Gebühr. Anschließend verkaufen sie die Papiere in der Hoffnung, sie zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen. Die Differenz ist der Gewinn. Ein Teil des Rückkaufs könnte für die Kursanstiege mitverantwortlich gewesen sein. Das dürften die neuen Zahlen des Bundesanzeigers verdeutlichen, die für den gestrigen Handelstag spätestens am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden.

Es dürfte auch für Privatanleger spannend zu beobachten sein, wie die Hedgefonds in den kommenden Tagen agieren. Es wird sich zeigen, ob sie auf einen weiteren Kursverfall bei Hellofresh und Co. setzen. Auch wird sich aufzeigen lassen, ob sie ihre Shortwetten auf die Corona-Verlierer auflösen und damit den Aktienkurs unterstützen.

Blick auf die Einzelwerte

Adidas: Der Dax-Konzern Adidas stellt sich nach einem Aufwärtstrend im dritten Quartal auf weitere Belastungen durch die Maßnahmen in der Coronakrise ein. Die Erholung wird nun von neuen Ladenschließungen gebremst. Deswegen verliert das Papier 5,8 Prozent.

Deutsche Post: Wegen des Booms im Onlinehandel hat die Deutsche Post DHL deutlich mehr Pakete verschickt als erwartet. In der Sparte Post & Paket Deutschland gab es allerdings auch Schattenseiten: Die Briefmenge schrumpfte schneller als zuvor, zudem ging das Geschäft mit lukrativen Werbesendungen deutlich zurück. Grund hierfür: die knappen Kassen von Firmenkunden in Corona-Zeiten. Das Papier gibt um 4,8 Prozent nach.

Biontech: Die Aktien des Impfstoffentwicklers bauen ihre Gewinne aus und legen in Frankfurt rund drei Prozent zu. Das Unternehmen hatte am Montag mit den ermutigenden Studienergebnissen zum Corona-Impfstoff die Börsen weltweit in Euphorie versetzt. Der Impfstoffentwickler hat im dritten Quartal unter anderem auch aufgrund gestiegener Forschungs- und Verwaltungskosten seine Verluste ausgeweitet. Netto fiel ein Minus von 210 Millionen Euro an nach einem Minus von 30,1 Millionen vor Jahresfrist. Kumuliert ergab sich in den ersten neun Monaten ein Fehlbetrag von 351,7 Millionen Euro.

Blick auf andere Assetklassen

Nach einem Plus von fünf Prozent am Montag ist die Lira wieder auf Kurs, was bedeutet: Sie fällt wieder. Im Gegenzug steigt der Euro wieder um zwei Prozent auf 9,74 Lira. Das Rekordhoch liegt bei 10,19 Lira.

Warum ist die Lira am Montag dann so deutlich gestiegen? Der Verdacht liegt nahe, dass der Kurs von den türkischen Behörden gesteuert wurde. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Zentralbank hohe Summen für solch unsinnige Vorhaben ausgibt. Die US-Bank Goldman Sachs ging vor einigen Wochen bereits davon aus, dass die Türkei allein in diesem Jahr fast 80 Milliarden Dollar verbrannt hat, um die Währung zu stützen.

Die andere Version: Der neue Notenbankchef der Türkei will mit einem kompletten Neuanfang die Lira-Krise beenden. Doch Naci Agbal gilt als Erdogan-Vertrauter. Und der Staatspräsident ist mit seinen Forderungen nach niedrigen Zinsen die Ursache für den Lira-Verfall.

„Jede Person, die in einem derart unsinnigen Handlungsrahmen für die Geldpolitik zuständig und nicht in der Lage ist, die Zinsen so stark anzuheben, wie es zur angemessenen Bekämpfung der Inflation notwendig wäre, wird letztendlich genauso enden“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Tatha Ghose. Mit „genauso enden“ ist gemeint: Agbal ist der vierte Vorsitzende der Notenbank binnen fünf Jahren.

Am Rohstoffmarkt überwiegt am Dienstag die Zuversicht. Der Ölpreis steigt, ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verteuert sich bis zum Abend um gut zwei Prozent auf 43,28 Dollar. Leichtes US-Öl kostet 41,17 Dollar – das entspricht ebenfalls einem Plus von zwei Prozent.

Commerzbank-Experte Eugen Weinberg geht aber nicht von einer Trendwende aus. Fundamentale Gründe für einen stärkeren Preisanstieg gebe es kaum. Unter anderem musste Saudi-Arabien seinen asiatischen Kunden für Dezember wegen der verhaltenen Nachfrage Preisnachlässe gewähren. „Es steht daher außer Frage, dass die Opec und ihre Verbündeten schnell etwas unternehmen müssen, um einen erneuten Preisrutsch zu verhindern“, prognostizierte Weinberg.

Der Goldpreis erholt sich wieder und notiert am Abend rund ein Prozent im Plus bei 1884 Dollar. Am gestrigen Montag rutschte der Preis für ein Feinunze (31,1 Gramm) zwischenzeitlich um rund 100 Dollar bei auf 1850 Dollar ab. Das gelbe Edelmetall gab in der Spitze sämtliche Gewinne seit Ende Oktober auf einen Schlag wieder ab, während Aktien wegen des steigenden Risikoappetits kräftig zulegten. Damit brach auch die zuvor positive Korrelation zwischen Gold und Aktien zusammen.

Sollte ein effektiver Impfstoff verfügbar sein, würde Gold einer wichtigen Antriebskraft beraubt, der stetig wachsenden Geldflut aufgrund der Wirtschaftsschwäche. „Noch ist es aber verfrüht, Corona zu den Akten zu legen“, meinen die Rohstoff-Analysten der Commerzbank. Bis ein Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stehe und eine flächendeckende Immunisierung erreicht worden sei, werde es noch dauern.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax zeigt eine hohe Aufwärtsdynamik. Drei Aufwärtskurslücken in den vergangenen fünf Tagen sind ein deutliches Indiz dafür.

Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie gelten laut Charttechnik als Unterstützung und können entsprechend als mögliche Stop-Loss-Marke für strategische Investoren genutzt werden. Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am gestrigen Montag.

Auch das Handelsvolumen der Dax-Werte war am gestrigen Montag sehr hoch und entspricht der Börsenregel, dass steigende Kurse bei hoher Handelsaktivität den Trend untermauern.

Die nächste wichtige Widerstandszone liegt beim Verlaufshoch am gestrigen Montag mit 13.297 Punkten und erstreckt sich bis zum Hoch aus dem Monat September mit 13.460 Zählern. Dort liegt das sogenannte Corona-Hoch, der höchste Stand seit dem Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte. Sollte der Dax die Marke überwinden, gerät das Rekordhoch mit 12.795 Punkten ins Visier.

Verwandte Themen
Dax
Commerzbank
Lufthansa
Teamviewer
Adidas
MDax

Auf der Unterseite hat neben den drei offenen Aufwärtskurslücken der Bereich um 12.200 Punkte enorme Bedeutung. Dort liegt beispielsweise die 200-Tage-Linie, die von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notiert aktuell bei 12.065 Zählern und ist damit die wichtige, quasi letzte Unterstützung, die halten muss.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt