Dax Aktuell: Dax schließt mehr als 200 Punkte höher – Varta-Erfolgsstory geht weiter
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Der deutsche Leitindex hat am Dienstag seinen Erholungskurs fortgesetzt. Er schloss 1,8 Prozent im Plus bei 13.281 Zählern. Bereits am Montag hatte das Börsenbarometer ein halbes Prozent zugelegt. In der Vorwoche hingegen hatte der deutsche Leitindex wegen Ängsten vor den Folgen des Corona-Virus 4,4 Prozent an Wert eingebüßt.
Ist der jetzige Aufschwung schon eine Trendwende? Nein, sagt die Sentiment-Analyse. Obwohl viele Anleger den Ausverkauf in der vergangenen Handelswoche offensichtlich als lang ersehnte Kaufgelegenheit sehen. Es fehlt noch eine richtige Panik unter den Anlegern, ein Ausverkauf mit hohen Umsätzen während eines Abwärtstrends, der anschließend in einen extremen Pessimismus der Anleger mündet. Denn das ist aus Sicht der Sentiment-Analyse ein wichtiger Indikator für eine bevorstehende Trendwende.
Dann haben viele Investoren – Börsenaltmeister André Kostolany nannte sie die „zittrigen Hände“ – ihre Aktien verkauft. Anschließend genügen schon wenige Käufe, damit die Kurse wieder steigen.
Denn auch wenn sich die Aktienmärkte aktuell weltweit beruhigen: Das Thema Coronavirus ist noch nicht beendet. Medienberichten zufolge soll China das offizielle Wachstumsziel für 2020 auf unter sechs Prozent senken, was aber erst Anfang März bekannt gegeben werden soll. Im Reich der Mitte steht nun die Virus-Bekämpfung an erster Stelle.
Der Markt dürfte sich deshalb weiterhin von Schlagzeilen leiten lassen. Solange sich nicht abzeichnet, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung der Virusinfektion greifen, indem beispielsweise die Fallzahlen konstant bleiben, dürften die Kursanstiege an den Aktienmärkten begrenzt blieben.
Einen großen Einfluss haben die Entwicklungen rund um das Coronavirus auf den Ölpreis, der seit der Ausbreitung um 20 Prozent eingebrochen ist. Experten sprechen von einem Bärenmarkt, der weiter fallende Preise erwarten lässt. China ist der größte Ölimporteur der Welt und einer der wichtigsten Handelspartner für die Ölmacht Saudi-Arabien.
Am heutigen Dienstag konnten sich die Ölpreise wieder etwas von den einjährigen Tiefständen erholen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 54,74 US-Dollar. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI lag bei 50,42 Dollar.
In der Nacht auf Dienstag waren die Rohölpreise auf den tiefsten Stand seit gut einem Jahr gefallen. Amerikanisches Rohöl hatte erstmals seit Januar 2019 weniger als 50 US-Dollar gekostet.
Die wieder aufgeflammte Sorge vor einem harten Brexit setzte außerdem das Pfund Sterling unter Druck. Die britische Währung verbilligte sich am Dienstag zeitweise um 0,4 Prozent auf 1,2945 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit Weihnachten. Hintergrund sind die sich abzeichnenden harten Verhandlungen über die künftigen Handelsbeziehungen nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Danach stieg das Pfund aber wieder auf 1,3017 Dollar, ein Plus von 0,2 Prozent.
Wegen der Verunsicherung durch den Coronavirus-Ausbruch rentieren wieder mehr europäische Staatsanleihen unter null Prozent. Ende Januar seien Papiere im Volumen von 5,27 Billionen Euro ein Verlustgeschäft gewesen, teilt die Handelsplattform Tradeweb mit. Dies entspreche einem Anteil von etwa 65 Prozent. Im Vormonat hätten Papiere im Volumen von 4,14 Billionen Euro im negativen Bereich rentiert.
Gold steht seit Montag unter Abgabedruck und rutschte unter 1.570 Dollar je Feinunze. Damit beläuft sich das Minus seit dem Hoch vom Wochenauftakt auf mehr als 20 Dollar.
Neben dem ruhigen Handel an den Märkten insgesamt lastet auch die schwache physische Goldnachfrage in Indien auf dem Preis für das gelbe Edelmetall. Inoffiziellen Angaben zufolge sanken die indischen Goldimporte im Januar auf knapp 22 Tonnen. Sie lagen damit nur halb so hoch wie im Vorjahr. Nachfragebelastend waren die rekordhohen lokalen Preise und die schwache Wirtschaftsentwicklung. Hoffnungen auf eine Absenkung der Importsteuer wurden im aktuellen Haushaltsplan von der Regierung nicht erfüllt.
Blick auf die Einzelwerte
Wirecard: Nach der Achterbahnfahrt am Montag schloss die Aktie des Online-Zahlungsdienstleisters 4,26 Prozent im Plus. Am Montag hatte das Papier zwischenzeitlich mehr als vier Prozent nachgegeben, ging jedoch nur mit einem Minus von 0,5 Prozent aus dem Handel. Grund war die Meldung der „Wirtschaftswoche“, dass der Dax-Konzern noch keine Lizenz besitze, um auch in Zukunft bestimmte Zahlungsdienstleistungen in Singapur anbieten zu dürfen.
Varta: Die Erfolgsstory beim Batteriehersteller ging an diesem Dienstag weiter. Die Aktie legte mehr als sechs Prozent zu. In den vergangenen zwölf Monaten stieg das Papier um knapp 130 Prozent. Allerdings hat diese Story in den vergangenen Wochen erhebliche Kratzer bekommen, seit Jahresanfang ist das Papier knapp 30 Prozent abgerutscht. Bei all dem Hype um den Titel: Batterien sind ein Massenprodukt. Das Unternehmen konnte einen sprunghaft angestiegenen Bedarf befriedigen können. Die Frage lautet aber auch: Bleiben mittelfristig die Wachstumsrate und die Gewinnmarge auf solch einem hohen Niveau?
AT&S: Das Coronavirus setzt dem in China tätigen Leiterplattenhersteller AT&S zu. Die Aktien des österreichischen Konzerns notierten zeitweise knapp 14 Prozent im Minus. Zum Handelsschluss betrug das Minus nur noch 6,5 Prozent. Das Unternehmen hatte wegen des Coronavirus seine Jahresziele gestutzt. Keinerlei Auswirkungen hat das auf die deutschen Hersteller. Im Gegenteil: Infineon-Papiere legten mehr als drei Prozent zu.
Was die Charttechnik sagt
Der deutsche Leitindex hat am gestrigen Handelstag erste Stabilisierungstendenzen gezeigt. Das Tagestief vom vergangenen Freitag mit 12.973 Punkten wurde am Montag mit 12.987 Zählern nicht mehr unterschritten. Kurzfristig bietet dieser Bereich die erste Unterstützung.
Es lohnt sich auch, den Anstieg seit Oktober bis zum Rekordhoch Ende Januar genauer zu analysieren. Die Minimalkorrektur dieses Anstiegs von 11.878 (Anfang Oktober) bis auf 13.640 Punkten (22. Januar) liegt bei 12.967 Zählern und damit nahe an den Tagestiefs der vergangenen beiden Handelstage.
Um diese charttechnische Minimalkorrektur zu erreichen, hat es nur acht Handelstage gebraucht. Entsprechend gilt der Index aus technischer Hinsicht als überverkauft, er ist zu schnell zu tief gefallen. Ohne neue Hiobsbotschaften aus China dürfte die Frankfurter Benchmark in den kommenden Tagen nicht weiter fallen.
Unterhalb der Minimalkorrektur bieten die Normal- (12.759 Punkte) und die Maximalkorrektur dieser Bewegung die nächste Unterstützung.
Die erste Hürde bei weiter steigenden Kurse bietet die Kombination aus der 50-Tages-Linie (aktuell bei 13.272 Punkten), Indikator für den mittelfristigen Trend, und der jüngsten Abwärtskurslücke bei 13.262/13.296 Punkten.
Solche Abwärtskurslücken (Fachbegriff: Gap) entstehen, wenn das Tagestief des Vortages über dem Tagestief des anschließenden Handelstages liegt. Solche Kurslücken dienen anschließend als wichtige Unterstützung oder als Widerstand. Kurzfristig handelnde Investoren können diese Bereiche als Absicherung nehmen oder, je nach Situation, auch als mögliche Wiedereinstiegsmarke, wenn die Lücke geschlossen wird.
Handelsblatt-Analystencheck: JP Morgan bekräftigt Kaufempfehlung für Siemens-Aktie
Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Siemens nach einer Gewinnwarnung von Siemens Gamesa und Quartalszahlen von Siemens Healthineers auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 130 Euro belassen. Sowohl bei Siemens Gamesa als auch bei Siemens Healthineers seien die Aufträge gut gewesen, schrieb Analyst Andreas Willi in einer am Montag vorliegenden Studie. Ein Kurstreiber für die Aktien des Mutterkonzerns könne die Abspaltung der Kraftwerkssparte sein. Im Segment Automatisierung dürfte es im laufenden Jahr eine Erholung geben. Und schließlich könne Siemens auch von Kosteneinsparungen profitieren.
Insgesamt 39 Studien im Handelsblatt-Analystencheck beschäftigen sich mit der Siemens-Aktie. Den 27 Kaufempfehlungen steht zwölfmal der Rat „halten“ gegenüber. Keine Analyse empfiehlt, das Papier zu verkaufen. Das gewichtete Kursziel sämtlicher Analysen liegt bei 125,11 Euro und damit über dem aktuellen Kurs von rund 112 Euro. Bei einem gewichteten Kursziel haben jüngere Studien einen höheren Einfluss.
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