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Dax aktuellTrump-Aussage verunsichert Anleger – Dax schließt fast zwei Prozent im Minus

Der US-Präsident verschärft den Handelsstreit mit China mit einer neuen Drohung. Und Finanzinvestor Permira hat bei Teamviewer Kasse gemacht, der Aktienkurs bricht ein.Jürgen Röder 14.05.2020 - 18:03 Uhr

Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt bleibt in einer schwachen Verfassung. Der Dax schließt fast zwei Prozent tiefer bei 10.377 Zählern. Das Tagestief lag bei 10.160 Zählern. Bereits am gestrigen Mittwoch hatte der Dax 2,6 Prozent verloren und den Handel mit einem Punktestand von 10.543 Zählern beendet.

Der Grund, warum der Dax nachmittags plötzlich weiter abrutschte: Die USA erwägen Präsident Donald Trump zufolge, dass chinesische Konzerne amerikanische Bilanzregeln befolgen müssen, wenn sie an Börsen in den Vereinigten Staaten gehandelt werden. Danach startete der S&P 500 mit einem Minus von fast zwei Prozent in den Handel.

Trump äußerte sich am Donnerstag in einem Interview des Senders Fox Business Network zudem „sehr enttäuscht“ über China, nachdem die Coronavirus-Pandemie so kurz nach dem Abschluss des jüngsten Handelsabkommens ausgebrochen sei.

Die Spannungen zwischen den Regierungen in Washington und Peking haben sich zuletzt wieder verschärft. Trump warf China vor, für die weltweite Ausbreitung des Virus verantwortlich zu sein. Zudem diskutiert China offenbar über eine Nachverhandlung des Handelsabkommens. Trump sagte Fox dazu, es werde keine Neuverhandlungen geben.

Die Furcht vor einem Wiederaufflammen des Handelsstreits zwischen den beiden größten Volkswirtschaften beschäftigt die US-Börsen. Eine Beruhigung ist nicht in Sicht. Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, wies am Donnerstag darauf hin, dass auf dem chinesischen Volkskongress am 22. Mai auch „Reaktionen auf die politischen Maßnahmen der US-Regierung“ folgen könnten.

Trotz der deutlichen Verluste am gestrigen Mittwoch ist der Markt in einer guten Verfassung und bietet weiterhin gute Aussichten für höhere Kurse. Das meint zumindest Joachim Goldberg nach Auswertung der Sentimentumfrage der Börse Frankfurt am gestrigen Mittwochnachmittag. Befragt werden sowohl institutionelle Investoren als auch Privatanleger.

Seiner Ansicht nach kaufen die Anleger derzeit nach positiven Meldungen zu, aber reagieren auf negative Nachrichten nicht mit Verkäufen. Den Umfragedaten zufolge herrscht im Bereich von 10.100 und 10.200 Dax-Punkten eine hohe Nachfrage, die zunächst deutliche Kursverluste verhindern dürfte.

Sollte der deutsche Leitindex allerdings die Marke von 11.000 Zählern überwinden, müssten die Investoren diesen Kursgewinnen hinterherlaufen. Dann könnte der Dax rasant weitersteigen, es käme möglicherweise zu einem sogenannten Short Squeeze.

In den USA ist die Lage ähnlich: Dort herrscht ein hoher Pessimismus unter den Anlegern, für die Sentiment-Analyse ein klassischer Kontraindikator, weil – vereinfacht erklärt – pessimistische Investoren bereits verkauft haben und auf einen Wiederanstieg warten. Das dürfte nach Ansicht von Experten einen deutlichen Kurseinbruch an der Wall Street verhindern.

Die wohl interessanteste Dax-Aktie ist derzeit Wirecard, die zudem heute noch Quartalszahlen vorgelegt hat. Der Zahlungsdienstleister hat Gewinn und Umsatz nach vorläufigen Zahlen um rund ein Viertel gesteigert. Er spürt die Krise jedoch im Geschäft mit Flugkonzernen.

Die Aktie bleibt volatil: Nach einem Minus von drei Prozent zum Auftakt drehte das Papier ins Plus, schloss dann aber doch 2,7 Prozent tiefer bei 83,35 Euro. Noch Mitte April 2020 lag der Kurs bei über 140 Euro.

Derzeit läuft es offenbar auf einen großen Showdown hinaus: Wirecard gegen zehn Hedgefonds lautet das Duell. Noch am Dienstag und Mittwoch dieser Woche haben die Fonds ihre Spekulationen auf fallende Aktienkurse erneut erhöht.

Mindestens 10,4 Prozent der frei handelbaren Wirecard-Aktien sind mittlerweile in den Händen von zehn Leerverkäufern, wie aus den aktuellen Daten des „Bundesanzeigers“ vom Mittwoch dieser Woche hervorgeht. Die Quote ist extrem hoch, umgerechnet sind das 12,83 Millionen Aktien.

Leerverkäufer spekulieren auf fallende Kurse, indem sie Aktien eines Unternehmens beispielsweise bei Investmentfonds leihen und verkaufen. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist wieder zurückzugeben, müssen sie sie vorher wieder kaufen – natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs.

Das heißt, dass die Leerverkäufer insgesamt 12,83 Millionen Aktien zurückkaufen müssen, wenn sie alle ihre Wetten schließen wollen. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Tagesvolumen seit Jahresanfang liegt bei knapp 2,4 Millionen Papieren. Allerdings hat sich dieser Wert vermutlich durch das Engagement der Hedgefonds erhöht und beläuft sich in den vergangenen vier Wochen auf 3,9 Millionen Stück pro Tag.

Autoaktien gehörten zu den Schlusslichtern in Europa. Die Papiere von VW und BMW verloren etwa vier Prozent, Daimler-Titel gaben um fast fünf Prozent nach. Der europäische Branchenindex fiel um mehr als zwei Prozent. Trotz kräftiger Zuwächse in China im April dämpfte BMW Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Automärkte im Rest der Welt.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Telekom: Während alle anderen Unternehmen unter der Coronakrise leiden, kann der Telekommunikationsriese aus Bonn bei Umsatz und Gewinn zulegen. Das alles beschert dem Papier in einem schwachen Marktumfeld ein Plus von 1,3 Prozent. Die Telekom-Aktie schlägt sich in Coronazeiten vergleichsweise gut. Seit Jahresanfang ist das Papier lediglich um rund sieben Prozent gefallen.

RWE: Der Energiekonzern bestätigt die Ergebnisprognose und das Dividendenziel für 2020. RWE plant Milliardeninvestitionen in den Ausbau von Ökostrom. Die Aktie beendet den Handelstag nach einem freundlichen Auftakthandel 1,1 Prozent im Minus. Gegenüber dem Kurs am Jahresanfang notiert das Papier derzeit unverändert.

Teamviewer: Der Finanzinvestor Permira hat beim Corona-Krisengewinner Teamviewer zum zweiten Mal Kasse gemacht. Permira brachte ein Aktienpaket des schwäbischen Softwareherstellers binnen weniger Stunden für 1,03 Milliarden Euro bei großen Anlegern unter. Diese Aktion geht am aktuellen Aktienkurs nicht vorbei: Mit einem Minus von 8,1 Prozent am heutigen Donnerstag zählte das Papier zu den größten Verlierern im MDax.

Teamviewer profitiert derzeit massiv vom Trend zum Homeoffice und dem brachliegenden Flugverkehr in der Coronakrise, der die Nachfrage nach Software für Onlinekonferenzen in die Höhe schnellen lässt. Permira lässt seine Beteiligung an dem Unternehmen aus Göppingen mit der Platzierung auf 39 Prozent von 51,5 Prozent abschmelzen.

Ceconomy: Die kriselnde Elektronikhandels-Holding schreibt in der Coronakrise tiefrote Zahlen. Der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2019/20 wegen der behördlich verordneten Schließung von Märkten und hohen Abschreibungen auf die französische Beteiligung Fnac Darty einen Verlust von 309 Millionen Euro verbucht. Die Aktie rutschte als Folge 10,7 Prozent ab.

Blick auf andere Assetklassen

Gefragt sind am heutigen Mittwoch Dollar und Anleihen, die bei den Anlegern als sichere Häfen gelten. „Der Dollar baut seine Position als Schutzwährung aus“, sagte Ricardo Evangelista, Analyst beim Broker ActivTrades. Der Dollar-Index zieht an und gewinnt 0,1 Prozent auf knapp 100,36 Punkte, nachdem US-Präsident Donald Trump sich positiv zu der Stärke der US-Devise geäußert hat. Entgegen früherer Aussagen sagte Trump zum TV-Sender Fox Business, es sei „eine hervorragende Zeit, um einen starken Dollar zu haben.“ Zuvor war genau das Trump ein Dorn im Auge gewesen. Er hatte deswegen bei der US-Notenbank auf Zinssenkungen gedrängt. Der Euro fällt um 0,2 Prozent auf 1,0790 Dollar.

Dazu kamen Äußerungen von Powell, der negative Zinsen zumindest vorerst ausgeschlossen habe. Auch US-Papiere legten daraufhin zu, die Rendite sank im Gegenzug auf 0,609 Prozent. Der Goldpreis stieg auf rund 1732,80 Dollar je Feinunze.

Der Ölpreis legte zu, ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl kostete mit 26,12 Dollar 3,2 Prozent mehr, Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 3,4 Prozent auf 30,16 Dollar. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, verwies auf Anzeichen, dass das Überangebot zurückgehe.

So sanken die Lagerbestände in den USA erstmals seit Mitte Januar wieder, zudem steige die Nachfrage der Raffinerien in China stark an. Die Internationale Energieagentur rechnet zwar damit, dass die weltweite Nachfrage in diesem Jahr so stark einbrechen wird wie nie zuvor. Allerdings fiel die Schätzung um 690.000 Barrel besser aus als zuvor, weil die Restriktionen im Kampf gegen das Coronavirus nach und nach zurückgenommen würden.

Was die Charttechnik sagt

Laut charttechnischer Analyse steht der Dax vor einer wichtigen Weichenstellung. Bietet die Unterstützungszone im Bereich von 10.300 Punkten Halt?

Klar ist: Dort befindet sich ein Sammelsurium von wichtigen Unterstützungen, unter anderem mit 10.279 Zählern das Tief vom Dezember 2018, der Ausgangspunkt für die Rally bis Februar 2020. Und bei 10.250 Zählern liegt ein Verlaufstief, von dem aus der Dax wieder steigen konnte.

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Dazu gesellt sich auch die 50-Tage-Linie mit aktuell 10.277 Zählern. Diese Linie ist ein Indikator für den mittelfristigen Trend.

Auf der Oberseite liegen im Bereich um 11.000 Punkte bedeutende Widerstände. Bei 11.025 Punkten liegt beispielsweise die 50-Prozent-Korrektur der Baisse seit Februar. Denn diese Marke entspricht der Mitte der Abwärtsbewegung von 13.795 auf 8255 Zähler.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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