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Dow Jones, Nasdaq, S&P 500US-Aktienmärkte erleben schlimmste Woche seit der Finanzkrise

An den Märkten macht sich angesichts des Coronavirus Panik breit. Dank Unterstützungssignale der Fed kann die Wall Street ihre Tagesverluste aber teils eindämmen.Astrid Dörner 29.02.2020 - 00:13 Uhr aktualisiert

Händler an der Wall Street: Seit Wochenauftakt ist Wert der Unternehmen an den Börsen um fast sechs Billionen Dollar gesunken.

Foto: AP

New York. Die Furcht vor den Folgen der weltweiten Epidemie brockt den internationalen Aktienmärkten die schwärzeste Woche seit der Finanzkrise 2008 ein. Allein seit Wochenauftakt sank der Wert der Unternehmen an den Börsen um fast sechs Billionen Dollar. Eine Beruhigung ist vorerst nicht in Sicht. „Die Investoren versuchen, sich auf das Schlimmste einzustellen“, sagte John Lau, Aktienexperte beim Finanzdienstleister SEI Investments. „Das sind höchst unsichere Zeiten, keiner kennt die Antwort, und die Märkte sind in Panik.“

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete den Handelstag mit minus 357 Punkten, er schloss 1,4 Prozent tiefer auf 25.409 Punkten. Dennoch ging für das wichtige Börsenbarometer mit einem Wochenverlust von 12,4 Prozent eine der schlimmsten Börsenwochen seit Jahren zu Ende. Noch markanter waren die Einbußen zuletzt nur während der Finanzmarktkrise im Oktober 2008. Auf Vierwochensicht sieht es kaum besser aus: Mit minus zehn Prozent hat der Dow den verlustreichsten Monat seit genau elf Jahren hinter sich.

Am letztes Handelstag der Woche hätte es aber noch viel schlimmer kommen können. Der Leitindex war zwischenzeitlich mehr als 1.000 Punkte im Minus gerutscht, machte jedoch in den letzten 15 Minuten einen Großteil wieder gut. Der Rückenwind war einem Signal von Jerome Powell zu verdanken. Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve signalisierte, dass die Fed bereit zu weiteren Zinssenkungen sei, um die Lage zu stabilisieren.

„Wir werden unsere Werkzeuge nutzen und angemessen handeln, um die US-Wirtschaft zu unterstützen“, betonte Powell. „Das war auch dringend nötig, da sich viele andere Notenbanker in den vergangenen Tagen eher zurückhaltend geäußert haben“, sagte Michael Feroli, Chef-Ökonom von JP Morgan Chase.

Der technologielastige Nasdaq notierte kaum verändert bei 8567 Punkten. Der S&P 500 verlor 0,82 Prozent auf 2954,22 Punkte, nachdem es im Tagesverlauf auch für den marktbreiten Index zeitweise um mehr als drei Prozent abwärts gegangen war.

Die Bilanz dieser Woche ist vernichtend: Alle elf Branchen des S&P 500 haben ihre Zuwächse in diesem Jahr wieder abgegeben. Dabei gab es erst vergangene Woche noch ein neues Rekordhoch an den Aktenmärkten. Fast alle der größten 50 börsengelisteten Unternehmen des S&P haben mehr als zehn Prozent von ihren letzten Höchstständen verloren.

In Deutschland ging zuvor der Dax 3,9 Prozent im Minus bei 11.890,35 Punkten aus dem Handel – zwischenzeitlich hatte er noch rund 170 Stellen tiefer gelegen. Der EuroStoxx50 verlor 3,7 Prozent auf 3329,49 Zähler. Seit Wochenauftakt haben beide Barometer mehr als zwölf Prozent an Wert verloren. „Innerhalb weniger Tage wurden die Kursgewinne der vergangenen Wochen und Monate pulverisiert“, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Vor eineinhalb Wochen hatte der Dax mit 13.795 Zählern noch ein Rekordhoch markiert.

Marktteilnehmer suchen nach positiven Aspekten

Der Frust unter den Marktteilnehmern ist groß. „Wenn es noch ein paar Wochen so weiter geht, dann verlieren wir alles, was wir unter Trump gewonnen haben“, schimpfte ein Händler, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung sehen will.

Jim Paulsen, Chefstratege vom Vermögensverwalter Leuthold Group, versuchte es mit Galgenhumor. „Ich hoffe, Sie haben ein entspanntes Wochenende“, schrieb er am Freitag an seine Kunden. „Zumindest bis die Futures-Märkte am Sonntagabend eröffnen.“

Immerhin, er versucht wie andere Marktteilnehmer auch, positive Aspekte zu finden. Der Einbruch an den Aktienmärkten war „ernst und ist in einer schockierenden Geschwindigkeit passiert“, so Paulsen. Doch das habe auch zu einer schnellen Neubewertung der Aktien geführt, die zuvor überbewertet waren. „Wenn das Coronavirus den Aufschwung nicht kaputtmacht, dann gibt es an den Märkten wieder Luft nach oben.“

Auch der unabhängige Berater Ed Yardeni glaubt, dass es günstige Kaufgelegenheiten geben könnte, wenn sich die Lage etwas beruhige. „Gerade, wenn es um Aktien von gut geführten Unternehmen geht, sollten langfristig orientierte Anleger die Gelegenheit nutzen“, gab Yardeni zu bedenken. Wie viel die Fed tatsächlich ausrichten kann, ist jedoch fraglich. „Die Fed kann das Virus auch nicht eindämmen“, warnte Yardeni. Dennoch wurden die Signale der Fed am Freitag extrem positiv aufgenommen.

US-Präsident Donald Trump versuchte die Lage nach Handelsschluss zu beruhigen. Alle Corona-Patienten, die aus dem Kreuzfahrtschiff in Japan zurück in die USA transportiert wurden „machen große Fortschritte. Vielen von ihnen geht es ziemlich gut.“

Die USA hätten eine Reihe von Vorräten bestellt. Auch bei der Suche nach einem Impfstoff „erzielen wir gute Ergebnisse“, so Trump. Der Industriekonzern 3M, der die beliebte Schutzmaske N95 herstellt, kündete an, die Produktion der Masken zu erhöhen und sei dabei, zusätzliches Personal einzustellen. Die Maske sei in 60 Prozent aller Verkaufsstellen bereits ausverkauft.

Einzelwerte im Fokus

Bei den US-Einzelwerten ging es für Dell um mehr als sieben Prozent bergab. Das Unternehmen hat zwar mit seinem Umsatz die Erwartungen der Analysten erfüllt. In der Sparte Datenzentren gingen die Erlöse aber um elf Prozent auf 8,76 Milliarden Dollar zurück, während Experten hier mit 9,61 Milliarden gerechnet hatten. Die Analysten von Evercore ISI verwiesen zudem darauf, dass die Umsatzprognose auf eine Abkühlung des PC-Geschäfts im kommenden Jahr schließen lasse.

Ein Bericht über ein Übernahmeinteresse trieb die Aktien des Pharmaunternehmens Forty Seven. Sie schnellten um knapp 19 Prozent in die Höhe. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Donnerstag unter Berufung auf Insider berichtet, der Pharmakonzern Gilead Sciences habe ein Übernahmeangebot für den Medikamentenentwickler vorgelegt. Die beiden Unternehmen prüften nun eine Reihe von Optionen, darunter auch eine Partnerschaft.

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Mit Agenturmaterial von Dpa und Reuters

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