Immobilienunternehmen: Nach Spekulationen: Kursverluste bei Adler Real Estate
In der Spitze fielen die Aktien von Adler Real Estate um fast neun Prozent.
Foto: dpaFrankfurt. Ein abrupter Kursrutsch und ungewöhnlich hohe Handelsumsätze bei Aktien von Adler Real Estate haben Anleger am Donnerstag hellhörig gemacht. Die Papiere der Tochtergesellschaft der im SDax notierten Adler Group, die selbst in keinem Auswahlindex vertreten sind, fielen in der Spitze um 8,9 Prozent auf 11,60 Euro. Dabei wechselten rund zehnmal so viele Aktien wie gewöhnlich den Besitzer. Zwei Händler sprachen von vagen Gerüchten um eine Shortseller-Attacke.
Der Immobilienfirma gehören knapp 60.000 Wohneinheiten. Auf Handelsblatt-Anfrage erklärte Adler: „Wir sind uns der falschen Gerüchte bewusst, die heute Morgen im Umlauf waren.“ Es sei enttäuschend, „dass Spekulationen einen solchen Einfluss auf unsere Aktien- und Anleihekurse haben, und wir teilen die Frustration unserer Investoren. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Handelskurse vollständig erholen werden.“
Ein in London ansässiger Aktienhändler hatte laut der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, er habe Gerüchte gehört, dass ein Analystenbericht zu Adler Real Estate kursiere, bei dem es um Wetten auf fallende Kurse gehe. Verfasser solle das Analysehaus Viceroy Research sein. Hinter dem Analysehaus steckt der britische Investor Fraser Perring. Dieser erklärte auf Handelsblatt-Anfrage: „Ich stecke nicht hinter dem Einbruch oder den Gerüchten bei Adler Real Estate. Das ist reine Marktspekulation.“
Perring hatte in der Vergangenheit mit Attacken gegen den Fernsehsender Pro Sieben Sat 1, den Zahlungsdienstleister Wirecard und die Leasingfirma Grenke für Aufsehen an den Börsen gesorgt. Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse. Dabei verkaufen sie geliehene Aktien, um sie nach einem Kursrutsch billiger zurückzukaufen und dann dem Inhaber zurückzugeben.
Perring ist für knallige Analysen bekannt, die bisweilen über das Ziel hinausschießen. Gleichzeitig hat er häufig das richtige Gespür bewiesen, wenn es um problematische Unternehmen ging. So warnte er im Fall Wirecard bereits 2016, damals noch anonym, vor den Machenschaften des Konzerns. 2020 ging dieser im Zuge eines milliardenschweren Bilanzskandals unter. Auch im Fall Grenke hatte manche Kritik von Perring Substanz, etwa am dubiosen Franchise-Modell des Unternehmens.
Anmerkung der Redaktion: Die Nachrichtenagentur Reuters hat ihre ursprüngliche Meldung um folgenden Hinweis ergänzt:
Reuters konnte die Gerüchte über eine Shortseller-Attacke auf Adler Real Estate nicht verifizieren. Auch legten die in dem Bericht genannten Händler keine Beweise dafür vor, dass es einen Analysebericht von Viceroy Research oder einem anderen Shortseller zu dem Unternehmen gibt.