Justiz: Warum Anleger im Lombardium-Skandal seit Jahren auf den Prozess warten
Berlin, Düsseldorf. Patrick Ebeling genießt sein Leben an Bord der Segeljacht Sea Cloud II. Früher war er die Schlüsselfigur des Pfandleihhauses Lombardium, heute rekelt er sich entspannt an Deck im hölzernen Liegestuhl und strahlt über ein Glas Weißwein in die Kamera. Vermutlich schipperte er nach Venedig. Ein Foto vom Canal Grande zeigte er in seinem WhatsApp-Kanal gleich mit. Eine Woche Kreuzfahrt auf der weißen Jacht kostet mehr als 4000 Euro.
Viele seiner ehemaligen Geldgeber machen diese Bilder wütend. Sie haben Lombardium insgesamt rund 120 Millionen Euro anvertraut. Dann erhielten sie weder die versprochene Rendite von mindestens sieben Prozent noch ihr Geld zurück. Lombardium gilt als einer der größten Anlageskandale des vergangenen Jahrzehnts. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelte und sah ein illegales „Schneeballsystem“. Im August 2020 klagte sie Ebeling und sieben Mitarbeiter wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 1730 Fällen an.
Seitdem kommt die Hamburger Justiz nicht voran. „Die Anklage leidet an schweren Mängeln“, sagt Ebelings Strafverteidiger. Der Wiesbadener Jurist Alfred Dierlamm hat beim Landgericht Hamburg einen Nichteröffnungsantrag gestellt. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten seien „vollständig unbegründet”.
Beim Landgericht steckt die Anklage im sogenannten Zwischenverfahren fest. Das heißt, sie ist noch nicht zugelassen. Termine für eine Hauptverhandlung sind so nicht absehbar, ein Urteil erst recht nicht. Dabei warten Tausende Anleger seit acht Jahren und länger auf ihr Geld.
50 Millionen Euro sollen die Angeschuldigten laut Staatsanwaltschaft anders verwendet haben, als sie es einst den Anlegern erzählten. Die sind empört. In Hamburg gebe es einen „Justizskandal“, der das Vertrauen in den Rechtsstaat massiv erschüttere, schrieb die Rechtsanwältin Katja Moers Ende April an die Hamburger Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne).