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Risiko- und Kreditkompass 2021Schufa: Bund federt Überschuldungswelle ab

Die Auskunftei Schufa hat ihre Analyse zum privaten Kredit- und Konsumverhalten im Jahr 2020 vorgelegt. Die Zahl der Privatinsolvenzen sorgt für eine Überraschung.Frank Matthias Drost 18.05.2021 - 06:58 Uhr Artikel anhören

Förderinstrumente erzielten offenbar die gewünschte Wirkung.

Foto: imago/Ikon Images

Berlin. Die in der öffentlichen Diskussion häufig beschworene Welle von Überschuldung und Privatinsolvenzen ist im vergangenen Jahr ausgeblieben. Das stellt die Auskunftei Schufa in ihrem Risiko- und Kreditkompass 2021 fest, der dem Handelsblatt vorab vorliegt.

Für Ole Schröder, Vorstandsmitglied der Schufa Holding AG, ist das maßgeblich den umfassenden Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung zu verdanken. „Das Rückzahlungsverhalten der Verbraucher in Deutschland ist auch in der Coronakrise auf konstant hohem Niveau“, sagt Schröder.

Die Pandemie hatte die Wirtschaft 2020 fest im Griff. Die Wirtschaftsleistung brach ein, die Arbeitslosigkeit nahm zu, die Anträge auf Kurzarbeitergeld schnellten nach oben. Viele rechneten mit einer zunehmenden Zahl von überschuldeten privaten Haushalten. Doch staatliche Hilfen haben auch nach einer Analyse des Ifo-Instituts die Einkommensverluste in der Coronakrise deutlich verringert.

Der Risiko- und Kreditkompass belege erneut, dass die Verbraucher in Deutschland auch in schwierigen Zeiten wie aktuell ihre finanziellen Möglichkeiten im Blick haben und verantwortungsvoll mit Geld und Krediten umgingen, bekräftigt Schröder von der Schufa. So wurden 97,9 Prozent aller Konsumentenkredite ordnungsgemäß zurückgezahlt. Diese Quote entspricht den beiden Vorjahren, in denen die Krise nicht in Sicht war.

Im Jahr der Pandemie sank die Anzahl der neuen Kreditverträge weiter – und zwar um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings gab es gegen den Trend beispielsweise eine Ausnahme in der Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen. Hier nahm die Zahl zu. Die Schufa bemerkt dazu, dass Menschen ab 70 Jahren bis vor Kurzem noch nicht die Möglichkeit hatten, einen Ratenkredit abzuschließen, weil die Banken dies häufig ablehnten. Die geänderte Geschäftspolitik der Banken dürfte unter den Älteren zu einem gewissen Nachholbedarf führen.

Gesetzesänderung beeinflusst Zahlen

Kräftig gesunken ist die Zahl der Verbraucher, die Privatinsolvenz anmeldeten, die also ihren Zahlungsverpflichtungen dauerhaft nicht mehr nachkommen können. Nach den Schufa-Daten verringerte sich deren Zahl um ein Drittel auf rund 41.800.

Allerdings hängt dieser starke Rückgang an Privatinsolvenzen wahrscheinlich mit einer Gesetzesänderung zusammen. Danach können Verbraucher, die ab dem 1. Oktober 2020 eine Privatinsolvenz beantragt haben, bereits nach drei Jahren von der Restschuld befreit werden. Zuvor waren es sechs Jahre. „Möglicherweise wurden Privatinsolvenzen hinausgeschoben“, vermutet die Schufa. Im aktuellen und kommenden Jahr könnte die Zahl somit deutlich ansteigen.

Die niedrigeren Insolvenzzahlen deuten darauf hin, dass sich viele Bürger durch Kurzarbeit und Ersparnisse finanziell über Wasser halten konnten. Auch der pandemiebedingt geringere Konsum habe zu niedrigeren Ausgaben beigetragen.

Bei mehr als 91 Prozent nur positive Informationen

Die Schufa, die mehrheitlich den Kreditinstituten gehört, verfügt von allen Auskunfteien über den größten Datenschatz. Bei ihr sind Informationen von 68 Millionen Privatpersonen und sechs Millionen Unternehmen gespeichert. Die Auskunftei vermerkt personenbezogene Daten wie Name, Geburtstag und Anschrift von Verbrauchern und auch bonitätsrelevante Angaben etwa über laufende Kredite, Kredithöhen und Zahlungsausfälle.

Nach eigener Angabe liegen der Schufa für über 91 Prozent der Erwachsenen im Land nur positive Informationen vor. Es kam demnach kaum zu Zahlungsstörungen. Gegenüber 2019 ging der Anteil minimal zurück.

Im regionalen Vergleich gibt es deutliche Unterschiede beim Zahlverhalten. In Bayern und Baden-Württemberg gab es 2020 die geringsten Zahlungsschwierigkeiten. Der Anteil der Personen, zu denen die Schufa mindestens ein Negativmerkmal gespeichert hatte, erreichte in Bayern 6,6 Prozent, in Baden-Württemberg waren es 7,1 Prozent. Im Bundesdurchschnitt lag der Wert bei neun Prozent. Negativmerkmale sind beispielsweise ausreichend angemahnte Forderungen.

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Am höchsten waren die Zahlungsschwierigkeiten bei Einwohnern Bremens und Berlins. Der entsprechende Anteil des norddeutschen Stadtstaates lag bei 11,9 Prozent, in der Bundeshauptstadt bei 11,5 Prozent.

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