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  5. Sparbuch: Lohnt sich das klassische Sparkonto noch?

SparkontoIst ein Sparbuch noch sinnvoll?

Ein Sparbuch ist ein kostenloses, klassisches Sparkonto bei einer Bank oder Sparkasse – und bis heute weit verbreitet. Aber lohnt sich diese Art der Geldanlage überhaupt noch?Kai Thomas 20.12.2024 - 15:24 Uhr Artikel anhören
Bargeld bei der Bank aufs Sparbuch einzahlen? Das war vor einigen Jahren absolut üblich. Foto: dpa

Düsseldorf. Sparbuch und Sparkonto zählen, nach dem Girokonto, auch heute noch zu den beliebtesten Arten der Geldanlage. Rund 35 Prozent der Deutschen nutzten sie im Jahr 2024, ergab eine Umfrage des Verbands der Privaten Bausparkassen mit mehr als 2000 Teilnehmern. 2015 waren es demnach sogar noch mehr als 50 Prozent.

Doch egal, wie weit verbreitet es sein mag: Ein Sparbuch ist heute kaum mehr zeitgemäß. Das Handelsblatt klärt die wichtigsten Fragen.

Was ist ein Sparbuch?

Ein Sparbuch ist ein klassisches, kostenloses Sparkonto bei einer Bank. Es hat keine Laufzeit und bietet variable Zinsen. Bekannt ist vor allem das rote „Sparkassenbuch“ der Sparkassen. Aber auch von Volksbanken, Commerzbank und der Deutschen Bank gibt es Sparbücher. Genauer handelt es sich dabei um eine Sparurkunde, die Kunden als kleines gedrucktes Büchlein erhalten. In ihm vermerkt die Bank ein- und ausgehende Zahlungen.

Beim klassischen Sparbuch ist für eine Ein- oder Auszahlung eine Vorlage am Bankschalter nötig. Beim sogenannten „Namenssparbuch“ sind dazu nur Personen berechtigt, die im Buch vermerkt sind. Bei einem „Überbringersparbuch“ zahlt die Bank an jeden aus, der das Buch vorlegt. Um welche rechtliche Form es sich handelt, ist im jeweiligen Vertrag festgehalten.

Mittlerweile ersetzt ein Sparkonto mit „Sparcard“ oft das Sparbuch aus Papier. Auf ihm werden, ähnlich wie bei Bankkarten für ein Girokonto, alle Ein- und Auszahlungen sowie Zinsgewinne digital vermerkt. Mit der Sparcard lässt sich auch Geld am Automaten abheben und einzahlen. Überweisungen oder Lastschriften sind damit aber nicht möglich.

Wie viel Zinsen gibt es auf dem Sparbuch 2024?

Sparbuchzinsen sind variabel und passen sich der Marktlage an. Auf ein Sparbuch gibt es aktuell durchschnittlich 0,73 Prozent Zinsen pro Jahr (Stand: Oktober 2024). Das zeigen Daten der Bundesbank zu Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Aufgrund dieses niedrigen Zinsniveaus bieten viele Banken das Sparbuch nicht mehr für Neukunden an.

Konkret liegt der Zinssatz für Geld auf einem Sparbuch beispielsweise bei der Sparkasse Düsseldorf bei 0,1 Prozent oder bei der Volksbank Thüringen Mitte bei 0,25 Prozent. Die Bank für Absatzfinanzierung, kurz akf Bank, bietet noch drei Prozent Zinsen. Dies ist aber, wie auch das Sparkonto-Angebot der Volkswagen Bank mit immerhin zwei Prozent, die Ausnahme (Stand: Dezember 2024).

Was sind die Nachteile von einem Sparbuch?

Ein Sparbuch gilt heute als nicht mehr zeitgemäß und sinnvoll, weil seine Nachteile überwiegen:

  1. Geld auf einem Sparbuch vermehrt sich so gut wie nicht durch Zinsen, sondern vorrangig noch durch Einzahlungen. „Die Zinsen bei diesen Konten haben sich zuletzt kaum bewegt und sind noch immer sehr niedrig“, erklärt Finanzberaterin Stefanie Kühn.
  2. Sparguthaben und erzielte Zinsgewinne verlieren durch die Inflation langfristig an Wert. Die jährliche Inflationsrate liegt mit derzeit 2,2 Prozent deutlich höher als durchschnittliche Zinsen von unter einem Prozent auf Sparbüchern. Die reale Wertentwicklung ist deshalb auf den meisten Sparkonten negativ (Stand: Dezember 2024).
  3. Ein Sparbuch ist unflexibel. „Sparkonten haben in der Regel ein Abhebelimit von maximal 2000 Euro pro Monat“, erläutert Sebastian Schick, Chefredakteur des Verbraucherratgebers Biallo. Wer kurzfristig mehr Geld benötigt oder das Konto sogar komplett leeren möchte, muss es kündigen oder zusätzliche sogenannte Vorschusszinsen zahlen. Sie betragen in der Regel ein Viertel des Sparbuch-Zinssatzes und fallen beim aktuellen Zinsniveau deshalb sehr gering aus.

Hinzu kommt bürokratischer Aufwand, wenn Besitzer ihr Sparbuch verlieren. Sie müssen bei der Bank vor Ort ein Ersatz-Sparbuch beantragen und ihre Identität nachweisen. Für das erneute Ausstellen können dann Gebühren anfallen.

Was sind die Vorteile eines Sparbuchs?

Sparbücher waren in Deutschland lange sehr beliebt, weil sie als besonders risikoarme, sichere Geldanlage gelten, bei der das Sparen im Vordergrund steht.

Zudem gab es auf Sparbücher in der Vergangenheit höhere Zinsen: Anfang des Jahrtausends laut Bundesbank noch bis zu zwei, in den 1970er-Jahren sogar bis zu fünf Prozent im Jahr.

Sparbücher boten deshalb auch Kindern und Jugendlichen einen einfachen Weg, den Umgang mit Geld und Sparen zu lernen. Heute gelten sogenannte Junior-Depots und Tagesgeldkonten als bessere Alternative.

Ist ein Sparkonto sicherer als ein Girokonto?

Geld auf Sparkonten und Girokonten ist in Deutschland vergleichbar gut abgesichert. Bis zu 100.000 Euro sind auf einem Sparbuch, Spar- oder Girokonto grundsätzlich durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Geht eine Bank pleite, bekommen Kontobesitzer ihr Geld darüber garantiert zurück.

Die sogenannte freiwillige Institutssicherung sichert darüber hinaus Geld in unbegrenzter Höhe auf Sparbüchern und Girokonten der Sparkassen sowie Raiffeisen- und Volksbanken vor dem Verlust.

Mehr als 100.000 Euro auf Sparbüchern und Girokonten der Commerzbank, Deutschen Bank und weiterer Privatbanken schützt der freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands. Er haftet ab 2025 für mindestens 437.500 Euro und maximal drei Millionen Euro pro Kunde und Bank. Ab Anfang 2030 gilt eine Obergrenze von einer Million Euro.

Was ist besser: Sparbuch oder Tagesgeldkonto?

Dank höherer Zinsen gilt ein Tagesgeldkonto heute kurzfristig als lukrativer als ein Sparbuch. Auf ein Tagesgeldkonto gibt es oft noch eine dauerhafte Verzinsung von mehr als einem Prozent. Neukunden erhalten für begrenzte Zeit zudem bis zu 3,5 Prozent (Stand: Dezember 2024).

Außerdem ist ein Tagesgeldkonto eine genauso kostenfreie, risikoarme Geldanlage wie ein Sparbuch. Die Einlagensicherungssysteme der Banken und Sparkassen schützen Tagesgeld im gleichen Umfang (siehe Abschnitt oben).

Zudem ist ein Tagesgeldkonto deutlich flexibler, weil Sparerinnen und Sparer jederzeit über das gesamte Guthaben verfügen. Es gibt, anders als beim Sparbuch, für Ein- und Auszahlungen keine Limits.

Was ist besser: Sparbuch oder Festgeldkonto?

Ein Festgeldkonto eignet sich fürs Sparen mittelfristig besser als ein Sparbuch. Festgeld bietet über Laufzeiten von einem bis drei Jahren häufig noch Zinsen von zwei bis drei Prozent (Stand: Dezember 2024). Sparerinnen und Sparer können deshalb auch, anders als beim variablen Sparbuchzins, mit einem festen Zinsgewinn planen.

Festgelder sind wie Tagesgeld und Spargeld durch die Einlagensicherungssysteme der Banken geschützt. Allerdings sind sie nicht so flexibel, da ein Zugriff auf das Ersparte inklusive Zinsen erst nach Ende der Laufzeit möglich ist.

Welche Alternativen zum Sparkonto gibt es noch?

Eine Sparbuch-Alternative, um Geld langfristig anzulegen, kann auch ein ETF-Sparplan sein. Das sind automatisch und regelmäßig ausgeführte Käufe von passiven börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Ein ETF lässt sich so schon mit kleinen Beträgen pro Monat oder Quartal über kostenlos ein Depot bei einer Bank oder einem Broker besparen. Zudem sind auch Einmalkäufe von ETFs in größeren Summen möglich, für die Gebühren anfallen.

Für langfristige Sparpläne eignen sich einerseits ETFs, welche die Wertentwicklung von Geldmarktfonds abbilden. Sie gelten als vergleichbar risikoarm wie Tagesgeld, unterliegen kurzfristig aber auch leichten Kursschwankungen. Geldmarktfonds-ETFs investieren in Anleihen mit kurzer Laufzeit oder bei Banken, Unternehmen oder Staaten, die sich kurzfristig Geld leihen. Ihre jährliche Rendite liegt meist etwas unter dem europäischen Leitzins und leicht über dem Niveau von üblichen Tagesgeldzinsen.

Andererseits bieten sich für einen Sparplan auch ETFs an, die einen weltweiten Aktienindex mit Tausenden Aktien verschiedenster Branchen abbilden. Das Verlustrisiko ist dadurch deutlich stärker gestreut als bei Einzelaktien, aber höher als bei Tagesgeld und Geldmarkfonds.

Wichtig ist es deshalb, das Geld langfristig über mehr als zwölf Jahre anzulegen. Dann sind kurzfristige Verluste durch Börsenkrisen, zumindest historisch betrachtet, so gut wie ausgeschlossen. Für Anfänger eignen sich als Basisinvestment etwa Sparpläne auf ETFs, die die Indizes MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All Country abbilden. Ihre Rendite bewegt sich im Bereich von fünf bis acht Prozent im Jahr.

Angelegtes Geld in Geldmarkt- oder Aktien-ETFs ist in einem Depot als Sondervermögen vor einer Bankpleite geschützt. ETF-Anteile können Sparerinnen und Sparer grundsätzlich jederzeit flexibel verkaufen.

Wie lässt sich ein Sparbuch kündigen?

Ein Sparbuch müssen Besitzer schriftlich kündigen. Das können sie direkt in der Bankfiliale per Unterschrift auf einem entsprechenden Formular oder per Brief erledigen. Dabei ist ein Konto anzugeben, auf das die Bank das verbliebenen Guthaben nach Ende der Kündigungsfrist überweist. Sie beträgt für Sparbücher mindestens drei Monate.

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Wer vor Ablauf der Kündigungsfrist Erspartes von mehr als 2000 Euro komplett abheben will, muss Vorschusszinsen zahlen.

Dieser Artikel erschien erstmals im Dezember 2024. Der Artikel wurde am 20.12.2024 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

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