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Lebensversicherung Was ein Run-off für die Versicherten bedeutet

Manche Lebensversicherer haben das Neugeschäft eingestellt und wickeln ihre Bestände ab. Kunden bringt das mehr Nachteile als Vorteile, sagen Kritiker.
12.09.2020 - 16:25 Uhr Kommentieren
Die Niedrigzinsen treffen auch die Lebensversicherungen: Viele können sich Produkte mit einer garantierten Verzinsung von 0,9 Prozent nicht leisten. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Die Niedrigzinsen treffen auch die Lebensversicherungen: Viele können sich Produkte mit einer garantierten Verzinsung von 0,9 Prozent nicht leisten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Im Niedrigzinsumfeld entpuppen sich klassische Lebensversicherungen mit zum Teil noch hohen Zinsgarantien für viele Versicherer als Belastung. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Anbieter das Neugeschäft einstellen und ihren Bestand abwickeln wollen.

Bekannte Beispiele: Nachdem Generali Leben im Juli 2018 das Neugeschäft eingestellt hatte, wurde die Tochter des italienischen Konzerns im April 2019 an die Viridium Gruppe verkauft und firmiert heute unter dem Namen Proxalto. Ergo Leben gab ebenfalls das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen auf und verwaltet nur noch die Bestände.

Vor Kurzem warnte der Bund der Versicherten (BdV), dass auch die Allianz die Weichen für Run-off und Abwicklung von Lebensversicherungen stelle. Als Signale werten die Verbraucherschützer, dass die Presse-Pensionskasse, die Teil der Allianz-Pensionskasse ist, das Neugeschäft einstellen und die Allianz in Belgien 95.000 Policen an den Rückversicherer Monument Re veräußern will.

Ein Firmensprecher betont jedoch, dass der Verkauf von deutschen Lebensversicherungsbeständen der Allianz „nicht zur Diskussion“ stehe. Es zahle sich aus, dass Allianz Leben bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen habe, Produkte mit neuen Garantiekonzepten zu entwickeln.

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    Er räumt aber ein, dass es Marktteilnehmer gebe, die für sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation zu anderen Schlüssen kommen könnten: „Hier kann es auch Konsolidierungsplattformen geben, die – wenn sie richtig betrieben sind – für die Kunden einen Mehrwert bieten.“ Was Verbraucher von einem Run-off erwarten können, zeigt daher der folgende Überblick:

    Was genau ist ein Run-off?

    Bei einem Run-off stellt der Versicherer das Neugeschäft ein und wickelt nur noch den Bestand ab. In manchen Fällen überträgt er die Versicherungen an einen Dritten.

    Bei einem solchen externen Run-off verkauft der bisherige Versicherer entweder das gesamte Unternehmen an einen neuen Inhaber oder der Bestand wird auf einen anderen Versicherer übertragen.

    In diesem Fall erhält der Kunde einen anderen Vertragspartner. Auch dieser muss sich an die vereinbarten Rechte und Pflichten halten – und beispielsweise die versprochenen Garantien zahlen und die Kunden an den Überschüssen beteiligen.

    Welche Vorteile kann ein Run-off für Verbraucher haben?

    Ein Argument lautet, dass die Run-off-Versicherer durch eine Bündelung vieler Verträge Kosten einsparen könnten. An den Kosten-Überschüssen müssten sie ihre Kunden dann beteiligen.

    Laut einer im Frühjahr 2020 vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) konnten die Run-off-Versicherer in Deutschland die erhoffte Senkung der Verwaltungskostenquote bislang nicht realisieren. Möglicherweise werden die Effizienzvorteile aber auch erst in den kommenden Jahren sichtbar, räumen die Autoren ein.

    Ist die Kritik am Run-off berechtigt?

    Viele Verbraucher werten einen Verkauf von Beständen als Vertrauensbruch und fragen sich, inwiefern die neue Gesellschaft ein Interesse daran hat, Überschüsse für die Versicherten zu erzielen. Kritiker erwarten, dass die Run-off-Versicherer längerfristig an die Versicherten nur das ausschütten werden, was gesetzlich vorgeschrieben ist, aber nicht mehr.

    Der DIA-Studie zufolge fällt die Beteiligung der Kunden an den Überschüssen im Jahr 2018 bei den Nicht-Run-off-Versicherern mit 96 Prozent tatsächlich deutlich höher aus als bei den Run-off-Versicherern mit 89 Prozent.

    Zugleich fallen die Run-off-Versicherer aber durch eine höhere Zuführung zu den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) auf. Diese spiegelt die künftigen Ansprüche der Versicherungsnehmer an den Überschüssen wider. Die Effekte glichen sich aus, heißt es in der Analyse. Ob die Versicherten im Run-off auch langfristig in ähnlicher Höhe an Überschüssen beteiligt werden wie bei Nicht-Run-off-Versicherern, muss sich aber noch zeigen.

    Befürchtet wird zudem, dass sich die Kundenbetreuung im Run-off verschlechtert und unzufriedene Kunden ihre Verträge vorzeitig kündigen. Die hohen Stornoquoten bei einzelnen Run-off-Versicherern werden daher von Verbraucherschützern kritisiert. Für ein lang laufendes Produkt, das den Ruhestand absichern soll, seien diese Zahlen ein Armutszeugnis, sagt BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein.

    Generell können sich Run-off-Versicherer aber keine hohen Stornoquoten leisten. Zum einen leben sie von einer langfristigen Verwaltung der Versicherungen. Zum anderen sind sie auf ein gutes Image angewiesen, um weitere Bestände akquirieren zu können.

    Was sollten Versicherte tun, wenn sie von einem Run-off betroffen sind?

    Akuten Handlungsbedarf gibt es in der Regel nicht. Anstatt gut verzinste Verträge überstürzt zu kündigen, sollten sich Verbraucher zunächst unabhängig beraten lassen.

    Mehr: Ab in die Rente: Was Verbraucher beim Start in den Ruhestand beachten sollten

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