Health-i All-Star 2025 – DiaMonTech: Nadellos, innovativ, erfolgreich
Düsseldorf/Hamburg. Rund elf Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes. Jährlich kommen laut Deutscher Diabetes-Hilfe etwa 450.000 Neuerkrankungen hinzu. Wer betroffen ist, muss seinen Blutzucker oft mehrmals täglich kontrollieren, etwa vor dem Essen, beim Sport oder vor dem Schlafengehen. Dazu nötig ist ein Tropfen Blut, der meist mit einem kleinen Nadelstich in den Finger gewonnen wird. Der Tropfen landet auf einem Papierteststreifen, den ein kleines Gerät auswertet.
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Diese Routine ist für viele Betroffene unangenehm und zudem materialintensiv – bisher zumindest. Denn genau an diesem Punkt setzt das Start-up DiaMonTech an, das mit seiner Lösung erneut von der Health-i Initiative, einer Initiative von Techniker Krankenkasse und Handelsblatt, ausgezeichnet wurde.
Zwei Health-i Awards in zwei Jahren
Das Berliner Unternehmen hat mit D-Pocket ein Gerät entwickelt, das den Blutzuckerspiegel misst, ohne Blut oder Teststreifen zu benötigen. Ein Laser regt Glukosemoleküle im Gewebe an, die dabei entstehende minimale Wärmeveränderung wird gemessen und in einen Glukosewert umgerechnet.
Das Konzept funktioniert – und hat auch die Health-i Community überzeugt. Anlässlich von zehn Jahren Health-i konnte sie über ihre Lieblinge aus den vergangenen Jahren abstimmen. DiaMonTech machte das Rennen. Für den Health-i Gewinner von 2024 ist es der zweite Health-i Award in zwei Jahren.
Die Auszeichnung bringt Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt: DiaMonTech hat Mitte September eine Finanzierungsrunde über zwölf Millionen Euro erfolgreich abgeschlossen. Lead-Investor ist Samsung Next, hinzu kamen Investoren über die Plattform Companisto. „Geld für ein MedTech- und Hardware-Start-up zu bekommen, ist unendlich schwer. Umso erleichterter sind wir jetzt“, sagt CEO und Co-Founder Thorsten Lubinski. Das Kapital soll reichen, „um das D-Pocket fertig zu entwickeln, die Zulassung als Medizinprodukt zu erreichen und die ersten Umsätze zu erzielen“.
Von der Klein- zur Großserie
Das junge Unternehmen setzt dabei bewusst auf eine Produktion in Deutschland. „Wenn wir hier produzieren, habe ich die Möglichkeit, zum Hersteller zu fahren und daran mitzuwirken, dass eventuelle Probleme schneller gelöst werden“, sagt Lubinski. Zunächst soll es eine Nullserie mit maximal 150 Geräten geben, um weitere Verbesserungen vorzunehmen. Später soll eine Serie mit den ersten tausend D-Pockets auf den Markt kommen. Dazu befindet sich DiaMonTech auch in Gesprächen mit Krankenkassen. Das Ziel ist, dass Patientinnen und Patienten das Gerät im Alltag kostenfrei nutzen können. Preislich soll D-Pocket zwischen Teststreifen und heutigen minimalinvasiven Sensoren liegen.
Ein schneller Verkauf an einen großen Technologiekonzern ist nicht geplant. „Wir wollen das Produkt selbst in den Markt bringen“, sagt Lubinski. Langfristig könnte die Technologie der Berliner sogar in Wearables wie smarte Uhren oder Ringe integriert werden.
Der Weg ist noch weit, aber die Vision ist greifbar: ein Alltag, in dem Menschen ihren Blutzuckerspiegel messen können, ohne auch nur einen Tropfen Blut dafür zu benötigen. Für Millionen Betroffene wäre das mehr als Komfort. Es wäre ein Stück Freiheit.
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