Wingcopter: Drohne soll Impfstoffe ausliefern
Die Wingcopter-Gründer arbeiten an der eigenen Produktionsanlage.
Foto: Jonas WreschDüsseldorf. Das hessische Start-up Wingcopter will Covid-19-Impfstoffe mit Drohnen in abgelegene Gegenden ausliefern. „Im Rahmen einer Partnerschaft mit Unicef und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit bauen wir aktuell ein Liefernetzwerk für Medikamente und Impfstoffe im afrikanischen Malawi auf und bilden dort zusätzlich an einer Akademie lokale Drohnenexperten aus“, sagt Tom Plümmer, Geschäftsführer von Wingcopter.
Wingcopter hat bereits in Malawi ausgeliefert. Weitere Erfahrungen wurden auf dem Inselstaat Vanuatu gesammelt. Hier brachte der Wingcopter Impfstoffe in Krankenhäuser.
Solche Projekte haben vor der Coronapandemie stattgefunden. Mitte des vergangenen Jahres förderte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Start-up mit drei Millionen Euro. Es sollte erproben, ob Menschen in Entwicklungsländern per Drohne auch mit den Covid-19-Impfstoffen beliefert werden können.
Nach ersten Pilotstudien möchte das Start-up jetzt die Serienproduktion starten und eine verbesserte Drohne auf den Markt bringen. Dafür sammelte das Unternehmen jüngst 18,3 Millionen Euro ein. Unter den Investoren ist neben dem hessischen Wachstumsfonds Futury Regio Growth auch die kalifornische Explorer Capital, die bereits beim US-Konkurrenten Zipline an Bord ist. Im Januar 2019 sammelte der Wettbewerber rund 157 Millionen Euro ein und gilt seither als Einhorn. Die Zipline-Drohne liefert zum Beispiel in Ruanda Medikamente an Kliniken aus.
Die Produktion des neuen Wingcopters wird in Darmstadt derzeit in einer 7200 Quadratmeter großen Fabrik aufgebaut. „Wir stellen außerdem kontinuierlich neues Personal ein“, sagt Plümmer. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 115 Mitarbeiter. Geplant ist, in der neuen Fabrik Tausende Drohnen herzustellen.
Ins Detail gehen möchte Plümmer zwar noch nicht, wenn es um die neue Drohne geht. „Das neue Modell soll aber mit voller Zuladung noch weitere Strecken als das aktuelle Modell fliegen können und die neuesten regulatorischen Luftfahr- und Sicherheitsstandards erfüllen“, verrät er. Der Wingcopter ist im normalen Betrieb bis zu 150 Stundenkilometer schnell und kann bis zu sechs Kilogramm transportieren.
2500 Impfproben sollen pro Wingcopter täglich in afrikanischen sowie südostasiatischen Regionen an Impfzentren und Krankenhäuser geliefert werden. „Wir bauen derzeit kleine Hubs auf, von denen aus die Drohnen mehrere Gesundheitszentren in schwer erreichbaren Regionen anfliegen, und welche auch nach der Pandemie noch für die Lieferung von dringend benötigten Medikamenten genutzt werden können“, sagt Plümmer.
Die Drohne fliegt autonom, kann senkrecht aufsteigen und wechselt dann in den Flugzeugmodus. So bewegt sie sich schneller, stabiler und leiser als herkömmliche Modelle. Die Schwenkrotoren, die die Drohne in eine Propellermaschine verwandeln, hat Mitgründer Jonathan Hesselbarth 2012 patentrechtlich schützen lassen. Gegründet wurde Wingcopter im Jahr 2017 aus der TU Darmstadt heraus.
Seither ist der Drohnenmarkt heiß umkämpft. Neben Zipline entwickeln auch Tech-Riesen wie Google und Amazon Lieferdrohnen. „Vor allem im Verhältnis von Zuladung und Reichweite ist unsere Drohne im Vergleich zu Amazon und Google seit jeher führend“, sagt Plümmer. Wingcopter kooperiert bislang mit den Logistikunternehmen DHL und UPS.
Wingcopter steckt in US-Zulassungsverfahren
Plümmer hat große Hoffnungen für die Zukunft. „Die Nachfrage nach Lieferdrohnen wird zunehmen, das hat vor allem auch mit der steigenden gesellschaftlichen Akzeptanz für zivile und humanitäre Anwendungen zu tun.“ Der Ruf der Technologie, die immer als Spionage- und Tötungswerkzeug des Militärs wahrgenommen worden wäre, habe sich verbessert. Besonders in der Coronapandemie habe man gemerkt, dass die Flugtechnologie wichtige Transporte im Gesundheitssystem übernehmen kann.
Trotzdem hat das Start-up weiterhin mit regulatorischen Hürden zu kämpfen: In Deutschland ist der Drohnenflug bislang nur auf Sicht erlaubt. „Hierzulande muss man für Flüge außerhalb der Sichtweite noch ein Genehmigungsverfahren durchlaufen, um eine Jahresgenehmigung zu erhalten“, sagt der Geschäftsführer. In den USA durchläuft der Wingcopter gerade ein Zulassungsverfahren der Luftfahrtbehörde FAA. „Das ist für unser Geschäft wichtig, weil die Drohne nur mit dieser Zulassung in den USA wie ein Flugzeug landesweit kommerziell fliegen dar“, sagt Plümmer.
Durch eine neue Kooperation mit dem Flying Labs will man außerdem die Logistik um die Drohnen herum in Entwicklungsländern ausbauen und vor allem Personal ausbilden. „Flying Labs ist bereits in 30 Ländern engagiert und arbeitet dort mit Menschen vor Ort zusammen“. Sobald Impfstoffe also wirklich in solchen Ländern ankommen, kann der Wingcopter sie auch in ländliche Regionen liefern.