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Krisenbedingte Sonderzahlung Diese Unternehmen überweisen Mitarbeitern einen Corona-Bonus

Siemens, Microsoft, Lanxess: Immer öfter erhalten Angestellte derzeit finanzielle Zeichen der Anerkennung. Das kann die Motivation steigern – muss aber nicht so sein.
11.11.2020 Update: 13.11.2020 - 11:06 Uhr Kommentieren
Viele Firmen entlohnen ihre Beschäftigten für die Strapazen der Coronakrise. Quelle: obs
Aldi-Mitarbeiterin

Viele Firmen entlohnen ihre Beschäftigten für die Strapazen der Coronakrise.

(Foto: obs)

Düsseldorf Es macht einen Unterschied, ob man im Homeoffice arbeiten darf – oder es muss. Die Mitarbeiter von Microsoft waren an mobile Arbeit gewöhnt, schon 2014 hat der IT-Riese beschlossen, dass Angestellte nicht mehr jeden Tag ins Büro kommen müssen.

Seit Ausbruch der Pandemie haben sich die meisten nur noch per Videokonferenz gesehen – und ein Ende ist nicht in Sicht: Bis kommenden Sommer sind die Microsoft-Mitarbeiter dazu angehalten, vom heimischen Schreibtisch aus zu arbeiten. Das kann belastend sein.

Als Zeichen der Anerkennung zahlt der Softwarehersteller mit dem Novembergehalt jedem der knapp 3000 Beschäftigten in Deutschland einen Corona-Bonus in Höhe von 500 Euro. Das hat das Handelsblatt exklusiv von Microsoft erfahren. Die Pandemie sei für „alle unwahrscheinlich schwierig“, sagt Personalchefin Claudia Hartwich. „Wir wollen unseren Mitarbeitern durch den Bonus eine Freude machen, damit sie sich selbst einen kleinen Wunsch erfüllen können.“ Das Engagement während der Krisenzeit wisse man sehr zu schätzen.

Microsoft ist nur ein Beispiel. Immer mehr Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern derzeit eine Corona-Prämie aus. Sei es, um deren Arbeit im Homeoffice zu goutieren oder den Angestellten in den Werkshallen und an den Fertigungsstraßen dafür zu danken, dass sie trotz Pandemie tagtäglich in den Betrieb gekommen sind.

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    Für die Arbeitspsychologin Hannah Schade ist das grundsätzlich eine gute Idee. „Finanzielle Anerkennung für seine Leistung zu bekommen motiviert dazu, sich weiter zu engagieren, und schützt vor Burn-out.“ Die Wissenschaftlerin, die am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund arbeitet, rät Firmen allerdings dazu, nicht nur das Geld zu überweisen, sondern die Anerkennung auch ehrlich und dankbar zu kommunizieren. „Eine Prämienzahlung darf nicht missverstanden werden als Bestechung dafür, dass man in der zweiten Welle nicht die Füße baumeln lässt.“

    Siemens preschte diese Woche vor

    Am Montag war Siemens der erste deutsche Industriekonzern, der mit der Nachricht vorpreschte, rund 235.000 Beschäftigten weltweit einen Bonus auszuzahlen. Mit der einmaligen Prämie wolle man „Höchstleistungen in der Krise“ honorieren, ließ Vorstandschef Joe Kaeser verlautbaren. Siemens will rund 200 Millionen Euro ausschütten. Die genaue Summe richtet sich nach der Kaufkraft im jeweiligen Staat, hierzulande sollen es 1000 Euro pro Mitarbeiter sein. Die Prämie erhalten alle Beschäftigten unterhalb des Senior Managements.

    Auch der Online-Modehändler Zalando teilte dieser Woche am Rande der Bekanntgabe seiner Quartalszahlen mit, jedem Angestellten eine 500-Euro-Prämie zahlen zu wollen.

    1000

    Euro

    will Siemens nach Handelsblatt-Informationen jedem Mitarbeiter in Deutschland als Corona-Bonus zahlen.

    Weitere Firmen dürften diesem Beispiel folgen. Denn ein solcher Bonus ist hierzulande nur noch bis zum Jahresende steuer- und sozialversicherungsfrei. Bund und Länder hatten sich im März darauf geeinigt, um die Leistung der Beschäftigten anzuerkennen.

    Dabei ist die Anerkennung nicht nur der Leistung im Homeoffice entscheidend. Denn in der neuen Arbeitswelt droht eine Spaltung zwischen denen, die mobil arbeiten können, und jenen, die an die Fertigungsstraßen gebunden sind. Ein Bonus für die Produktionsmitarbeiter kann deren Moral stärken und die drohende Zweiklassengesellschaft im Unternehmen ein Stück weit abfedern.

    So ist der Bonus, den Lanxess zahlt, vor allem für Schichtarbeiter in den Werken gedacht, die in der Pandemie die Produktion aufrechterhalten haben. Am Donnerstag teilte der Kölner Spezialchemiekonzern mit, einen hohen einstelligen Millionenbetrag auszuschütten. Die Höhe der Sonderzahlung variiert dabei je Mitarbeiter. Hierzulande erfolgt die Auszahlung im Dezember.

    1450

    Euro

    will der Mittelständler OBO Bettermann mit der Novemberabrechnung auszahlen.

    Beim Reinigungsgerätehersteller Kärcher gibt es seit Mai eine monatliche Prämie für jene Mitarbeiter, die nicht ins Homeoffice gehen konnten. „Die Aktion läuft noch bis Ende des Jahres und war ein überragender Erfolg“, sagte Kärcher-Chef Hartmut Jenner kürzlich im Handelsblatt-Interview. Die genaue Summe teilt er nicht mit. Das Familienunternehmen OBO Bettermann kündigte am Donnerstag an, mit der Novemberabrechnung 1450 Euro extra an jeden der 4200 Mitarbeiter auszuzahlen.

    Lebensmittelhändler zahlen geringe Prämien

    Während der ersten Welle nutzten Unternehmen gerade im Silicon Valley die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter mit Prämien zu motivieren. Facebook zahlte im März 1000 Dollar extra. Google hat Mitarbeitern die gleiche Summe gezahlt, wenn sie ihren Heimarbeitsplatz ausstatten wollten. Hierzulande war die Deutsche Post im Sommer der erste Dax-Konzern, der eine Sonderprämie gezahlt hat – 300 Euro. Insgesamt hat das Unternehmen 200 Millionen Euro dafür ausgegeben.

    Auch fast alle Lebensmittelhändler haben Prämien gezahlt. Verglichen mit der Industrie fallen diese aber geringer aus. So erhielten Beschäftigte des Discounters Aldi bis zu 250 Euro – aus steuerlichen Gründen in Form eines Einkaufsgutscheins. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, verteilte im Oktober Einkaufsgutscheine im Wert von 200 Euro. Schon in den ersten Monaten der Krise gab die Gruppe 35 Millionen Euro aus.

    250

    Euro

    haben Angestellte des Discounters Aldi maximal als Corona-Bonus bekommen.

    Eine Einmalprämie von wenigen Hundert Euro – trotz schwieriger Arbeitsbedingungen in Zeiten von Hamsterkäufen und Hygienemaßnahmen? Die Dortmunder Arbeitspsychologin Schade rät Firmen, finanzielle Prämien nicht zu gering ausfallen zu lassen: Mitarbeiter könnten sich womöglich geringgeschätzt fühlen. Und das führt keinesfalls zu gesteigerter Motivation.

    Ob Microsoft, Siemens, Lanxess oder die Lebensmittelbranche: Die Beispiele zeigen, dass vor allem Unternehmen Sonderzahlungen leisten können, die vergleichsweise gut durch die Krise kommen. In der Veranstaltungsbranche, der Luftfahrt oder in der Autoindustrie sind Prämien nicht zu erwarten.

    Diesen Firmen rät Schade zu anderen, kostengünstigeren Formen der Motivation. Unternehmen könnten den Angestellten zusätzliche Urlaubstage oder mehr Freiheiten ermöglichen. Auch ein wertschätzendes Gespräch mit den Angestellten könne ein Zeichen der Anerkennung sein.

    Auch „Vorkämpfer“ Stihl zahlt Prämie

    Das Familienunternehmen Stihl honoriert „die starke Leistung seiner Beschäftigten bei den aktuellen Herausforderungen“ mit einer steuerfreien Corona-Prämie in Höhe von 350 Euro. „Ohne den großen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten wir die vergangenen Monate nicht so gut meistern können. Die Corona-Prämie ist ein Zeichen des Dankes an unsere Beschäftigten für ihr unablässiges Engagement“, sagt der Stihl-Chef Bertram Kandziora.

    Stihl gilt als Vorkämpfer bei der Erfolgsbeteiligung von Mitarbeitern. Seit 35 Jahren können Stammbeschäftigte jährlich Genussrechte für 1350 Euro erwerben, zahlen dafür selber nur 450 Euro – den Rest übernimmt das Unternehmen.

    „Ob strikte Schichtentrennung, Homeworking oder die Doppelbelastung von Arbeit und Kinderbetreuung während der Schließung von Kindergärten und Schulen – durch die hohe Flexibilität unserer Beschäftigten konnten wir das Infektionsgeschehen niedrig halten und die Märkte mit Produkten versorgen“, betont Personalchef Michael Prochaska. Stihl konnte in diesem Jahr bei stabilen Lieferketten durchproduzieren.

    Das Unternehmen, das mit Motorsägen groß wurde, berichtet über ein „deutliches Umsatzplus“. Grund sei die hohe Nachfrage nach Gartengeräten – vor allem von Privatkunden, die wegen der Kontakt- und Reisebeschränkungen mehr Zeit zuhause verbrachten. Professionelle Kunden wie Land- Und Forstwirte, aber auch Straßenmeistereinen konnten in der Pandemie weiter arbeiten.
    Stihl erzielte 2019 mit 16.722 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 3,93 Milliarden Euro.

    Der Weltmarktführer bei Ventilatoren, EBM Papst, zahlt jedem Beschäftigten 1000 Euro für den zusätzlichen Einsatz während der Pandemie. Den gleichen Betrag spendiert der Laserspezialist Trumpf, allerdings nur für Mitarbeiter, die in diesem Jahr im Auslandseinsatz waren. Diese mussten häufig in Quarantäne und dabei oft in sehr einfachen Hotels untergebracht. Schraubenkönig Reinhold Würth zahlt allen Beschäftigten 400 Euro.

    Auch Mitarbeiter des Intralogistik-Spezialisten Jungheinrich sollen einen Bonus erhalten. Das Hamburger Unternehmen werde seinen Mitarbeitern, abgesehen von den Führungskräften, mit dem Dezember-Gehalt eine Prämie auszahlen, heißt es von Jungheinrich. Sie soll je nach Kaufkraft des Standortes zwischen 500 und 1.000 Euro liegen. Insgesamt zahlt das Unternehmen 13,5 Millionen Euro aus.

    Vorstandschef Lars Brzoska will mit der einmaligen Sonderzahlung „das Engagement der Beschäftigten würdigen und ihnen Anerkennung für die zusätzliche Belastung durch die Krise zollen.“ Bei Jungheinrich arbeiten weltweit rund 18.000 Menschen.

    Zurückhaltend sind bislang die Autobauer Daimler und Porsche, wo Sonderzahlungen kein Thema sind – ebenso wie beim weltgrößten Autozulieferer Bosch. Auch der drittgrößte deutsche Autozulieferer ZF hat noch nicht entschieden, ob es Prämien gibt. Die Autoindustrie leidet nicht nur unter der Pandemie, sondern dem Abschwung der Weltautokonjunktur sowie den gleichzeitig immensen Vorleistungen für die Transformation zur Elektromobilität.

    Mitarbeit: Martin Buchenau, Bert Fröndhoff, Florian Kolf, Anja Müller, Martin Murphy

    Mehr: Zurück ins Homeoffice: Wie die Dax-Konzerne auf die zweite Welle reagieren

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