Holocaust: „Sie kamen in der Nacht, als ich sechseinhalb Jahre alt war“
Frankfurt. Wie übersteht man das Unüberstehbare? Wie überlebt man das Unüberlebbare? Wie spricht man über das Unsagbare? Wenn das einer weiß, dann ist es Boris Cyrulnik, 86. Der französische Neuropsychiater und Bestsellerautor gilt als einer der berühmtesten Trauma- und Resilienzforscher der Welt.
1937 in Bordeaux geboren, verlor Cyrulnik mit fünf Jahren seine Eltern in Auschwitz. Mit sechs Jahren entronn er selbst bei einer Razzia der Nazis nur knapp dem Tod. Und wuchs danach als Waisenkind in Pflegeheimen und Internaten auf. Diese frühen Traumata prägten ihn, privat wie beruflich.
Im Herbst 2024 erschien sein jüngstes Buch: „Wenn Tiere kämpfen und Menschen Kriege führen. Eine Psychologie der Gewalt“. Cyrulnik empfängt den Video-Call mit dem Handelsblatt in seiner kleinen Villa nahe der südfranzösischen Stadt Toulon.