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BildungManagement braucht Future Skills

Viele Hochschulen befinden sich in einem liederlichen Zustand, beklagt Jürgen Meffert. Er hat drei Vorschläge, wie Universitäten und Business Schools das Problem lösen können. Ein Gastkommentar. 17.02.2025 - 17:15 Uhr Artikel anhören
Der Autor: Jürgen Meffert ist Aufsichtsratsvorsitzender der HHL Leipzig Graduate School of Management. Foto: Imago, PR [M]

Jeder weiß: Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und Bildung ist für uns der elementare Baustein für eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft. Dennoch lassen wir es zu, dass viele Hochschulen in einem liederlichen Zustand sind.

Neben den üblichen Rufen nach mehr staatlicher Unterstützung muss fairerweise auch einmal die Frage gestattet sein, wie Hochschulen selbst dazu beitragen können, ihre Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Am Beispiel der Managementausbildung möchte ich drei Punkte nennen, an denen unsere Hochschulen, Universitäten und Business Schools ansetzen sollten.

Viele Studiengänge sind zu stark spezialisiert und das Silodenken an Fakultäten ist zu groß

Erstens: Ganzheitliche Ausbildung und Interdisziplinarität statt hochspezialisierter Studiengänge und Silodenken. Es ist unstrittig, dass die Qualität der Ausbildung von Führungskräften an Hochschulen entscheidend für den Erfolg von Unternehmen im globalen Wettbewerb ist. Auf Führungskräfte warten in der Praxis enorme Aufgaben!

Paradoxerweise antworten viele Hochschulen auf eine komplexere und interdependente Unternehmensrealität mit zunehmend stärker spezialisierten Studiengängen und – immer noch – einem ausgeprägten Silodenken an ihren Fakultäten.

Erfolgskritisch ist jedoch eine ganzheitliche Managementausbildung, die bei Studierenden eine funktionsübergreifende Denk- und Arbeitsweise etabliert. Studierende müssen alle relevanten Managementdisziplinen in ihren Entscheidungen einbeziehen. Nur eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Forschung und Lehre kann das leisten. Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre (BWL) können die komplexen Probleme der Unternehmen nicht im Alleingang lösen – Absolventen von verästelten und hochspezialisierten Studiengängen auch nicht.

Was in der Wissenschaft als hochrangig zählt, wird in der Praxis kaum wahrgenommen

Zweitens: Praxisrelevante und Impact-orientierte Forschung statt ausschließlich A+-Publikationen für eine kleine Zielgruppe. Für eine wissenschaftliche Karriere in der BWL ist Forschung unerlässlich und diese soll primär in hochrangigen (A+) Journals veröffentlicht werden. Spitzenforschung ist Grundvoraussetzung für Innovation und daher sind Publikationen in Top-Journals zu begrüßen.

Nachdenklich machen jedoch Untersuchungen zur Praxisrelevanz von BWL-Zeitschriften. Hier gilt: Was in der Wissenschaft als hochrangig zählt, wird in der Praxis kaum gelesen oder wahrgenommen – und umgekehrt. Damit stellt sich die Frage, wie lange sich die Managementausbildung eine Entfremdung von ihren Untersuchungsobjekten – das sind Unternehmen und ihre Mitarbeitenden – leisten kann.

Benötigt wird ein intensiver Dialog zwischen Unternehmen und Wissenschaft, damit Forschende die drängenden Probleme der Praxis erkennen und adressieren können. Impact-orientierte Forschung – gemeinsam mit Unternehmen – muss raus aus der „Schmuddelecke“ und braucht bei der Bewertung der Berufungsfähigkeit von wissenschaftlichem Personal größeren Stellenwert.

Gastkommentar

Zuhören ist für Topmanager ein Muss

Drittens: Problembasierte und hochaktuelle Lehre statt „War-schon-immer-so-Ansatz“. Die Tage, an denen im Hörsaal im wahrsten Sinne des Wortes vorgelesen wurde, sind vorbei. Moderne, digitale Lehrformate und fallstudienbasierte Ansätze sind voll akzeptiert. Doch wie schwer es ist, tradierte Vorstellungen der Lehre zu durchbrechen, haben uns die vergangenen Jahre gezeigt: Erst im Zuge einer pandemischen Notlage hat sich bei so manchem Hochschullehrer die Erkenntnis durchgesetzt, dass Vorlesungsinhalte auch digital vermittelt werden können. Wissensvermittlung leidet nicht, wenn Inhalt in einer zeitgemäßen Form transportiert wird.

Um manche Probleme der Hochschulen zu lösen, ist sicher politischer Wille nötig. Aber auch die Hochschulen selbst sind gefordert, endlich ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Wir wollen das Thema Onlinelehre nicht überstrapazieren, aber das beständige Festhalten am Status quo ist ein Hemmschuh für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bildung. Vielerorts werden Vorlesungen immer noch ausschließlich in deutscher Sprache angeboten – für die Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte ist diese Praxis nicht dienlich. Die Managementausbildung muss dafür sorgen, dass Studierende in der Lage sind, reale Probleme in der Unternehmenspraxis zu lösen.

Dies setzt neben kritisch-logischem Denken auch die Vermittlung modernen Kompetenzen wie Künstliche Intelligenz (KI), Cyber-Security, Datenanalyse als Querschnittskompetenz und die Stärkung des unternehmerischen Denkens der Studierenden voraus. Kurzum: Die Curricula müssen flexibler und moderner werden. Sie müssen sich viel stärker an den Anforderungen der Future Skills orientieren.

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Fazit: An deutschen Hochschulen und in der Managementausbildung gibt es deutlichen Handlungsbedarf. Zur Lösung einiger Probleme braucht es sicherlich politischen Willen und Ressourcen. Aber so manches Defizit ist mit Bordmitteln zu beheben – unsere Hochschulen sind jetzt gefordert, ihre Hausaufgaben zu erledigen. „Mehr Staat, bitte!“, greift zu kurz. Die Marktorientierung in Forschung und Lehre ist ein ebenso wichtiger Mosaikstein für eine international wettbewerbsfähige Managementausbildung.

Der Autor:
Jürgen Meffert ist Aufsichtsratsvorsitzender der HHL Leipzig Graduate School of Management.

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