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Expertenrat – Johann JungwirthHuman Experience als Schlüssel zum Erfolg

Der Mensch, der Nutzer, der Kunde muss absolut im Zentrum stehen. Wir werden in den nächsten Jahren die Transformation von klassischen Bedien- und Anzeigenkonzepten hin zur holistischen Human Experience (HX) erleben.Johann Jungwirth 05.07.2017 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Dieser kleine, daumengroße Schlüsselanhänger stellt einen auf den Nutzer optimierten Zugang zum Mobilitätssystem dar.

Foto: Volkswagen

Es gibt leider zu viele Dinge, Geräte, Fahrzeuge und Maschinen, welche eine völlig inakzeptable User Experience (Nutzererlebnis) bieten. Sie wurden von Ingenieuren für Ingenieure entwickelt, am Menschen als Endnutzer vorbei. Damit muss so bald wie möglich Schluss sein! Die Digitalisierung bietet uns eine Vielzahl an Möglichkeiten, Mobilität mit der individuellen Lebenswelt der Menschen zu verbinden. Das Human Experience-Design (kurz: HX-Design) kann dabei für die Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch, Ökosystem und Fahrzeug eingesetzt werden. Zentraler Fokus ist es, innovative, intuitiv bedienbare und simple Human Experience-Konzepte (HX-Konzepte) zu entwickeln, die den Nutzer beziehungsweise den Menschen und seine Wünsche in den Mittelpunkt stellen und durch eine brillante Funktionsfähigkeit begeistern.

Der Ansatz des Human Experience-Designs verfolgt diesen Fokus unter Berücksichtigung der acht Human Thinking-Prinzipien: Emotion, Schönheit, Innovation, Intelligenz, Integrität, Leben, Gesellschaft und Nachhaltigkeit. Im Human Experience-Design werden diese Prinzipien dabei nicht nur separat betrachtet, sondern führen in einer konsequent auf den Menschen ausgerichteten holistischen Kombination zu einem integrierten Produkt- und Interaktionsdesign, welches bis ins kleinste Detail darauf ausgelegt ist, Nutzern ein bestmögliches Erlebnis zu bieten.

Human Experience-Design ist deutlich mehr als nur die Art und Weise, wie Produkte, Applikationen oder beispielsweise ganze Mobilitätssysteme aussehen und ästhetisch auf den Menschen wirken. Human Experience-Design beschreibt die Art und Weise, wie Produkte, Lösungen und Systeme für die Menschen funktionieren und welchen Nutzen sie mit welchem Nutzungserlebnis für den Menschen bieten. Es geht um die maximale Reduktion von Komplexität und den Fokus auf absolute Simplizität, so dass der größte Teil der Mensch-Maschine- oder der Mensch-System-Interaktion dazu beiträgt, das Leben der Menschen und Nutzer zu bereichern und vollkommen intuitiv nutzbar ist.

Die Digitalisierung und ihre brillanten Technologien legen dabei heute eine neue Basis zur Schaffung herausragender Lösungen, agieren für den Menschen allerdings hochkomplex unsichtbar im Hintergrund. Durch die nahtlose Integration von Hardware, Software und Services kann es gelingen, für die Menschen Produkte und Systeme zu schaffen, welche extrem einfach und unmissverständlich gestaltet sind, aber gleichzeitig ihren Nutzern durch Intelligenz und selbstlernende Algorithmen ein außergewöhnliches und gar magisches Erlebnis bieten.

Volkswagen OneButton – Zugang zur Mobilität für alle

Ein Beispiel für die nahtlose Integration von Hardware, Software und Services und die Anwendung des HX-Konzeptes, realisiert in einer Innovation, welche in Bezug auf ihre Einfachheit und Brillanz ein Ausrufezeichen setzt, ist der Volkswagen OneButton.

Dieser kleine, daumengroße Schlüsselanhänger, ausgestattet mit einem zentralen Druckknopf mit haptischem Nutzerfeedback, eingesetzt in einen intelligenten LED-Ring für optische Nutzerinteraktion und befähigt mit einer Vielzahl digitaler Technologien zur Lokalisation, Konnektivität und als Kompass, stellt einen auf den Nutzer optimierten Zugang zum Mobilitätssystem dar.

Mit einem einfachen Tastendruck auf den personalisierten OneButton als Mobilitäts-ID wird es zukünftig für die Menschen möglich sein, auf einfachste Art und Weise Mobilität abzurufen, denn ein einfacher Knopfdruck wird es ermöglichen, Mobilitätsdienstleistungen oder das eigene selbstfahrende Fahrzeug zu jeder Zeit und an jedem Ort zu bestellen.

Die Liebe fürs Detail und die Sorgfalt, mit welcher der OneButton designet und entwickelt wurde, sowie seine Intelligenz und Funktionsfähigkeit, werden vor allem nach dem Knopfdruck sichtbar: Der mit dynamischen und adaptiven LEDs ausgestattete Ring des OneButtons visualisiert zuerst die Suche nach dem Fahrzeug, danach wird auf intuitiv verständliche Weise angezeigt, wie das Fahrzeug sich auf den Nutzer zubewegt. Nach Ankunft des bestellten Fahrzeugs in der Nähe des Nutzers verändert sich nahtlos die Eigenschaft des LED-Rings und eine Kompassfunktion und Näherungsanzeige tritt zum Vorschein, welche den Nutzer – unterstützt durch die LEDs und Vibrationssignale – auf kürzestem Weg zum bestellten Fahrzeug leitet.

Durch seine Einfachheit und die Integration von genialen Technologien und Software in ein handliches und optisch ansprechendes Produkt, welches jeder an seinem Schlüsselbund tragen kann und welches insbesondere auch die Anforderungen von Kindern, sowie alten, kranken und auch blinden Menschen berücksichtigt, schafft es der OneButton, eine beträchtliche und auf den Menschen ausgerichtete Human Experience zu bieten. Selbstverständlich kann man das Fahrzeug auf Wunsch auch per App oder den digitalen persönlichen Sprachassistenten rufen.

Elektrofahrzeuge bieten bestes Nutzererlebnis

Auf übergeordneter Ebene ermöglichen digitale Konzepte und Technologien, umfassend und nahtlos integriert mit den physischen Bestandteilen eines klassischen Fahrzeugs, die Gestaltung einer innovativen Human Experience bei Elektrofahrzeugen. Schon vom Fahrzeugkonzept her befähigen die im Fahrzeugboden platzierten Batterien und die Substitution des klassischen Antriebssystems vollkommen neue Fahrzeugkonzepte und werden die Plattform für selbstfahrende Fahrzeuge bilden. Elektrofahrzeuge werden Schadstoffemissionen und Lärm in unseren Städten auf Null reduzieren und somit zur direkten Verbesserung unserer Lebensqualität beitragen.

Gleichzeitig bietet das unmittelbar verfügbare Drehmoment eines Elektromotors ein Fahr- und Freiheitsgefühl, das Menschen in dieser Art noch nicht erlebt haben. Des Weiteren können sie dort geladen werden, wo sie sowieso geparkt werden: am Arbeitsplatz, zu Hause, beim Einkaufen, am Bahnhof oder Flughafen. Der Elektromotor benötigt auch keine Wartung und bei jedem Brems- oder Verzögerungsvorgang wird die Batterie geladen. Weitere Beispiele für Simplizität und herausragendes Human-Experience-Design in der Produktgestaltung können durch die maximale Reduktion von manuellen Bedienschritten realisiert werden:

Durch verbaute Sensorik und die intelligente Nutzung von erfassten Daten können Fahrzeuge beispielsweise erkennen, ob sich ihr Besitzer nähert und diesen durch ein proaktives Öffnen und nach Einstieg sogar Schließen der Türen unterstützen – optisch unschöne Türgriffe und die Bedienung der Tür können entfallen.

Nach Einstieg kann im Fahrzeuginnenraum durch digitale Technologien ein Quantensprung im Nutzungserlebnis realisiert werden: Knöpfe und Stellräder können auf ein Minimum reduziert, durch Intelligenz und selbstlernende Systeme ersetzt oder sogar ganz eliminiert werden. Das Fahrzeug kennt beispielsweise die Wetter- und Lichtbedingungen und nimmt Gegenverkehr selbstständig wahr, so dass Schalter für das Einschalten des Lichts oder den Wechsel zwischen Fern- und Abblendlicht nicht mehr benötigt werden.

Ein Elektromotor benötigt keine Zündung, dementsprechend können Zündschloss und Start-Stopp-Knopf entfallen – das Fahrzeug setzt sich in Bewegung, wenn es einen berechtigten Nutzer erkannt hat und dieser den Gangwählhebel und die Pedalerie betätigt.
Navigation und streckenabhängig präferierter Fahrmodus werden durch eine intelligente Vernetzung des Fahrzeugs mit dem digitalen Schlüssel auf dem Smartphone und der Kunden-ID des Fahrers abgerufen.

Frontscheibe als transparentes Augmented Reality-Display

Über intelligente Algorithmen und die Anwendung künstlicher Intelligenz auf die Nutzungs- und Kundenprofildaten kann das Innenraumerlebnis für den Nutzer kontinuierlich optimiert werden und nahezu alles automatisiert werden.

Die verbleibende Bedienung und Interaktion im und mit dem Fahrzeug erfolgt über intuitive Touchflächen sowie intelligente persönliche Sprachassistenten. Die Frontscheibe dient als transparentes Augmented-Reality-Display für Fahrer und Beifahrer: Über Berührungen oder den Sprachassistenten lassen sich die Funktionen einfach und hochintuitiv bedienen. Alle Anzeigen sind auf den Nutzer individualisiert und -zentriert. So lässt sich das gesamte Fahrzeug mit allen seinen Funktionen logisch und leicht verständlich steuern – ohne dass ein Handbuch benötigt wird.

Nach Ankunft am Ziel werden Parkfunktionen automatisch aktiviert – so dass auch der Parkbremsschalter entfallen kann – und der Standort und Status des Fahrzeugs wird automatisch im Profil des Nutzers aktualisiert. Auch wenn man einen Mietwagen oder ein Shared-Mobility-Fahrzeug vom gleichen Hersteller verwendet, werden alle Einstellungen und Präferenzen aus dem eigenen Profil automatisch übernommen.

Mit Human Experience können Menschen ihr Leben genießen

Ein auf beste Human Experience ausgerichteter Nutzungsablauf wird die Menschen schlichtweg begeistern und auf emotionaler Ebene zu einer deutlich stärkeren Bindung zur Marke und dem Ökosystem führen.

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Die Realisierung dieser Simplizität für die Menschen, bei gleichzeitiger Abgabe sämtlicher Nutzungskomplexität an digitale Technologien außerhalb der Wahrnehmung des Nutzers, beschreibt eine bestmögliche Human Experience. Die Menschen wollen schließlich ihr Leben, Freunde und Familie, die Natur, die Umwelt und ihre Aufgaben mit höherem Sinn genießen.

Ich freue mich sehr auf die Zukunft, in welcher uns allen noch mehr unter der Design-Philosophie des Human Thinking gestaltete Produkte und Lösungen zur Verfügung stehen werden.

Johann Jungwirth ist Ingenieur und als Chief Digital Officer bei Volkswagen für die digitale Transformation und die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge im Konzern verantwortlich. Zuvor arbeitete er für Daimler und Apple. Foto: Handelsblatt
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